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Glaubten die Menschen im Mittelalter, dass die Erde eine Scheibe ist?

In unserer Zeit wird allgemein angenommen, dass die 'flache' Erde sozusagen ein grundlegender Bestandteil des mittelalterlichen Weltbildes war. Schüler, die gebeten wurden, in einer eigenen Zeichnung das Weltbild des Mittelalters auszudrücken, wählten ganz überwiegend die Darstellung der Erde als Scheibe.

In einer 2004 erschienenen Schrift wies der Historiker Jürgen WOLF [1] nach, dass diese heutige Auffassung von den damaligen Vorstellungen schlicht falsch ist.

Wolf schreibt, dass die Scholastiker nie Vorstellungen von einer flachen Erde unterstützten. Vielmehr vergleichen alle relevanten Zitate aus mittelalterlichen Quellen ihre Gestalt mit der eines Eies, eines Apfels oder einer Orange. Ein in mittelhochdeutschen Texten häufig verwendetes Wort ist Sinewel, das dem Sinappel im heutigen Niederländischen oder eben - durch Vertauschung der beiden Wortteile - unserer Apfelsine entspricht. In der kopernikanischen Kontroverse ging es nicht um die Gestalt der Erde, sondern um die behauptete Zentralität der Sonne im Weltall.

Wie konnte der Meta-Mythos von der flachen Erde dann überhaupt entstehen?

Der Autor weist nach, dass man um die Zeit der Französischen Revolution - also am Ende des 18. Jahrhun-
derts - bemüht war, das Mittelalter als möglichst rückständig erscheinen zu lassen. Diese Bemühung habe zur gezielten und absichtlichen Falsch-Information geführt, dass die mittelalterlichen Gelehrten an die Flachheit der Erde geglaubt hätten.

Wolf schreibt, dass vereinzelte Autoren in der späten Antike - so etwa Laktanz und der Kirchenvater Kosmas - die Sicht der flachen Erde tatsächlich vertraten. Ihre Wichtigkeit sei jedoch in der frühen Neuzeit weit übertrieben dargestellt worden.

Ein weiterer interessanter Punkt in der Arbeit von Wolf besagt, dass der lateinische Begriff Orbis in mehrdeu-
tiger Weise verwendet wurde. Er bezeichnete alternativ entweder kreisförmige oder auch zylindrische und kugelförmige Gegenstände. Manche Leute legten offensichtlich keinen Wert darauf, zwischen diesen Formen genauer zu unterscheiden. Mit der Verbreitung des Buchdrucks zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden einige Bücher gedruckt und verbreitet, in denen die Erde flach gezeichnet war. Allerdings war sowohl die geographische als auch die nautische (Seefahrt-) Praxis zu dieser Zeit schon lange auf der Kugelform der Erde gegründet.

In einem Schlussabschnitt befasst sich Jürgen Wolf mit dem erst vor kurzer Zeit entstandenen Märchen, wonach Kolumbus und sogar Magellan zu Beginn ihrer Seereisen an eine flache Erde geglaubt hätten und erst unterwegs von der Kugelform überzeugt worden seien.

Literatur
[1] WOLF Jürgen. Die Moderne erfindet sich ihr Mittelalter - oder wie aus der mittelalterlichen Erdkugel eine neuzeitliche Erdscheibe wurde. Akademie der Wissenschaft und Literatur Mainz, Franz Steiner Verlag Stuttgart (2004) ISBN 3-515-08627-7


Autor: Eberhard Bertsch, 31.10.2005

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