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Schöpfung - Fragen und Antworten: Bibl. Geologie

Kann es sein, dass vor dem Beginn des (biblischen) Sechstagewerks eine große Zeitspanne liegt?

Die Schilderung des Sechstagewerk setzt im Schöpfungsbericht erst mit dem 3. Vers von Genesis 1 ein: „Und Gott sprach: Es werde Licht!“ Davor wird gesagt, dass Gott am Anfang Himmel und Erde geschaffen hat und dass die Erde „wüst und leer“ war („Tohuwabohu“). Manche Ausleger sehen das Tohuwabohu im Gegensatz zur Schöpfung; und es wird in der Tat an manchen Stellen des Alten Testaments als Gegenbegriff zur Ordnung der Schöpfung gebraucht. Das ist für manche ein Hinweis darauf, dass hier bereits etwas „geschehen“ ist, was zum Tohuwabohu nach einem zuvor schon geschehenen Anfang geführt hat. Nach der sogenannten Lückentheorie soll sich dahinter ein Urfall Satans verbergen, der zur Zerstörung der damaligen Erde geführt haben soll. In diesem Sinne wird dann übersetzt: „Die Erde wurde wüst und leer.“ Ab 1. Mose 1,3 werde dann eine Wiederherstellung geschildert. Die Erde, die Gott wiederherstellt, könnte demnach schon sehr alt sein.

Doch diese Sicht findet keine Stütze in den Texten. Hier werden gewaltige Ereignisse vermutet, ohne dass es im Text einen klaren Anhaltspunkt gibt. Das ist keine Auslegung, sondern eine Hineinlegung; und das ist nicht statthaft. Zudem lässt die grammatische Struktur des Satzes die Übersetzung „wurde wüst und leer“ nicht zu. Außerdem wird in 2. Mose 20,11 gesagt, dass Gott Himmel und Erde in sechs Tagen geschaffen, nicht aber restauriert habe. Schließlich könnte eine solche Urkatastrophe wohl kaum mit dem Fossilbericht zusammengebracht werden, erst recht nicht, wenn mit ihm große Zeiträume verknüpft werden. Die Lückentheorie würde also, selbst wenn sie vom Text her glaubhaft wäre, das Zeitproblem nicht lösen und die Regelhaftigkeit der Fossilablagerungen nicht erklären. Bezüglich der ungelösten Fragen in der Geologie und Paläontologie aus biblischer Sicht hilft sie also gar nicht weiter.

Manche Ausleger wiederum vertreten die Auffassung, 1. Mose 1,1 („Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“) sei Überschrift und nicht der erste Akt der Erschaffung. Dies kann grammatisch nicht ausgeschlossen werden; die ersten beiden Verse der Bibel sind grammatisch nicht in jeder Hinsicht eindeutig konstruiert. (Die Übersetzung „wurde...“ ist allerdings ausgeschlossen, s. o.). Beides zugleich – Überschrift und erster Akt der Schöpfung – ist aber auch denkbar. 1. Mose 1,1 ist dann Überschrift, nennt aber mit der Erschaffung der Erde etwas, was in der Beschreibung der Schöpfungswerke ab 1,3 nicht nochmals ausdrücklich gesagt wird.

Auf die komplizierten Details kann hier nicht eingegangen werden. Es kann aber Folgendes gesagt werden:

  • Der Text lässt die Möglichkeit offen, dass „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ Überschrift ist. Dann würde die Schilderung mit der „Tohuwabohu“-Erde zeitlich beginnen. Über deren Herkunft würde dann in 1. Mose 1 nichts ausdrücklich gesagt, was etwas seltsam wäre. (Es ist aber sonst in der Bibel klar, dass Gott alles geschaffen hat.) Die Erde könnte dann aber schon „alt“ sein. Das Verständnis von 1. Mose 1,1 als Überschrift vermeidet die Aussage, Gott habe ein „Tohuwabohu“ geschaffen, was aus dem o. g. Grund als problematisch empfunden werden kann.
  • Das Verständnis des „Tohuwabohu“ im Sinne eines ungefüllten „Rohzustandes“ der Erde, als Durchgangsstation des weiteren Erschaffens, ist durchaus möglich. 1. Mose 1,1 wäre dann der erste Akt der Schöpfung, dem im Sechstagewerk weitere folgen.


Autor: Reinhard Junker, 20.03.2005

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