Evolution: Ursprungsforschung und Naturalismus - Erklärungs- und Bildungsmonopol  

Evolution: Ursprungsforschung und Naturalismus

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Interessierte: Erklärungs- und Bildungsmonopol

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Inhalt

Anhand von aktuellen Beispielen wird gezeigt, mit welchen Mitteln versucht wird, evolutionskritisches Gedankengut von einer öffentlichen Diskussion fernzuhalten.

evolution schöpfung grundgedanken ursprungsforschung erklärungsmonopol bildungsmonopol Umgang mit Evolutionskritikern

evolution schöpfung grundgedanken ursprungsforschung erklärungsmonopol bildungsmonopol Ein Beispiel aus der ZEIT

evolution schöpfung grundgedanken ursprungsforschung erklärungsmonopol bildungsmonopol Das evolutionskritische Lehrbuch in der Diskussion

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Umgang mit Evolutionskritikern

 

Vertreter eines weltanschaulichen Naturalismus sind fast immer unduldsam ge-
genüber anderen Auffassungen von der Natur. Es scheint so, also ob für sie die bloße Möglichkeit, die Lebewesen und ihre Herkunft auch nicht-naturalistisch zu erklären, als Bedrohung für die eigene Sichtweise empfunden wird. Alternativen Sichtweisen wird oft jedes Recht abgesprochen, in einer wissenschaftlichen Dis-
kussion ernstgenommen zu werden. Andere Auffassungen werden häufig totge-
schwiegen oder mit autoritären Mitteln anstelle von Sachargumenten bekämpft.

 
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Ein Beispiel aus der ZEIT

 

Ein Beispiel aus dem Beitrag „Entwürfe in Gottes Namen„ in der ZEIT vom 30. 4. 03 (19/2003) soll diese Situation illustrieren. Darin wird eine Auseinandersetzung mit der „Intelligent Design„-Bewegung geschildert. Unter anderem geht es dabei um die Saugfalle des Wasserschlauchs (Utricularia), einer Wasserpflanze, die einen ausgeklügelten Fangmechanismus besitzt. Darüber hat der Kölner Genetiker W.-E. Lönnig einen evolutionskritischen Beitrag publiziert. Der Artikel in der ZEIT berich-
tet u. a. über die Sperrung evolutionskritischer Beiträge von Lönnig, die zuvor auf der Homepage des Max-Planck-Instituts für Züchtungsgenetik in Köln angesiedelt waren. Der ZEIT-Artikel endet wie folgt:

„Sind die erstaunlichen Fähigkeiten von Utricularia vulgaris auf dem Reißbrett einer unbekannten Größe entstanden? Handelt es sich, wie Lönnig sagt, um ein Beispiel für „nichtreduzierbare Komplexität" - ein Begriff, den Michael J. Behe, Biologe in Diensten des Discovery Institute, geprägt hat? Nach Kutscheras Ansicht hat kein Schöpfer bei diesem Geniestreich an der Pflanze herumgefingert. Zöge man den Einfluss übernatürlicher Kräfte in Betracht, dann „kann man die Naturwissenschaf-
ten abschreiben". Einzig biologische Laien, sagt Kutschera, fielen auf die plumpen Argumente von Lönnig herein. Der Wasserschlauch zähle, gerade wegen seiner bizarren Fresskünste, zu den Paradebeispielen – für die Kräfte der Evolution."

Tatsächlich ist jedoch völlig unklar, wie der Wasserschlauch evolutionär entstan-
den ist. Wenn der Botaniker Kutschera nun behauptet, der Wasserschlauch ge-
höre „gerade wegen seiner bizarren Fresskünste, zu den Paradebeispielen für die Kräfte der Evolution", so ist das eine sachlich nicht gedeckte Behauptung, sondern Ausdruck einer persönlichen Meinung. Der unkundige Leser wird jedoch fälsch-
licherweise annehmen, dass dieses Gebilde evolutionstheoretisch verstanden sei. In Wirklichkeit handelt es sich um eine bloße Behauptung, die von einer für viele als Autorität geltenden Person ausgesprochen wurde und daher ein gewisses Gewicht hat.

Weiter wird der Zugang zur eigentlichen naturwissenschaftlichen Fragestellung („Wie ist die hochkomplexe Synorganisation der Saugfalle des Wasserschlauchs durch evolutionäre Mechanismen entstanden?") durch Polemik blockiert. Denn der Lönnig-Kritiker Kutschera behauptet einfach, auf solch „plumpe Argumente" wür-
den nur biologische Laien „hereinfallen". Wenn es sich wirklich um „plumpe Argu-
mente" handeln würde, so könnte man sie sicher leicht als solche entlarven und den Andersdenkenden damit widerlegen. Doch das geschieht hier und in vielen ähnlich gelagerten Fällen nicht. Die sachliche Seite der Fragestellung wird häufig in solchen Auseinandersetzungen gar nicht ernsthaft diskutiert.

 
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Das evolutionskritische Lehrbuch in der Diskussion

 

In dieser Art wurde auch häufig mit dem evolutionskritischen Standardwerk „Evo-
lution – ein kritisches Lehrbuch" verfahren. Die meisten Rezensionen dieses Buches gehen auf die naturwissenschaftlichen Argumente kaum oder überhaupt nicht ein. Martin Mahner räumt in „Skeptiker" 4/99 (herausgegeben von der Ge-
sellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e. V.) ein, dass die Darstellung der Evolutionstheorie im evolutionskritischen Lehrbuch „ver-
gleichsweise fair" sei und dass die Autoren auf dem neuesten Stand der For-
schung seien. Er schließt dann aber mit den Worten: „Dieses Buch ist eines der gelungensten Propagandastücke des Kreationismus. Wer sich damit auseinander-
setzen will oder muss, wird sich daher kaum auf Biologisches beschränken kön-
nen, sondern zusätzlich auf Wissenschaftsphilosophie und eventuell sogar Reli-
gionskritik zurückgreifen müssen". Wenn der Inhalt des Buches mit „Propaganda" etikettiert wird, soll damit wohl der Leser von einer Beschäftigung damit abgehal-
ten werden. Wer will schon einer Propaganda auf den Leim gehen? Auffällig häufig wird wissenschaftstheoretische Kritik an den Aussagen und Zielsetzungen des Lehrbuchs geäußert. Diese Kritik läuft meist darauf hinaus, im (wissenschaftstheo-
retischen) Vorfeld der eigentlichen Sachauseinandersetzung die Evolutionskritik als im Ansatz verfehlt darzustellen. Damit würde eine Auseinandersetzung mit den Inhalten im einzelnen überflüssig.

 
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Weitere Fragen zu diesem Thema

 

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Autor: Reinhard Junker, 01.01.2004

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