Schöpfung: Grundtypenbiologie - Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen  

Schöpfung: Grundtypenbiologie

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Interessierte: Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen

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Inhalt

In diesem Artikel wird erklärt, was unter Polyvalenz von Grundtypen zu verstehen ist und welche Indizien es für eine ursprüngliche Polyvalenz gibt. Vielfalt innerhalb von Grundtypen entstand demnach nicht in erster Linie durch Mutationen, sondern auf der Basis einer vorgegebenen programmierten Variabilität.

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Zum Grundtypkonzept der Schöpfungslehre gehört zum einen die Annahme getrennt erschaffener Grundtypen. Daraus folgt die Erwartung, dass auch heute Grundtypen nach geeigneten Kriterien voneinander abgegrenzt werden können. Dies wird im Artikel Heutige Grundtypen behandelt. Zum anderen beinhaltet das Grundtypkonzept auch die Annahme, dass die Grundtypen von Anfang an mit einer großen Variationsbreite ausgestattet waren. Sie waren genetisch (=in ihrem Erbgut) vielseitig.

 
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Polyvalenz

 

Für diese Variabilität kann es mehrere Quellen gegeben haben. Zum einen kann man annehmen, dass die ursprünglichen Grundtypen in großem Ausmaß misch-
erbig
waren. Die meisten Lebewesen besitzen bekanntlich einen doppelten Chromosomensatz. Auf den Chromosomen befinden sich die Gene. Diese wiede-
rum können unterschiedlich ausgeprägt sein (z. B. Gen für blaue oder braune Augen). Ein Pärchen kann demnach pro Gen maximal vier Zustandsformen (= Allele) besitzen. Insgesamt besitzen die Lebewesen in der Regel mehrere zehntausend Gene, die anfangs alle mischerbig (also bei einem Pärchen mit je Gen bis zu vier Varianten) gewesen sein können. Bei der Fortpflanzung werden die Genvarianten gemischt (= Rekombination) (vgl. Artikel Rekombination und Züchtung). Da die Merkmale der Lebewesen von vielen Genen gleichzeitig beeinflusst werden, liegt durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten ein großes Potential an Variationen vor.

Zum anderen können Gene mutieren (vgl. Artikel Mutation, womit die anfänglich schon vorhandene Variationsbreite weiter ausgedehnt werden kann. Im Artikel über Mutation wurden Gründe dargelegt, weshalb Mutationen zwar zu Variabilität, nicht aber zu neuen Konstruktionen führen. Möglicherweise waren viele Mutationen vorprogrammiert. Diese und andere Variationsmöglichkeiten werden unter dem Begriff Polyvalenz zusammengefasst.

Die Variabilität von Grundtypen, also ihre mikroevolutive Aufspaltung in Arten und Gattungen, würde nach der Hypothese der polyvalenten Stammformen nicht in erster Linie auf der evolutionären Entstehung neuer Allele, sondern auf einem genetischen Variations-Programm beruhen. Das Ausmaß der Variationsmöglichkei-
ten wäre vorgegeben und damit begrenzt.

Im folgenden werden einige Beobachtungen zusammengestellt, die auf eine ur-
sprünglich große, im Laufe der Zeit tendenziell aber abnehmende Polyvalenz der Grundtypen
sprechen.

 
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Variabilitätsverlust durch Artbildung

 

Ein Vorgang, der zu einer Verringerung der Polyvalenz führt, ist Artbildung. Artbildung ist empirisch belegt. Im Artikel Artbildung wird gezeigt, dass fortgesetzte Artbildungsereignisse zu Spezialisierung führen; die so entstandene Tochterart verfügt fast immer über ein geringeres Variationspotential als die Elternart: Der Grad an genetischer Polyvalenz ist reduziert (Abb. 70, 72). Dieser Sachverhalt ist ein Ergebnis empirischer Forschung.

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Wenn man auf dieser Grundlage in die Vergangenheit extrapoliert, wird man den Vorfahren der heute beobachtbaren Arten ein höheres Variationspotential als ihren Nachfahren zuschreiben. Mit anderen Worten: Die der Artbildung zugrunde-
liegenden Vorgänge deuten auf genetisch polyvalente Vorfahren hin. Je weiter diese Vorfahren zeitlich zurückliegen, desto mehr Artbildungsereignisse wird man annehmen und desto höher muss wohl die genetische Polyvalenz ihres Erbmaterials gewesen sein. Aus dieser Argumentationslinie entwickelt sich nahezu zwangsläufig die Vorstellung eines komplexen statt eines primitiven Vorfahren (Abb. 90).

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Es gibt nur einen Weg, diesen für die Makro-Evolutionslehre kaum akzeptablen generellen Schluss zu umgehen: Durch andere Evolutionsprozesse (etwa Mutation) muss die genetische Polyvalenz nach der Artbildung immer wieder neu erzeugt worden sein. Allerdings ist empirisch nicht zu beobachten, wie durch Evolutionsprozesse die verlorengegangenen Allele durch neuartige ersetzt werden können, und theoretische Modelle dazu liegen auch nicht vor (vgl. Mutation und Beispiel Bakterienmotor). Im Rahmen der Grundtypenbiologie der Schöpfungslehre ist ein genetisch polyvalenter Vorfahre zu erwarten.

 
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Verteilung von Merkmalen innerhalb von Grundtypen

 

Die Verteilung von Merkmalen auf verschiedene Arten ist die Grundlage für die Erstellung von Hypothesen über Verwandtschaft. Merkmalsverteilungen innerhalb von Grundtypen können im Sinne genetisch polyvalenter Vorfahren der heutigen Grundtypen gedeutet werden. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.

Aberrante Arten. Unter den Entenvögeln findet man einige Arten, die den Taxonomen schon immer Probleme bereitet haben; man fasst sie auch unter dem Begriff „aberrante Arten“ zusammen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie in sich Merkmale von ganz verschiedenen Entengattungen vereinigen. Deshalb können sie nicht ohne weiteres anderen Entenvögeln zugeordnet werden, und man stellt sie in eine eigene Tribus (=Klassifikationsstufe zwischen Gattung und Familie). Die Hühnergans (Abb. 91) ist ein solcher aberranter Typ. Sie vereinigt in sich Merkmale der Halbgänse, der Gänse und der Enten. Die Dampfschiffenten gehören nach ihren Federproteinen in die Nähe der Halbgänse, nach den Skelettmerkmalen zu den Enten und nach der Zusammensetzung der Bürzeldrüsenwachse in die Verwandtschaft der Eiderente. Solche Merkmalswidersprüche innerhalb von Grundtypen sind allgemein häufig und werden im Evolutionsmodell normalerweise durch Konvergenz (=mehrfach unabhängige Entstehung baugleicher Merkmale) erklärt (vgl. dazu Artikel Ähnlichkeiten in der Morphologie und Anatomie). Das setzt jedoch die Existenz der Selektionsfaktoren und Mutationsmechanismen voraus, welche in verschiedenen Arten unabhängig zum Auftreten des gleichen Merkmals führten. Diese sind in der Regel unbekannt. Im Grundtypmodell der Schöpfungslehre vermutet man, dass in der Stammform der Enten die Kapazität zur Ausprägung der in Frage stehenden Merkmale vorhanden war. Die Merkmale haben sich auf dieser Basis in mehr oder weniger zufälligen Kombinationen auf die Nachfahren verteilt. Ähnliche Befunde gibt es auch hinsichtlich der Gefiederzeichnungen oder der Schnabelformen.

Parallelvariation bei Meisen. Bei Meisen wurde beobachtet, dass sogenannte Parallelvariationen auftauchen. Darunter versteht man das parallele Auftreten sehr ähnlicher Phänotypen (=äußere Erscheinungsform eines Organismus) in Rassen unterschiedlicher Arten. Die Parallelvariationen konnten nicht als Reaktion auf Selektionsdrücke gedeutet werden. S. Eck schreibt dazu (1988, S. 62; vgl. Abb. 92): „Der Zusammenhang von räumlicher Anordnung und Merkmalsanordnung in Proportionen und Pigmentierung der Nest- und Alterskleider bei den Kohlmeisen (Parus major) von major im engeren Sinne bis bokharensis wiederholt sich in räumlich anderer Reihung spiegelbildlich so genau bei den fernerstehenden Blau- und Lasurmeisen (Parus caeruleus und Parus cyanus), dass es so abwegig nicht ist, von Programmierung zu sprechen.“ Vergleichbare Phänomene wurden auch bei Getreidearten und den verwandten Wildgräsern und anderen Nutzpflanzen in zahlreichen Fällen beobachtet. Der russische Genetiker Vavilov formulierte bereits 1925 daraus sogar ein „Gesetz der Parallelvariationen“.

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Regel der rekurrenten Variation. Im Artikel über Mutation wird die „Regel der rekurrenten Variation“ erläutert. Danach bringen künstlich ausgelöste Mutationen zum einen auf Dauer kaum noch neue Varianten, zum anderen gleichen Labormutanten den im Freiland auftretenden Mutationen weitgehend. Auch dieser Befund weist darauf hin, dass es zwar eine große, aber letztlich begrenzte Zahl von Merkmals­ausprägungen gibt, und passt gut zum Konzept der polyvalenten Stammformen.

Zusammenfassende Deutung. Die vorstehenden Beispiele für Merkmalsverteilun-
gen innerhalb von Grundtypen sind sehr gut mit der Vorstellung genetisch polyva-
lenter Stammformen verträglich. Abb. 93 kann als Ansatz für eine Arbeitshypothe-
se dienen, um die molekulargenetischen Grundlagen der besprochenen Strukturen zu erforschen (vgl. auch Abb. 94). Der Vorfahr verfügte über eine Reihe von Merk-
malskomplexen (Aa,b,c,d,e,f...; Ba,b,c,d,e,f...; Ca,b,c,d,e,f... usw.), welche die Zu-
stände a,b,c,... annehmen können. Diese Merkmalskomplexe lagen entweder in der Ursprungspopulation polymorph (=in verschiedenen Ausprägungen) vor oder sie konnten durch Regulationsmutationen angeschaltet und teilweise durch Mutationen erzeugt werden. Während der Artbildung verteilten sich die Ausprägungszustände auf die entstandenen Arten, deren Variationsfähigkeit mit zunehmenden Artbildungsereignissen immer mehr abnahm.

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Ähnlichkeiten von Mischlingen mit dritten Arten

 

Kreuzungen zwischen verschiedenen Arten innerhalb eines Grundtyps sind häufig. Manchmal treten dabei Mischlinge auf, deren Phänotypen (=äußere Erscheinungsform eines Organismus) weniger ihren Eltern und mehr dritten Arten aus dem Grundtyp ähneln. Die in Abb. 95 oben abgebildete Reiherente kann mit der darunter abgebildeten Tafelente kreuzen und den an dritter Stelle gezeichneten Mischling hervorbringen. Dieser wird in Parkanlagen unweigerlich mit der nur in Amerika lebenden Veilchenente verwechselt (ganz unten abgebildet). Mehrere solcher Fälle sind bekannt, wo die Kreuzung zweier Arten des Grundtyps der Entenartigen Ähnlichkeiten mit einer dritten Art hervorbringt. Auch bei den Finkenvögeln sind derartige „Phänokopien“ bekannt geworden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel sind Mischlinge von Pudel und Wolf (Abb. 96), bei welcher in der zweiten Generation erstaunliche verborgene Variationspotentiale der Elternrassen offengelegt werden. Offenbar sind im Erbgut der beteiligten Arten Variationspotentiale vorhanden, welche durch eine artübergreifende Kreuzung aktiviert werden.

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Explosive Artbildung

 

In den letzten Jahren wurden vermehrt Beispiele für schnelle Artbildungsprozesse bekannt. Sie liefern Hinweise auf genetisch polyvalente Stammformen. Als Beispiel soll die sehr gut untersuchte Bildung von Artenschwärmen bei Buntbarschen dienen.

Eine Vielfalt von Buntbarscharten (vgl. Abb. 97) kommt in den großen ostafrikanischen Seen vor. Im Viktoriasee leben über 300 Buntbarscharten in etwa acht Gattungen. Mit molekularbiologischen Methoden konnte gezeigt werden, dass alle Arten des Viktoriasees von einer einzigen Stammgruppe abstammen. Das bedeutet, dass sich sämtliche Arten des Sees in diesem See entwickelt haben müssen; sie können daher nicht älter sein als der See. Dennoch sind sie sehr verschieden. Geologische Ergebnisse zeigen, dass der Viktoriasee vor rund 12.000 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit komplett austrocknete. Damit ist das Maximalalter der Buntbarsche in diesem See festgelegt. Folglich sind die Buntbarsche des Viktoriasees ein Beispiel für ein bemerkenswertes Tempo morphologischer (=die äußere Gestalt betreffend) Aufspaltungen.

Die Mbuna-Fauna des Malawisees aus rund 200 Arten ist von besonderem Interesse. Sie umfasst nicht nur die farbenprächtigsten Arten, sondern fast jede felsige Erhebung des Malawisees besitzt ihre eigenen Fischarten, die nur auf den jeweiligen Inseln vorkommen. Die einzelnen Arten sind oft räumlich von denen anderer Inseln oder Uferbereiche isoliert. Viele der heutigen Inseln waren vor ca. 200 Jahren von trockenem Land umgeben, die Lebensräume der Fische existierten zeitweise dort also gar nicht. Daher muss die Entstehung dieser einzigartigen Faunen in den letzten rund 200 Jahren stattgefunden haben. Diese Aussage wird gestützt von gut belegten topographischen und historischen Veränderungen, Untersuchungen der Unterschiede des Erbguts und der Verbreitung der betreffenden Fischarten.

Arten mit vielen potentiellen Entfaltungsmöglichkeiten werden als Generalisten bezeichnet. Früher wurde die Vermutung geäußert, dass die Besiedlung des Viktoria- und Malawisees durch solche Generalisten erfolgt sei. Die heute vorliegenden Daten stützen diese Hypothese, denn eine derart schnelle Artbildung lässt für die Erzeugung neuer Gene durch Mutation keinen genügenden zeitlichen Spielraum. Explosive Artbildung ist nur noch mit genetisch polyvalenten Stammformen zu erklären. Das heißt, dass die Stammformen über genetisches Material verfügten, welches unterschiedliche Merkmalsausprägungen zuließ.

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Literatur

Eck S (1988) Ist Otto Kleinschmidts Formenkreis-Konzept wieder aktuell? Proc. Int. 100. DO-G Meeting. Current Topics in Avian Biology. Bonn, S. 61-66.

Fehrer J (1997) Explosive Artbildung bei Buntbarschen der ostafrikanischen Seen. Studium Integrale Journal 4, 51-55.

Junker R (1993) Prozesse der Artbildung. In: Scherer S (Hg) Typen des Lebens. Berlin, S. 31-45.

Junker R & Scherer S (2001) Evolution – ein kritisches Lehrbuch. Gießen, 5. Auflage, Kap. VII.17.3

Lönnig W-E (1995) Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation. In: Mey J, Schmidt R & Zibulla S (Hg) Streitfall Evolution. Kontroverse Beiträge zum Neodarwinismus. Stuttgart, S. 149-166.

Scherer S (1998) Abnehmender Sexappeal von männlichen Buntbarschen durch Umweltverschmutzung des Viktoriasees. Studium Integrale Journal 5, 85-86.

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Weitere Fragen zu diesem Thema

 

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Autor: Reinhard Junker, 12.01.2004

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© 2004, http://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/i1244.php