Schöpfung: Design-Theorie - Einführung in „Intelligent-Design“  

Schöpfung: Design-Theorie

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Interessierte: Einführung in „Intelligent-Design“

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Inhalt

In diesem Artikel wird erklärt, was mit dem Design-Ansatz gemeint ist und wie man dieses Konzept begründet. Der Unterschied zwischen „Intelligent Design“ und „spezifischem Design“ wird erläutert.

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Der Grundgedanke des Design-Ansatzes

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Eine wichtige Unterscheidung

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Warum der Design-Ansatz nach wie vor im Rennen ist

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Der Design-Ansatz in der Biologie – eine neue Art von Wissenschaft?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Wie wird Design begründet?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Der Analogieschluss

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Design-Indizien

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Schlussfolgerungen

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung einführung intelligent design kreationismus Weitere Fragen zu diesem Thema

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Der Grundgedanke des Design-Ansatzes

 

Der Grundgedanke des Design-Ansatzes ist, dass man an bestimmten Strukturen der Lebewesen (oder auch der unbelebten Welt) Eigenschaften und Merkmale erkennen könne, die auf das (vergangene) Wirken eines intelligenten, willensbegabten Urhebers (Designer, Schöpfer) hinweisen und andere Möglichkeiten ihrer Herkunft unwahrscheinlich machen. Solche Eigenschaften werden hier als „Design-Indizien“ bezeichnet. Mit dem Begriff „Design“ ist hier vor allem eine zweckvolle Anordnung von Teilen gemeint, die geeignet ist, eine Funktion auszuüben, so dass eine Zielorientierung (Teleologie) erkennbar ist. Dazu können auch spielerische Elemente, Ästhetik und andere Kennzeichen der Lebewesen gerechnet werden. Verschiedene Arten solcher Design-Indizien werden im Abschnitt „Design-Indizien“ vorgestellt. Die Design-Indizien sollen durch eine naturwissenschaftliche Untersuchung nachweisbar sein.

In der neueren Diskussion über Design in der Natur wird häufig von „intelligentem Design“ (ID) gesprochen. Der Begriff „intelligent“ soll zum Ausdruck bringen, dass zur Entstehung eines Merkmals Planung und zielorientierte Steuerung erforderlich war, und naturgesetzmäßig ablaufende Vorgänge dafür nicht ausreichten. Da es sich in der Biologie eingebürgert hat, auch ohne Annahme einer Planung von „Design“ zu sprechen, soll der Zusatz „intelligent“ oder „intentional“ (absichtsvoll) bei „Design“ verdeutlichen, dass tatsächlich eine zielgerichtete Schöpfung gemeint ist. Im Folgenden soll „Design“ immer im Sinne von Planung und Zielorientierung verstanden werden; der Design-Ansatz ist also teleologisch ausgerichtet.

Während der Design-Ansatz in der Biologie neben natürlichen, naturgesetzmäßig verlaufenden Prozessen auch eine zielorientierte Handlung bei der Entstehung der Lebewesen einkalkuliert, wird dies vom Naturalismus ausgeschlossen. Mit „Naturalismus“ ist gemeint, dass alles Seiende letztlich ausschließlich auf materiellen Dingen (Materie-Energie) basiert und durch natürliche, gesetzmäßig beschreibbare, nicht-teleologische Prozesse entstanden ist. In diesem Sinne soll in diesem Artikel der Begriff „Naturalismus“ verstanden werden. Mögliche teleologische Faktoren können methodisch nicht von Vornherein ausgeschlossen werden; das gilt insbesondere in Ursprungsfragen, um die es bei der Design-Thematik geht. Sowohl das Offenhalten als auch der Ausschluss der Option „Design“ sind nur weltanschaulich begründbar und bedeuten beide eine Grenzüberschreitung über den naturwissenschaftlichen Bereich hinaus.

 
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Eine wichtige Unterscheidung

 

Der klassische Ansatz des „Intelligent Design“ (ID) verzichtet ausdrücklich auf konkrete Vorstellungen über den Designer. Über den Designer wird dabei lediglich gesagt, dass er zielorientiert gehandelt habe. Aus dieser alleinigen Voraussetzung können jedoch keine konkreten Kennzeichen einer Designer-Tätigkeit abgeleitet werden; man kann also auch nicht nach solchen Kennzeichen suchen, denn man muss ja wissen, welche Kennzeichen für einen bestimmten Designer typisch sind oder sein könnten. Im Rahmen dieses Ansatzes kann man nur der Frage nachgehen, was natürliche Mechanismen ohne willentliche Lenkung, also nicht-teleologische Vorgänge oder bloße Gesetzmäßigkeiten, leisten können und was nicht. Mit dem Nachweis von Grenzen natürlicher Prozesse abzeichnen, könnte man lediglich einen Verdacht auf Design begründen. Der ID-Ansatz bleibt in den Grenzen der Naturwissenschaft, da nur die Leistungsfähigkeit natürlicher Mechanismen untersucht wird.

Gewöhnlich geht man aber anders vor. Wir kennen Design-Indizien durch unsere Erfahrungen mit menschlichem Design, vor allem in der Technik und der Programmierkunst. Solche Indizien sind z. B. nichtreduzierbar komplexe Systeme, Luxusstrukturen, die nicht durch bloße Zweckmäßigkeit erklärt werden können, oder Merkmale, die nur durch eine Zukunftsorientierung verstehbar sind. Man kann nun danach fragen, ob solche typischen Kennzeichen menschlicher Designer (Design-Indizien) auch bei den Lebewesen gefunden werden. Bei dieser Vorgehensweise wird eine gewisse Ähnlichkeit im Design des Urhebers der Lebewesen mit dem Design menschlicher Designer vorausgesetzt. Hier spielen also Annahmen über die Person und die Attribute des Designers eine maßgebliche Rolle. In Anlehnung an Heilig (2008) sollen Design-Ansätze, die konkrete Vorstellungen vom Wirken eines Designers zugrundelegen, mit dem Begriff „spezifisches Design“ (SD) gekennzeichnet werden. SD muss also von ID unterschieden werden.

Wenn nach spezifischem Design (SD) in der Natur gesucht wird, eröffnen sich Fragen für die Forschung: Design-Indizien können definiert werden (z. B. „nichtreduzierbare Komplexität“ oder „spielerische Komplexität“) und ihr Nachweis in der Natur kann versucht werden. Wenn solche Indizien tatsächlich nachgewiesen werden können, ist eine plausible Interpretation der Daten unter der Voraussetzung eines Designers gelungen. Im Rahmen des SD-Ansatzes ist auch – anders als beim ID-Ansatz – ein Vergleich von Vorhersagen möglich, denn in diesem Rahmen kann das Auftreten konkreter Design-Indizien vorhergesagt und geprüft werden. Diese Vorhersagen können mit Vorhersagen nicht-teleologischer Ansätze verglichen und auf der Basis des Vergleichs ein Schluss auf die beste Erklärung gezogen werden (s. u.). Dies ist in Rahmen des ID-Ansatzes nicht möglich, weil nur die Leistungsfähigkeit nicht-teleologischer Erklärungen beurteilt wird.

Zum Design-Ansatz gehören also Erkennbarkeit von Design und das Fehlen einer nicht-teleologischen Erklärung. Der ID-Ansatz kann nur zu einem Verdacht auf Design aufgrund des Nachweises von Grenzen natürlicher, ungerichteter Prozesse führen, während der SD-Ansatz ermöglicht, Design-Indizien zu definieren und nachzuweisen, die typisch für einen bekannten Designer sind. Könnte ein mutmaßliches Design-Indiz jedoch durch natürliche Prozesse erklärt werden, verlöre es seinen Charakter als eindeutiges Indiz. Es könnte zwar erkannt werden, Design wäre aber als Erklärung nicht mehr unbedingt notwendig, wenn auch möglich.

Im Folgenden ist mit „Design-Ansatz“ allgemein eine teleologische Ursprungssicht gemeint, wobei immer auch Erkennbarkeit von Design eingeschlossen ist. Wenn von „ID“ die Rede ist, wird über die Identität des Designers und über die Kennzeichen seines Wirkens nichts ausgesagt, während im Rahmen von „SD“ dazu konkrete Aussagen gemacht werden.

Nicht alle Befürworter des Design-Ansatzes lehnen Evolution ab; gemeinsam ist ihnen aber eine teleologische Weltsicht und damit die Auffassung, dass natürliche Faktoren alleine den Formenwandel nicht erklären können.

 
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Warum der Design-Ansatz nach wie vor im Rennen ist

 

Wissenschaftliche Forschung soll helfen, die Wahrheit herauszufinden: Wie ereignete sich der Ursprung des Lebens? Wie entstanden die vielfältigen Baupläne der Lebewesen? Wer diesen Fragen nachgeht, ist nicht auf eine bestimmte Forschungsmethode beschränkt, sondern die Methoden sollen im Dienste der Wahrheitsfindung stehen. Als mögliche „richtige Antwort“ kommt eine direkte Schöpfung grundsätzlich in Frage – es sei denn, man schließt diese Möglichkeit vorn vornherein aus weltanschaulichen Gründen aus. Die Erforschung der Ursprünge ist aber nicht darauf festgelegt, dass dabei nur naturgesetzmäßig beschreibbare Vorgänge eine Rolle spielen können. Die Frage nach Hinweisen auf Design in der Biologie ist legitim.

In der Frage nach Design geht es um Ursprungsfragen und um vergangene Abläufe. Die in der Vergangenheit wirksamen Ursachen können nicht experimentell erforscht werden; ob es nur natürliche Abläufe gab oder auch willensgesteuerte, ist zunächst völlig offen. Dieser Offenheit trägt der Design-Ansatz insofern Rechnung, als er in der Suche nach Ursachen für den Ursprung der beobachteten Phänomene breit angelegt ist und sowohl gesetzmäßig beschreibbare Prozesse als auch die Möglichkeit zielorientierter Eingriffe ins Auge fasst. Er kann sowohl Planung als auch Erklärungen mittels bloßer Mechanismen handhaben und schließt keine der beiden Möglichkeiten vorschnell aus. Damit ist er qualifiziert, historische Fragestellungen zu bearbeiten, denn es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass in der Vergangenheit zielorientierte Eingriffe eine Rolle gespielt haben. Dabei wird weder vorschnell noch willkürlich auf Eingriffe geschlossen, sondern erst nach eingehender Prüfung (s. u.).

Pläne und Zielsetzungen kann man zwar nicht direkt nachweisen, aber an Indizien erkennen, z. B. an zielgerichteten Abläufen und zweckmäßigen Konstruktionen. Der Gedanke an Planung und Zielorientierung (Teleologie) in der Natur drängt sich dem Betrachter auf. Entsprechend gibt es in der Biologie unvermeidlich eine teleologische Sprache. So ist von Strategien, Erfindungen, Problemlösungen, Neuprogrammierung oder Flickschusterei und vielem mehr die Rede. Alle diese Begriffe machen nur Sinn, wenn ein Akteur angenommen wird, und passen nicht zu bloßen Naturkräften und Gesetzmäßigkeiten (vgl. Abb. 363). Es wird zwar behauptet, die teleologischen Begriffe seien nur metaphorisch gemeint, doch ist der Nachweis, dass Beschreibungen biologischer Organisation und biologischer Prozesse und ihr Ursprung ohne teleologische Begriffe bei gleichem Erklärungsgehalt möglich sind, nie erbracht worden (Mutschler 2003; Spaemann & Löw 1981).

 
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Der Design-Ansatz (im Sinne von SD) wird auch in anderen Wissenschaftszweigen verfolgt, z. B. wenn in der Archäologie an Steinwerkzeugen Hinweise auf einen Bearbeiter gesucht werden, die nicht durch bloße Neturkräfte entstanden sein können. Die Suche nach Indizien einer absichtsvollen Bearbeitung eines Objekts ist angebracht, wenn man die Entstehungsweise herausfinden möchte. Das gilt auch für den Ursprung der Lebewesen. Hier wird zwar seit Darwin behauptet, dass die Entstehung der Lebewesen durch bloße Gesetzmäßigkeiten nachgewiesen worden sei, doch ist diese Behauptung keineswegs bewiesen; es gibt auch Evolutionstheoretiker, die das einräumen (vgl. Artikel Evo-Devo und Mikroevolution, Makroevolution und „ID“). Dass Planung und Zielorientierung nur ein Schein sei, wurde nie gezeigt. Der Wissenszuwachs hat sogar manche Erklärungsprobleme bezüglich der Entstehung biologischer Strukturen größer werden lassen.

 
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Der Design-Ansatz in der Biologie – eine neue Art von Wissenschaft?

 

Ein grundlegendes Problem für den Design-Ansatz besteht darin, dass die Aktionen eines Urhebers und seine Identität prinzipiell naturwissenschaftlich nicht fassbar sind und seine Vorgehensweise naturwissenschaftlich nicht beschreibbar ist. Die zielorientierte Tätigkeit kann nur mittelbar anhand von Wirkungen und Spuren erkannt werden. Es kann schon gar nicht einen Design-Mechanismus geben, wenn unter „Mechanismus“ ein gesetzmäßig beschreibbarer, raumzeitlicher Vorgang gemeint ist – das wäre ein Widerspruch in sich. Es kann daher beim Design-Ansatz nicht darum gehen, einen Designer naturgesetzlich „dingfest“ zu machen und den Schöpfungsvorgang zu rekonstruieren. Im Rahmen des Design-Ansatzes werden vielmehr folgende Fragen gestellt:

1. Woran können Spuren des Wirkens eines Urhebers erkannt werden?

2. Werden diese Spuren tatsächlich gefunden und wie plausibel und wie sicher ist ihre Interpretation als Designer-Spuren?

Zur Erläuterung ziehen wir einen Vergleich mit der Untersuchung eines Faustkeils. Wenn die Form eines Faustkeils ausschließlich durch Naturvorgänge wie Erosion erklärbar wäre, wäre die Annahme eines Urhebers, der willentlich den Faustkeil geformt hat, überflüssig. Wenn ein Urheber aber den Faustkeil geformt hat, kann seine Bearbeitung auf der Ebene des Objekts nicht beschrieben werden. Wir sehen am Objekt keine Werkzeuge, die es bearbeitet haben, und keine Zielsetzungen, die dahinter standen. Auch der Vorgang der Bearbeitung des Objekts ist nicht beobachtbar. Um die Tätigkeit eines Urhebers plausibel zu machen, können wir aber zweierlei machen: 1. Wir beobachten die Wirkung natürlicher Vorgänge wie Erosion lernen dadurch, welche Grenzen solchen nicht-teleologischen Prozessen höchstwahrscheinlich gesetzt sind. Finden sich an einem Objekt Kennzeichen, die nicht-teleologisch nach allem gegenwärtigen Wissen nicht entstehen, haben wir ein starkes Verdachtsmoment dafür, dass andere Ursachen oder ein Urheber entscheidend gewirkt haben. 2. Wir stellen ein SD-Modell auf. Dazu stellen wir selbst einen Faustkeil her und verstehen dadurch, dass und wie ein solcher Gegenstand durch zielorientierte Aktion entstehen kann. Da zielorientiert gearbeitet wird, handelt es sich natürlich nicht um ein Modell für natürliche Prozesse. Vielmehr dient das Nachmachen zur weiteren Klärung, wo die Grenzen natürlicher und das Potential kreativer Kräfte liegen.

Entsprechendes gilt für Versuche, durch die im Labor Leben oder wenigstens lebenswichtige Makromoleküle oder Zellbestandteile zu erzeugt werden. Man kann auch hier ggf. simulieren, auf welche Weise die betreffenden Strukturen entstanden sein könnten und auch hier besser verstehen, welche Limitationen ungelenkten Prozessen gesetzt sind und warum. Sobald dabei aber eine Lenkung im Spiel ist, die unter natürlichen Bedingungen nicht realistisch ist, können solche Versuche keine Modelle für ungelenkte hypothetische natürliche Vorgänge in der Erdvergangenheit sein. Eine plausible, vollständige, naturalistische Erklärung der Entstehung eines Naturgegenstandes würde die Annahme eines zielorientiert eingreifenden Designers dagegen überflüssig machen und der Design-Ansatz würde sich erübrigen.

Forschung im Rahmen des Design-Ansatzes erfordert also keine neue Art von Wissenschaft und schon gar nicht das Unterbleiben von Wissenschaft. Vielmehr wird zur Bewährung von Design-Hypothesen Naturwissenschaft in zweierlei Hinsicht benötigt: 1. Die Leistungsfähigkeit natürliche Prozesse muss ausgelotet werden. 2. Durch Simulationen kann untersucht werden, inwiefern eine Lenkung und Zielorientierung erforderlich ist, um einen Gegenstand erzeugen zu können. Das damit gewonnene Wissen ist die Grundlage zur Beurteilung, ob Design zur Erklärung eines bestimmten Kennzeichens von Lebewesen erforderlich ist oder nicht. Anders als in rein naturalistischen Ansätzen sind allerdings manche Fragestellungen, die sich aus der Offenheit teleologischer Abläufe ergeben, vor allem die Suche nach Design-Indizien und die Begründungen dafür, dass sie wirklich durch Design entstanden sind. Der Design-Ansatz kann sich umso mehr bewähren, je mehr man über den untersuchten Gegenstand weiß.

 

„Erklärungen“ in der Ursprungsforschung. Beim Design-Ansatz geht es um Geschichte. Welche Erklärungen sind diesem Gegenstand angemessen? In den Naturwissenschaften erfolgen Erklärungen gewöhnlich deduktiv-nomologisch nach dem sogenannten Hempel-Oppenheim-Schema (HO-Schema; nach Hempel & Oppenheim 1948). Der zu erklärende Sachverhalt (das Explanandum) wird aus Gesetzen und Randbedingungen (Explanans) gefolgert.

Das HO-Schema kann auch umgekehrt in der Art und Weise angewendet werden, dass aus bekannten Gesetzen und bekannten Randbedingungen Schlussfolgerung als Voraussagen formuliert werden, die anschließend überprüft werden (so z. B. bei der Vorhersage einer Sonnenfinsternis).

 

Gesetze

Randbedingungen, Beobachtungen

--------------------------------------------

Zu erklärender Sachverhalt

 

In Ursprungsfragen ist dieses Erklärungsschema kaum anwendbar. Problematisch ist vor allem das Fehlen von „Ursprungsgesetzen“. Man kennt zwar Variationsmechanismen, diese sind aber nicht als Gesetze fassbar, aus denen die Entstehung von Neuheiten ableitbar wäre. Auch die Randbedingungen sind im Einzelnen weitgehend unbekannt oder nur sehr hypothetisch. Die Geschichte der Natur ist singulär und kann nicht ausschließlich mit Gesetzen beschrieben werden, auch wenn Gesetze dabei eine Rolle spielen können. Daher ist auch die hypothetische Evolutionsgeschichte nicht deduktiv-nomologisch erklärbar.

Aufgrund dieser Situation können in Ursprungsfragen nur hypothetische Szenarien entworfen werden, die auf Stimmigkeit mit den Daten und mit bekannten Gesetzen geprüft werden können. Nicht selten passen dieselben Daten jedoch zu ganz unterschiedlichen, eventuell sogar einander widersprechenden Szenarien. An der Spitze des Schemas steht somit kein Gesetz, sondern eine konzeptionelle Vorgabe zur Organismengeschichte, also z. B. „natürliche Evolution der Lebewesen“:

 

Allgemeine Evolution

Randbedingungen

---------------------------------------

Vielfalt der heutigen Lebewesen

 In dieser Art und Weise kann man auch im Rahmen des Design-Ansatzes verfahren. Statt „Allgemeine Evolution“ steht am Anfang des Schemas „zielorientierte Planung“ oder der Einfachheit halber „Schöpfung“. In beiden Fällen können bestimmte Beobachtungen nicht zwingend abgeleitet werden. Zwar gab und gibt es bestimmte Erwartungen, die aus einer allgemeinen Evolution abgeleitet werden konnten, doch solche Erwartungen sind nicht zwingend und wurden häufig enttäuscht, was zu entsprechenden Änderungen von Evolutionstheorien führte. Auch aus der Vorgabe von Design können Erwartungen abgeleitet werden, die ebenfalls nicht zwingend sind.Man kann in Ursprungsfragen also nicht nomologisch-deduktiv vorgehen, sondern man schließt ausgehend von einer Beobachtung (dem Resultat eines hypothetischen Prozesses – hier: Naturprozess oder Design) auf eine Regel und einen Anwendungsfall. Dieses Schlussverfahren nennt man abduktiv; es ist jedoch nicht eindeutig. Ein einfaches Beispiel:

 

Angenommen, es hätte geregnet, dann wäre die Straße nass (Regel)

Resultat: Die Straße ist nass

-----------------------------------

Wahrscheinlich hat es geregnet (Fall)

 Es ist klar, dass man nur schließen kann, dass es geregnet haben könnte. Die Nässe könnte ja auch andere Ursachen haben, z. B. umgekippte Wasserbehälter. Man kann aber argumentieren, dass auf diejenige Erklärung abduktiv geschlossen wird, die man am ehesten erwarten kann bzw. die am wenigsten überraschend ist (Ratzsch 2005a). Es handelt sich dann um eine vergleichsweise gute oder naheliegende Erklärung. Wenn es keine bessere oder genauso gute Erklärung gibt, handelt es sich um einen Schluss auf die beste Erklärung (s. u.).Wenden wir dieses Verfahren nun auf die Design-Thematik an. Das kann bei Vorgabe eines SD-Modells beispielsweise so aussehen:

 

Nichtreduzierbare komplexe Apparate entstehen durch Einsatz von Intelligenz    (Regel)

Resultat: Der Bakterienmotor ist nichtreduzierbar komplex

------------------------------------------------------------------------

Der Bakterienmotor ist möglicherweise durch Einsatz von Intelligenz entstanden (Fall)

 

Dieser abduktive Schluss kann auf zwei Weisen geschwächt werden: zum einen durch den Nachweis, dass der Bakterienmotor ohne Verlust der Motorfunktion in kleinen Schritten abgebaut werden kann, denn dann wäre er nicht nichtreduzierbar komplex. Zum anderen durch den Nachweis, dass nichtreduzierbar komplexe Apparate auch ohne Einsatz von Intelligenz entstehen können; dann würde die obige Regel nicht stimmen. Solange beides nicht gelingt, kann dieser abduktive Schluss auch als Schluss auf die beste Erklärung gelten. Tatsächlich wurden beide Versuche, den abduktiven Schluss zu schwächen, oftmals unternommen (s. Abschnitt „Design-Signale“). Die „beste“ Erklärung muss dabei nicht die „wahre“ Erklärung sein, es ist nur die beste im Vergleich zu anderen Erklärungen. Der abduktive Schluss und der Schluss auf die beste Erklärung (als Spezialfall) sind mögliche, aber  keine sicheren Schlüsse; es geht daher nur um Plausibilität, nicht um Beweise im strengen Sinne. Der abduktive Schluss auf Design erhält Konkurrenz, wenn natürliche Mechanismen die Entstehung der in Rede stehenden Struktur erklären können. Dann ist Design nicht mehr der Schluss auf die beste Erklärung; vielmehr würde sich der Design-Ansatz, der eine Erkennbarkeit von Design plus Fehlen einer nicht-teleologischen Erklärung beinhaltet, erübrigen. Der abduktive Schluss auf Design kann natürlich auch dadurch vermieden werden, dass man das Wirken eines Designers prinzipiell ausschließt. Dies würde allerdings genauso einer weltanschaulichen Vorentscheidung entspringen wie die Annahme, dass es einen Designer gibt oder wie das Offenlassen dieser Möglichkeit. Solange Evolutionsmechanismen unbekannt sind, wäre der Ausschluss von Design weder methodisch noch empirisch begründet.

 
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Wie wird Design begründet?

 

Negative Argumentation: Eliminative Induktion. Von ID-Befürwortern wurde vorgeschlagen, auf dem Wege der eliminativen Induktion das Vorliegen intelligenter Ursachen zu begründen. Diese Vorgehensweise beinhaltet das sukzessive Widerlegen verschiedener Erklärungs-Alternativen, bis nur noch eine Erklärung übrig bleibt. In unserem Fall hieße das, das Scheitern aller bekannten naturalistischen Erklärungsversuche für die Entstehung von „Design-verdächtigen“ Strukturen Schritt für Schritt zu demonstrieren, bis nur noch die Erklärung durch Design übrig bleibt.

Doch diese Aufgabe ist kaum endgültig zu erledigen. Denn woher weiß man, dass alle möglichen Alternativen bedacht wurden? Alle möglichen Entstehungsweisen müssten vollständig erforscht worden sein. Das ist jedoch nicht möglich. Kritiker argumentieren, dass damit nur ein argumentum ad ignorantiam möglich sei, also eine Berufung auf Nichtwissen, das aber nichts weiter besage. Die negative Argumentation ist aber dann von Bedeutung, wenn eine teleologische Entstehungsweise bekannt oder plausibel ist. Dann kann nämlich der Schluss auf die (derzeit) beste Erklärung) gezogen werden (s. o.). Dieser Schluss liefert aber keinen endgültigen Beweis für Design. Wenn jedoch zunehmende Kenntnisse über das untersuchte System im Speziellen und zunehmende Kenntnisse über Variationsmechanismen im Allgemeinen die Kenntnislücken in den Ursprungsfragen nicht verkleinern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es keinen natürlichen Ursprung gibt.

Obwohl also aus dem negativen Argument kein Beweis für Design abgeleitet werden kann, hat es doch Bedeutung, weil sich durch den Fortgang der Forschung eine Tendenz herauskristallisieren kann: Zunehmendes Wissen kann die Lücken im Verständnis der Ursprünge (Erklärungslücken) durchaus vergrößern. Hier wird wieder deutlich, dass der Design-Ansatz Forschung braucht.

Positive Argumentation. Um positiv für Design in der Biologie argumentieren zu können, muss geklärt werden, wie  Kennzeichen von Design erkannt werden können. Dazu wird ein SD-Modell benötigt. Hier bietet es sich an, von Kennzeichen menschlichen Designs auszugehen. Wir wissen, welche Kennzeichen Gegenstände besitzen, die planvoll – teleologisch – entstanden sind. Als solche Design-Indikatoren gelten spezifizierte Komplexität, nichtreduzierbar komplexe Systeme, spielerische Komplexität, Wiederverwendung von Bauteilen und manches andere mehr. Wir nennen solche Indikatoren „Design-Indizien“ (s. u.). Die Deutung solcher Kennzeichen als Design-Indizien erhielte jedoch Konkurrenz, wenn für diese ein plausibler natürlicher Ursprung nachgewiesen werden könnte. Die entscheidende Frage ist daher, ob die als Design-Indizien interpretierten Merkmale der Lebewesen auch durch natürliche Evolutionsprozesse entstehen können. Damit sind wir wieder bei der negativen Evidenz (s. o.). Design-Indizien werden auch an den Grenzen natürlicher Prozesse erkannt.

Werden jedoch keine Aussagen über den Designer zugelassen (ID-Ansatz), kann man auch keine Design-Indizien benennen. Dann kann man auch nicht durch den Nachweis von Design-Indizien positiv auf ID schließen, sondern nur negativ argumentieren, dass die bisher bekannten natürlichen Prozesse bestimmte Kennzeichen der Lebewesen bisher nicht erklären können.

Eine positive Argumentation für Design ist auch möglich unter Berücksichtigung von Simulationen. Man ist heute in der Lage, DNA und funktionale Proteine im Labor herzustellen. Das funktioniert nur mit einem entsprechenden Versuchsaufbau und Timing. Die Forschung auf diesem Gebiet hat gezeigt, dass eine gesteuerte und zielgerichtete Synthese möglich ist. Dagegen ist ein ungerichteter Entstehungsweg unbekannt. Mit dem Schluss auf die beste Erklärung kann man sagen, dass ein intentionaler Ursprung der Makromoleküle der Lebewesen sehr viel wahrscheinlicher ist als ein ateleologischer. Vermutlich wird man das auch sagen können, sollte man eines Tages in der Lage, kompliziertere Systeme, vielleicht sogar Lebewesen herzustellen. Da wir einen Weg der Entstehung von Makromolekülen kennen, können wir beurteilen, ob dieser Weg auch ohne Lenkung begehbar ist. Die Antwort ist nach allem, was wir wissen, eindeutig nein. Man kann sich hier daher nicht mehr so einfach auf ein „wir wissen noch viel zu wenig“ zurückziehen, denn zunehmendes Wissen hat dieses „nein“ begründet.

In Bezug auf die historische Frage, wie in der Vergangenheit die Lebewesen erstmals entstanden sind, können solche Simulationen allerdings keine Antworten geben, sondern nur Möglichkeiten aufzeigen und den (vorläufigen) Schluss auf die beste Erklärung erlauben.

Auf der Komplexitätsstufe des Lebens wird die Sache insofern komplizierter als in der präbiotischen Chemie, als das Leben zusätzliche Eigenschaften besitzt, die Makromolekülen, isolierten biologischen Apparaten oder einzelnen Stoffwechselkaskaden nicht zukommen. Dennoch kann man vergleichbar argumentieren wie soeben in der Frage der Lebensentstehung, muss sich aber der Frage stellen, ob die zusätzlichen Eigenschaften der Lebewesen die Design-Argumentation in Frage stellen oder gar aufheben. Das ist Thema des folgenden Abschnitts.

 
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Der Analogieschluss

 

Manche Ähnlichkeiten zwischen technischen Konstruktionen und Konstruktionen der Lebewesen sind so auffällig, dass sich ein Analogieschluss auf ähnliche Ursachen aufdrängt. In der Design-Thematik geht es um die Frage, ob der im Bereich menschlichen Designs getätigte Schluss von Design-Kennzeichen auf einen Designer analog auf die Lebewesen angewendet werden kann. Im Falle menschlicher Artefakte sind die Designer in der Regel bekannt, bei den Lebewesen ist das nicht und es ist gerade umstritten, ob es einen Designer der Lebewesen gibt. Aber gerade vor diesem Hintergrund kommt der Analogieschluss zum Tragen (vgl. Abb. 105).

 
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Formal funktioniert der Analogieschluss wie folgt:

 

T und L haben die ähnliche Eigenschaft I

Es ist kein Fall bekannt, in dem I in T ohne D auftritt

Ähnliche Eigenschaften haben ähnliche Ursprünge

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Daher ist I in L wahrscheinlich auch durch den Entstehungsweg D entstanden

 

T stehe für „technisches System“, L für „lebendiges System“, I für ein Design-Indiz, D für intentionales Design.

 

Also zum Beispiel konkret:

 

Technische Rotationsmotoren (TR) und Flagellen weisen eine nichtreduzierbare Komplexität auf

Es ist kein Fall bekannt, in dem nichtreduzierbare Komplexität in TR ohne D auftritt

Ähnliche Eigenschaften haben ähnliche Ursprünge

-------------------------------------------------------------

Daher ist nichtreduzierbare Komplexität in Flagellen wahrscheinlich auch durch D entstanden

 

In dieser Formulierung spielen Unterschiede zwischen technischen Rotationsmotoren und Flagellen zunächst keine Rolle. Die Schlussfolgerung ist zwar nicht zwingend (es handelt sich um einen abduktiven Schluss), aber es ist die nächstliegende, solange andere Entstehungswege unbekannt sind, da sie die Analogie (gemeinsamer Besitz von I) für sich verbuchen kann.

Im Vergleich zu technischen Systemen bestehen Unterschiede bei den Lebewesen wie z. B. Fehlertoleranz, Flexibilität, Variabilität und Fortpflanzungsfähigkeit. Wir werden uns im Folgenden der Frage widmen, ob diese Unterschiede den Analogieschluss widerlegen.

Fortpflanzungs- und Variationsfähigkeit. Anders als bei archäologischen Artefakten oder technischen Geräten gibt es bei Lebewesen Variabilität und Variationsmechanismen; es gibt Stoffwechsel und sie können sich fortpflanzen. Liegt darin das Potential, dass sukzessiv über viele Generationen hinweg auch evolutionäre Neuheiten erworben werden können? Es wurde jedoch noch nicht gezeigt, dass Fortpflanzungs- und Variationsfähigkeit und die anderen spezifischen Eigenschaften der Lebewesen tatsächlich zur Herausbildung neuer Strukturen führen. Aus der Reproduktionsfähigkeit folgt keine Fähigkeit zur Neuproduktion und aus der Variationsfähigkeit folgt keine Innovationsfähigkeit. Was die zusätzlichen Merkmale der Fortpflanzungs- und Variationsfähigkeit ermöglichen, ist freilich noch nicht ausgelotet. Andererseits stellen sich für diese Fähigkeiten ebenso die Fragen nach deren Entstehung. Denn die Fortpflanzungsfähigkeit erfordert eine hochvernetzte Interaktion zwischen Informationsträgern und den korrespondierenden morphologisch-funktionellen Merkmalen. Das biologische Design dafür verweist erst recht auf Planung. Statt einen Schlüssel für Evolution zu liefern könnten diese besonderen Fähigkeiten der Lebewesen die Frage nach ihrer Entstehung auch verschärfen.

Dass die Fortpflanzungs- und Variationsfähigkeit der Lebewesen das Analogieargument nicht wertlos macht, wird beispielhaft am häufig anzutreffenden Kennzeichen der nichtreduzierbaren Komplexität (s. u.) deutlich: Solche Strukturen müssen nach gegenwärtigem Kenntnisstand in einer einzigen Generation von einer Vorläuferstruktur mit anderer Funktion entstehen, da sie durch die bisher bekannten natürlichen Vorgänge nicht schrittweise aufgebaut werden können, weil das über selektionsnachteilige Stadien führen würde (Genauere Argumentation und Auseinandersetzung mit Gegenargumenten finden sich im Artikel Nichtreduzierbare Komplexität). Die Fortpflanzungsfähigkeit der Lebewesen hilft in solchen Fällen also nicht weiter und eignet sich nicht dafür, den Analogieschluss zu entkräften. Entsprechend müssen andere Unterschiede zwischen Technik und Lebewesen beurteilt werden, ob ihnen das Potential zu eigen ist, Design entstehen zu lassen.

Aufgrund der Beschreibung lebendiger Konstruktionen durch teleologische Begriffe und aufgrund tiefgehender Entsprechungen zwischen Natur und Technik ist ein Analogieschluss über die Entstehung lebender Konstruktionen begründet. Die Analogie zwischen Organismen und Technik wird durch Unterschiede zwischen lebendigen Konstruktionen und technischen Konstrukten aus zwei Gründen nicht in Frage gestellt: 1. Die tiefgreifenden Ähnlichkeiten werden dadurch nicht verringert, 2. In den Unterschieden liegt nicht das Potential zu einer nicht-teleologischen, mechanismischen Erklärung. Dies könnte sich durch weitere Kenntnisse über Evolutionsmechanismen allerdings ändern; der Analogieschluss ist also widerlegbar und kann sich als Fehlschluss erweisen, er kann durch weitere Befunde aber auch gestärkt werden.

 
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Design-Indizien

 

Der Begriff „Design-Indiz“ wurde in den vorangehenden Abschnitten schon mehrfach gebraucht. Als Design-Indizien sollen solche Kennzeichen von Lebewesen bezeichnet werden, die als Hinweise auf das Wirken eines Designers gewertet werden können, die also kennzeichnend für Planung und Zielorientierung sind. Welche Kennzeichen kann man nun erwarten, wenn ein Gegenstand designed ist?

Wichtig ist hier die eingangs erläuterte Unterscheidung zwischen dem „klassischen“ ID-Ansatz und spezifischem Design (SD). Nach dem ID-Ansatz sollen jegliche konkrete Vorstellungen über das Wirken des Designers ausgeklammert werden. Bei dieser Vorgehensweise kann man aber nur der Frage nachgehen, ob Grenzen für nicht-teleologische Vorgänge nachweisbar sind. Was durch nicht-teleologische Prozesse und Mechanismen nicht erklärt werden kann, kann dann aber nur einen Verdacht auf Design liefern. Nur wenn man auch konkrete Vorstellungen vom Wirken eines Designers zugrundelegt (z. B. dass er optimale Lösungen von Konstruktionsproblemen bevorzugt, oder dass er Sinn für Ästhetik hat), kann man nach entsprechenden konkreten Design-Indizien suchen.

Nachfolgend sollen Design-Indizien vorgestellt und diskutiert werden, bei denen ein Bezug auf SD vorliegt. So wird insbesondere angenommen, dass die Konstrukte des Designers ähnliche Kennzeichen aufweisen wie die Konstruktionen des Menschen. Dadurch besteht die Möglichkeit, nach konkreten Hinweisen auf Design zu suchen, indem menschliches Design analysiert wird und typische Merkmale herausgefiltert werden: Wir designen beispielsweise nicht nur zweckmäßig im Sinne höchster Effizienz, sondern berücksichtigen auch ästhetische Aspekte. Wenn ein menschenähnlicher Designer das Leben designed haben sollte, sind daher auch Strukturen zu erwarten, die solche Kennzeichen aufweisen. Ohne diese Spezifizierung des Designs können im Rahmen des Design-Ansatzes solche Erwartungen nicht abgeleitet werden.

Jedes Design-Indiz verdiente eine ausführliche Besprechung; dies ist teilweise an anderer Stelle geschehen, worauf hier verwiesen werden soll. Hier soll nur ein kurzer Überblick gegeben werden.

Nichtreduzierbare Komplexität. Organismen bestehen aus zahlreichen synorganisierten Teilsystemen, d. h. es wirken viele Komponenten zusammen, um eine Funktion auszuüben. Mindestens ein Kernbereich dieser Systeme scheint dabei unverzichtbar zu sein; er ist nicht reduzierbar; d. h. kein Element darf entfernt werden, ohne dass es zu einem totalen Funktionsausfall kommt (bezogen auf die Funktion des Systems!). Ein einzelnes System ist demnach nichtreduzierbar komplex (irreducible complex, im folgenden mit „IC“ abgekürzt), wenn es notwendigerweise aus mehreren, gut aufeinander abgestimmten, wechselwirkenden Teilen besteht, die an der Grundfunktion beteiligt sind, so dass die Entfernung eines beliebigen Teils diese Funktion restlos zerstört (nach Behe 1996, 39). Ein solches System wird als IC-System bezeichnet. Wichtig in der Definition von IC ist, dass es sich um wechselwirkende („interacting“) Teile handelt, die aufeinander abgestimmt („well matched“) sind.

Auf dem Nachweis von nichtreduzierbarer Komplexität (ggf. eines Kernbereichs) baut das IC-Argument auf. Es besagt: Es ist nicht möglich, ein IC-System kleinschrittig durch ungerichtete evolutive Prozesse aufzubauen. Denn solange das System nicht alle für die Ausübung der betreffenden Funktion erforderlichen Teile besitzt, wäre es aufgrund seiner Funktionslosigkeit (bezüglich der Grundfunktion) selektionsnegativ oder bestenfalls selektionsneutral (falls das System sehr einfach ist). Das heißt: Nichtreduzierbar komplexe Systeme (IC-Systeme) sind so gestaltet, dass die Selektion auf die betreffende Grundfunktion hin erst greifen kann, wenn das System komplett ist. Denn Vorstufen wären auf eine erst noch zu erwerbende Funktion hin nicht selektierbar. Das Konzept der nichtreduzierbaren Komplexität berücksichtigt also ausdrücklich den Selektionsaspekt. Das ist der negative Teil des Arguments. Wichtig ist dabei, dass das IC-Argument nicht beinhaltet, dass die IC-Struktur gleichsam aus dem Nichts entstanden sein soll; es kann Vorläufer mit anderer Funktion gegeben haben.

Nichtreduzierbare Komplexität ist zugleich ein typisches Kennzeichen von technischen Konstruktionen und kann daher als Design-Indiz gelten, was als positiver Teil des Arguments gewertet werden kann. Das Vorkommen von IC-Strukturen entspricht den Erwartungen des Design-Ansatzes im Sinne von SD. Denn bei IC handelt es sich zum einen um ein Kennzeichen der Lebewesen, das typisch für bestimmte („spezifische“) Designer ist (Design-Indiz), zum anderen ist ein natürlicher Entstehungsweg (d. h. unter Ausschluss von Planung) unbekannt.

Nichtreduzierbare Komplexität ist ein typisches Beispiel für ein tertium comparationis zwischen technischen und lebendigen Systemen und den darauf aufgebauten Analogieschluss (s. o.).

Das Argument der nichtreduzierbaren Komplexität (IC-Argument) wurde auf vielerlei Weise in Frage gestellt. Zahlreiche Kritikpunkte werden an anderer Stelle behandelt (Nichtreduzierbare Komplexität), daher sollen hier nur zwei grundsätzliche Möglichkeiten für Kritik angesprochen werden: 1. Es wird gezeigt, dass das in Rede stehende System gar nicht nichtreduzierbar komplex ist, dass es also schrittweise aufgebaut werden kann, so dass jede „Station“ funktional und damit Schritt für Schritt selektierbar ist. 2. Es wird demonstriert, dass eine IC-Struktur auf nicht-darwinistischem Weg, auf indirektem Weg (z. B. über eine redundante Vorstufe oder als Nebeneffekt einer evolutiven Entstehung eines anderen Komplexes) oder auf einem anderen evolutiven Weg ohne lenkenden Eingriff entstehen kann. In beiden Fällen würde die Annahme eines Designs überflüssig werden. Alle Kritikpunkte gegen das IC-Argument lassen sich diesen beiden grundsätzlichen Einwänden zuordnen und können nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens entkräftet werden.

Spielerische Komplexität. Als weiteres Design-Indiz wird das Vorkommen von Konstruktionsmerkmalen von Lebewesen angeführt, die ausgefallener erscheinen, als die Funktion der Struktur erwarten lässt. Man könnte hier von „Luxusstrukturen“ oder von „spielerischer Komplexität“ sprechen. Als Beispiel sei die Blüte des Frauenschuhs genannt, die mittels einer Kesselfalle blütenbesuchende Insekten vorübergehend einsperrt, um auf diesem Wege die Bestäubung zu ermöglichen (Abb. 364). Bekanntlich erfüllen viel einfacher gebaute Blüten diesen Zweck genauso gut; weshalb gibt es also so überaus komplizierte Einrichtungen? Sind solche Konstruktionen komplizierter, als es für die zu erfüllende Funktion notwendig ist? Wenn ja, warum ist das so?

 
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Luxus kann sich ein Schöpfer erlauben, es ist ein typisches Kennzeichen von Planung, daher als „Design-Indiz“ interpretierbar. Ein Designer ist nicht daran gebunden, funktional möglichst effektive Strukturen zu schaffen; Funktionalität ist nicht das einzige Bewertungskriterium für die Güte seines Produkts. Dagegen können für das Auftreten funktional überflüssiger Strukturen kaum Selektionsdrücke plausibel gemacht werden.

Potentielle Komplexität (Zukunftsorientierung). Eine dritte Sorte von Design-Indizien könnten Fähigkeiten von Lebewesen sein, die durch aktuelle Selektionsbedingungen und durch Selektionsbedingungen ihrer mutmaßlichen Vorfahren nicht erklärt werden können, jedoch durch potentielle zukünftige Auslesefaktoren. Das können z. B. Programme und Mechanismen sein, die angelegte Fähigkeiten bei Bedarf zur Entfaltung bringen (vor allem ausgelöst durch Umweltreize): potentielle Komplexität. Damit kommt ein Zukunftsaspekt ins Spiel, wenn potentiell nützliche Fähigkeiten angelegt sein sollten. Solche Befunde widersprächen allen Ansätzen, die davon ausgehen, dass ein Lebewesen nur sein unmittelbares Überleben sichern muss bzw. kann, nicht aber das zukünftige.

Rein naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle können nur streng gegenwartsorientiert sein, da sie eben keine vorausschauende Instanz kennen. Auslese auf zukünftige Bedürfnisse ist unmöglich – oder bildhaft ausgedrückt: Rucksäcke mit geeignetem Inhalt werden nur gepackt, wenn man in der Lage ist, ein Ziel zu verfolgen. Wenn also plausibel gemacht werden kann, dass die Lebewesen zu mehr potentiell fähig sind, als zu dem, was sie aktuell brauchen und früher brauchten, ist das ein starkes Argument für Planung. Denn die Existenz von Variationsprogrammen, die erst für zukünftige Erfordernisse relevant sein könnten, ist evolutionär nicht zu erwarten, da die Evolutionsmechanismen nicht zukunftsorientiert sind.

Für den Nachweis einer potentiellen Komplexität und damit für die Prüfung des damit verbundenen Design-Arguments sind aufwändige Untersuchungen notwendig. Der Design-Ansatz braucht zu seiner Bewährung Forschung.

Es kommen noch weitere Kennzeichen der Lebewesen als Design-Indizien in Frage, die in diesem kurzen Überblick nicht angesprochen werden sollen; es sei dazu auf die PDF-Version dieses Artikels (Artikel Intelligent Design) verwiesen.

 
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Schlussfolgerungen

 

Design-Argumente wie die Existenz von Design-Indizien werden erst durch Forschung stark, und wenn sie unhaltbar sind, könnte das durch Forschung gezeigt werden. Je mehr man über ein biologisches System weiß, desto eher können – falls vorhanden – Design-Indizien erkannt werden. Die Behauptung des Fehlens eines natürlichen Entstehungsmechanismus kann falsifiziert werden und alle Hypothesen eines spezifischen Designs (SD) können dadurch Konkurrenz erhalten, dass konkrete nicht-teleologische, evolutionsbiologische Erklärungen vorgelegt werden. Dann wäre der Schluss auf Design als Schluss auf die beste Erklärung nicht mehr möglich (es sei denn, andere Aspekte würden diesen Schluss erlauben). Es gibt damit ein definiertes Falsifikationskriterium und der Design-Ansatz regt Forschung an, die zu seiner Stützung benötigt wird.

Naturwissenschaft befasst sich mit „Wie-funktioniert“-Fragen. Darüber hinaus ist die Wozu-Frage in der Biologie von großem heuristischem Wert; z. B.: Welchen Zweck erfüllt das untersuchte Organ? Woher-Fragen („woher kommt ein untersuchtes Organ ursprünglich?“) sind ihrem Wesen nach jedoch historische, keine naturwissenschaftlichen Fragen (vgl. Methodik der historischen Forschung).

Der Fortschritt der Wissenschaft in den Wie-Fragen geht nicht automatisch mit einem Fortschritt in Woher-Fragen einher. Zunehmendes Wissen über die Funktion biologischer Systeme verkleinert unsere Kenntnislücken in Entstehungsfragen nicht automatisch. Das Gegenteil kann der Fall sein: Je mehr wir wissen, desto offenkundiger könnte unsere Unkenntnis in den Ursprungsfragen werden. In diesem Fall bewährt sich der Design-Ansatz.

 

Literatur

Eine sehr viel ausführlichere Diskussion bietet: Junker R (2009) Spuren Gottes in der Schöpfung? Eine kritische Analyse von Design-Argumenten in der Biologie. Studium Integrale. Holzgerlingen. (http://www.wort-und-wissen.de/si/bio/spurengottes.html; dort ist auch ein Link zum Inhalt und Vorwort)

Sehr lesenswert ist: Rammerstorfer M (2006a) Nur eine Illusion? Biologie und Design. Marburg.

Weitere im Text zitierte Literatur:

Heilig C (2008) Klassifikation von Ursprungsvorstellungen. http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2008/11/klassifikation-von-ursprungsvorstellung.html

Mutschler HD (2003) Gibt es Finalität in der Natur? In: Kummer C (Hg.) Die andere Seite der Biologie. München.

Spaemann R & Löw R (1981) Die Frage Wozu? Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens. München.

 
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Autor: Reinhard Junker, 07.01.2010

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