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Schöpfung - Fragen und Antworten: Bibl. Geologie

Paßten alle Tiere in die Arche Noah?

Eine häufig gestellte Frage im Zusammenhang mit den geschaffenen Arten und der biblischen Urgeschichte betrifft die Rettung der Tiere in Noahs Arche. Gott hatte befohlen, daß von allen Tieren, „in denen Odem (Atem) ist“ (1 Mose 7,15), ein Paar in der Arche vor den Sintflutwassern gerettet werden sollte, von den Vögeln und den reinen Tieren sollte er sieben Paare mitnehmen. Wie aber sollten alle die viele Arten in die Arche passen? Nach den Angaben der Bibel war die Arche ca. 135 m lang, ca. 23 m breit und ca. 13 m hoch, und hatte drei Stockwerke. Daraus errechnet sich ein Volumen von ca. 41.000 m3. Unter Berücksichtigung von Wänden und Decks muß es etwas verkleinert werden. Unterm Strich können ca.  36.000 m3 als minimaler Nutzinhalt zugrundegelegt werden. Das Volumen könnte bei möglichen größeren Ellenmaßen aber auch deutlich größer gewesen sein.

Die Tiere, die in der Arche mitgenommen werden sollten, waren natürlich nur die Landtiere und unter diesen vermutlich nur die Lungenatmer („in denen Odem ist“). Das sind die Säugetiere, Vögel, Reptilien und (evtl.) Amphibien. Bei den anderen Tieren (Insekten, Würmer, Schnecken usw.) ist ein Überleben zeitweise im Wasser viel leichter möglich als bei den lungenatmenden Wirbeltieren. Dabei war natürlich nicht erforderlich, ein ganzes Jahr unter Wasser zu überleben. Der Zeitraum von Einstieg in die Arche bis Ausstieg dauerte zwar etwa ein Jahr; nach den Schilderungen des Sintflutberichts war aber die Erde nicht überall ein ganzes Jahr unter Wasser, viele Gebiete waren vermutlich nur einige Tage oder Wochen bedeckt.

Heute sind etwa 20.000 Arten von landlebenden Wirbeltieren bekannt. Doch Noah mußte nicht von jeder Art ein Paar mitnehmen, sondern vermutlich von jedem Grundtyp (der biblische Text gibt nicht an, was genau unter „Art“ zu verstehen ist). Zu einem Grundtyp gehören nach bisherigen Studien durchschnittlich 20-40 Arten; manche Grundtypen bestehen aus weit über 100 Arten. Folglich kann man die Zahl von 20.000 Arten durch die Anzahl der Arten pro Grundtypen (20-40) teilen. Legen wir als Teiler 25 zugrunde (was eher gering geschätzt ist), so kommen wir auf 20.000 : 25 = 800 Grundtyen. Von jedem ein Paar gerechnet ergibt 1.600 Tiere; dazu kommen noch die Tiere, von denen 7 Paare mitgenommen werden mußten. Wir erreichen damit eine Zahl von ca. 4.000 Tieren.

Nun müssen noch ausgestorbene Grundtypen berücksicht werden. Aus der Fachliteratur kann entnommen werden, dass unter den Landwirbeltieren durchschnittlich etwa 1-1,5 mal soviele ausgestorbene Familien (entspricht etwa Grundtypen) wie heute lebende bekannt sind. Damit kommen wir auf ca. 10.000 Tiere.

Man kann weiter einen durchschnittlichen Platzbedarf pro Tier errechnen. Legt man hier großzügig zugemessenen Raum zugrunde, errechnet sich ein Platzbedarf von ca. 8.000 m3, das sind ca. 20% der Rauminhalts der Arche. Wenn man den Rauminhalt wegen der notwendigen Wände und Decks etwas kleiner ansetzt, erreicht man etwa 22%. Folglich war auch für Einrichtungen für Versorgung und Entsorgung der Tiere, für Belüftung und andere Erfordernisse genügend Platz vorhanden.

Eine genauere Darstellung zu dieser Frage findet sich unter http://www.wort-und-wissen.de/disk/d90/4/d90-4.html.

Nachtrag

An den Ausführungen des Diskussionsbeitrags „Paßten alle Tiere in die Arche Noah?“ (obiger Link) und der hier veröffentlichten Kurzversion wurden verschiedene Kritikpunkte geäußert, auf die an dieser Stelle kurz eingegangen werden soll.

1. Sehr häufig kommt der Einwand, die Arche zur Rettung aller Landtiere sei nicht nur aus Platzgründen, sondern aus vielen anderen Gründen nicht denkbar. Auf einige wenige Probleme wird am Schluss des Textes kurz eingegangen. Es gibt zweifellos eine große Zahl von Fragen bezüglich Herkommen, Unterbringung, Versorgung, späterer Ausbreitung der Tiere und so weiter. J. Woodmorappe hat dazu ein ganzes Buch geschrieben („Noah’s Ark: A Feasibility Study“, Institute for Creation Research, 1996). Über vieles kann man nur möglichst plausible, d.h. aus unserer Weltkenntnis stammende Szenarien entwerfen, die aber letztlich spekulativ bleiben. Denn der biblische Bericht gibt über diese Dinge keinerlei Auskunft, und vermutlich werden viele Fragen immer offen bleiben. Hier nur eine grundsätzliche Anmerkung: Die Glaubwürdigkeit der biblischen Sintflutgeschichte hängt nicht davon ab,  ob wir dieses Geschehen als plausibel erweisen können (Verifikation ist nicht möglich). In der Regel wird es nur möglich sein, Unmöglichkeitsbehauptungen zu entkräften (Zurückweisung von Falsifikationsversuchen). Mehr ist mit diesem Beitrag auch nicht angestrebt. Die Frage nach dem zur Verfügung stehenden Platz in der Arche ist ein typisches Beispiel. Die Behauptung, die Arche sei für das Rettungsunternehmen viel zu klein, kann entkräftet werden – nicht mehr und nicht weniger.

2. Die angegebenen Artenzahlen wurden bestritten, sie seien zu niedrig. Dazu ist zu sagen: Die Quellen sind angegeben, es handelt sich um allgemein anerkannte Fachliteratur. Der Beitrag stammt aus dem Jahr 1990, mittlerweile gibt es aktualisierte Zahlen. Die Artenzahlen können je nach Bearbeiter durchaus stark schwanken, da die Artbestimmungen nicht einheitlich durchgeführt werden. Die angegebenen Größenordnungen der Artenzahlen sind auch durch neuere Angaben nicht in Frage gestellt. Das Grundargument des Diskussionsbeitrags wird damit nicht tangiert.

3. Es sei unrealistisch, dass wirbellose Tiere außerhalb der Arche überleben. Tatsächlich gibt es, wie im Text erwähnt, bei vielen Tieren Dauerstadien, die für eine gewisse Zeit der Überflutung überleben konnten. Das dürfte aber nicht bei allen wirbellosen Tieren der Fall sein. Der Text geht darüber zu schnell hinweg; diese Frage muss als offenes Problem benannt werden. Es muss auch offen bleiben, ob der biblische Text die Möglichkeit zulässt, dass mit der Wendung „Tiere, die Odem in sich haben“ nur Lungenatmer gemeint sind. Wenn nicht, müsste der Platzbedarf anders kalkuliert werden.

4. Die Berechnung konkreter Zahlen und das Entwickeln von möglichen Ablaufszenarien ist deshalb nicht angemessen, weil das letztlich geheimnisvolle Wirken Gottes im Gericht der Sintflut und der Rettung durch sie hindurch für uns methodologisch nicht erfassbar ist, da wir allenfalls regelhafte („naturgesetzliche“) Abläufe untersuchen können. Dieser Einwand hat Gewicht. Es soll daher nochmals betont werden: Weil dem biblischen Bericht widersprochen wird, möchten wir Unmöglichkeitsbehauptungen begründet zurückweisen. Keinesfalls sollen umgekehrt rationale Argumente den biblischen Schilderungen erst zur Glaubwürdigkeit verhelfen.


Autor: Reinhard Junker, 06.03.2017

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