Schöpfung: Theologie, Biblische Apologetik - Todesstrukturen in der Schöpfung  

Schöpfung: Theologie, Biblische Apologetik

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Experten: Todesstrukturen in der Schöpfung

Inhalt

In diesem Artikel wird eine große Anzahl von Einrichtungen für den Erwerb und Verzehr tierischer Nahrung, von Räuber-Beute-Beziehungen und parasitären Lebensformen vorgestellt.

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Problemstellung

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Die ökologischen Verflechtungen

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Strukturen und Verhaltensweisen für den Beuteerwerb

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Strategien der Feindabwehr

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Krankheit, Missbildungen, Tod

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Viren

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Parasitismus

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Rückbildungserscheinungen und Aussterben

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Sonstige Phänomene, die möglicherweise nicht ursprünglich sind

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Schlussfolgerungen

evolution schöpfung sündenfall biologie todesstrukturen schöpfung Literatur

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Problemstellung

Eines der Standardargumente gegen ein historisches Verständnis der biblischen Urgeschichte ist das Fressen und Gefressenwerden in der Schöpfung. Es wird wie folgt argumentiert: In 1. Mose 1,29-30 wird geschildert, dass die Tiere und der Mensch nur pflanzliche Nahrung zu sich nehmen sollten: Es wird auch ausdrücklich gesagt, dass es auch so geschah. Heute aber ist das ganz anders. Viele Tiere erbeuten andere Tiere und benötigen dazu häufig ausgeklügelte Werkzeuge und Verhaltensweisen zum Beuteerwerb. Die Beutefangmechanismen sind oft so kompliziert, dass sie nicht durch Mikroevolution Mikro- und Makroevolution entstehen konnten; sie erfordern gegenüber Pflanzenfressern z. T. erhebliche Neukonstruktionen oder gewaltige Umkonstruktionen und damit Makroevolution. Wenn es aber nach den Vorstellungen der Schöpfungslehre keine Makroevolution gibt, wie kommen dann die komplizierten Räuber-Beute-Beziehungen zustande? Sie müssten von vornherein am Anfang der Schöpfung schon dagewesen sein. Das würde aber dem biblischen Schöpfungsbericht (s. o.) widersprechen.

Im übrigen sei eine Welt ohne Tod und ohne Räuber-Beute-Beziehungen ökologisch gar nicht denkbar. Die biblische Schilderung von einer Welt ohne Tiernahrung sei daher unrealistisch. Sie könne allenfalls bildlich verstanden werden, nicht aber als Beschreibung eines tatsächlichen ursprünglichen Zustandes der Schöpfung.

Im folgenden werden heutige ökologische Verflechtungen der belebten Welt anhand einiger typischer Beispiele geschildert. Damit soll beispielhaft dokumentiert werden, welche Unterschiede zwischen der uns vertrauten Ökologie und einer ganz andersartigen Urspungsökologie bestehen. Daraus wird ersichtlich werden, dass der Übergang von einer Ursprungsökologie (wie in 1. Mose 1,29-30 angedeutet) zur heutigen Ökologie mit dem Fressen und Gefressenwerden in der Tat nicht durch mikroevolutive, natürliche Vorgänge erklärbar ist.

Im Artikel Biblische Aussagen zur Existenzweise der Lebewesen wird gezeigt, dass die biblischen Texte tatsächlich eine ursprüngliche Welt ohne Tod in der gesamten Schöpfung beschreiben, und zwar im Sinne einer realistischen Schilderung einer Schöpfung, die ursprünglich wesensmäßig anders gestaltet war als die heutige. Daraus folgt notwendigerweise, dass es einen Übergang oder einen Umbruch in die heutige „Todes-Ökologie" gegeben haben muss. Einige biblische Texte geben Hinweise darauf, dass dieser Umbruch mit dem Sündenfall des Menschen zu tun hat. Der Sündenfall ist demnach ein für die gesamte Schöpfung einschneidendes Ereignis. Wie man sich einen solchen Übergang oder Umbruch aus biologischer Sicht vorstellen könnte, ist Gegenstand des Artikels Modell für einen Umbruch in der Schöpfung.

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Die ökologischen Verflechtungen

Um die Frage nach den möglichen Folgen des Sündenfalls für die Ökologie der Lebewesen angemessen angehen zu können, soll in diesem Artikel ein Einblick in die heute beobachtbaren Wechselwirkungen zwischen den Organismen gegeben werden. Es geht dabei nicht um eine vollständige Übersicht, sondern um vielseitige Eindrücke von ökologischen Verflechtungen, die mit der Existenz des Todes in der Schöpfung zusammenhängen.

Dabei wird nur auf diejenigen gegenseitigen Abhängigkeiten eingegangen, die Elemente enthalten, die mit dem Tod in der Schöpfung zu tun haben. Wir nennen solche Strukturen „fallsgestaltig", weil sie hier als Folge des Sündenfalls betrachtet werden. Es geht dabei vor allem (aber nicht nur!) um destruktive Strukturen, die dazu da sind, andere Tiere zu schädigen oder zu töten.

Natürlich entsteht dabei ein einseitiges Bild, denn es gibt ja auch viele Fälle von gegenseitigem Nutzen. Man denke nur etwa an die überaus zahlreichen Beispiele gegenseitiger Abhängigkeiten von Blüte und Insekt bei der Bestäubung, an Anpassungen von Früchten an Tierverbreitung oder an die Darmflora von Mensch und Tieren und viele andere Beispiele von Symbiosen (=Zusammenleben mit gegenseitigem Nutzen). Es soll in diesem Artikel jedoch darum gehen, negative Wechselwirkungen zwischen Lebewesen darzustellen.

Nahrungsketten. Das Fressen und Gefressen werden ist uns von Kindheit an so geläufig, dass es zu den größten Selbstverständlichkeiten gehört. Viele Tiere überleben nur auf Kosten anderer Tiere. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass viele Raubtiere auch mit pflanzlicher Nahrung auskommen (z. B. im Zoo), bleibt doch die Tatsache, dass die Stabilität der heutigen Lebensgemeinschaften von ausgewogenen Räuber-Beute-Verhältnissen abhängt. Ein Ökosystem würde es auf Dauer nicht verkraften, wenn seine Raubtiere auf Pflanzennahrung übergingen. Das Überleben auf Kosten anderer Tiere ist nicht wegzudenken. Des einen Räuber ist dabei fast ausnahmslos des anderen Beute, das Resultat daraus sind Nahrungsketten. Abb. 123 zeigt vereinfacht eine solche Nahrungskette (bzw. ein Nahrungsnetz). Im Meer sieht eine typische Nahrungskette etwa folgendermaßen aus: Das Phytoplankton (Algen) wird von Zooplankton (z. B. kleine Krebse) gefressen, dieses wiederum von sogenannten Friedfischen, welche von Raubfischen gefressen werden. Am Ende der Kette steht z. B. der Mensch.

Die Räuber-Beute-Beziehungen sind jedoch nicht einfacher, linearer Art, vielmehr schlägt ein Räuber in der Regel viele Beutetierarten und eine Beutetierart hat viele Fressfeinde. Daraus resultiert ein kompliziertes Netz von Räuber-Beute-Beziehungen. So umfasst das Nahrungsspektrum des Löwen etwa zwanzig Huftierarten und gelegentlich noch weitere Tierformen, die alle auch bei anderen Beutetieren auf dem Speisezettel stehen. Wanderfalken sollen über 120 Vogelarten erbeuten. Die komplexen Nahrungsbeziehungen werden bislang meist nur in Aspekten durchschaut. Dies zeigt sich an den z. T. unangenehmen Überraschungen, die es immer wieder bei Verschleppung von Arten in fremde Biotope gibt. Allerdings sind Ökosysteme auch in Grenzen flexibel, und auch nach Katastrophen stellen sich neue Gleichgewichte ein.

So paradox es klingen mag: die Beutetiere sind auf die Räuber angewiesen, wollen sie als Art überleben, denn ihre Populationen würden bei Abwesenheit des Räubers überhand nehmen und sich dadurch selbst die Nahrungsgrundlage entziehen; außerdem könnten sich Krankheiten seuchenhaft ausbreiten und die Population gefährden. Räuber fungieren oft auch als „Gesundheitspolizisten", indem sie kranke, schwache oder in irgendeiner Weise abnorme Individuen eher schlagen (können) als gesunde und kräftige. In dieser Hinsicht hilft der Räuber der Beute als Population. Die Strategien von Räuber und Beute sind also so abgestimmt, dass das Überleben beider unter normalen Bedingungen nicht gefährdet wird.

Auch die Abbauprodukte toter Organismen werden von Organismen genutzt und bilden daher einen wichtigen Bestandteil im Haushalt der Natur.

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Strukturen und Verhaltensweisen für den Beuteerwerb

Damit Tiere andere erbeuten und verzehren können, benötigen sie passende Körperstrukturen und Verhaltensweisen: Der Räuber muss seine Beute erkennen, überwältigen, verzehren und verdauen können. Im folgenden soll eine Auswahl von Beispielen solcher Strukturen und Verhaltensweisen geschildert werden. Es handelt sich dabei um Strukturen und Verhaltensweisen, die in einer Welt, wo den Tieren das „grüne Kraut" zur Nahrung gegeben ist (1. Mose 1,30) sinnlos wären (= fallsgestaltige Strukturen, s. o.). Die Liste von Beispielen wird bewusst nicht kurz gehalten, damit ein breiter Eindruck von der Vielfalt des Fallsgestaltigen im Tier- und Pflanzenreich vermittelt werden kann. Dabei beschränken wir uns zunächst auf Beschreibungen. Überlegungen, inwieweit diese fallsgestaltigen Merkmale im Laufe einer Mikroevolution nach der Erschaffung der Arten erworben werden konnten, werden im Artikel Modell für einen Umbruch in der Schöpfung diskutiert. Man beachte beim Lesen der Beispiele, dass die Körperstrukturen und Verhaltensweisen aufeinander abgestimmt sein müssen, damit Beutesuche, -fang und -verzehr erfolgreich sind. Die nachfolgenden Beispiele stammen meist aus Schröpel (1986).

Strukturen und Verhaltensweisen, die den Nahrungserwerb ermöglichen. Um die Beute fangen zu können, bedarf es geeigneter Verhaltensweisen und Organe. Beides muss aufeinander abgestimmt sein.

Zum Reißen und ggf. Kauen der Beute benötigen Tiere ein geeignetes Gebiss, ein „Raubtiergebiss" (bei Wirbeltieren), kauend-beißende Mundwerkzeuge (bei Insekten) usw. Ein Raubtiergebiss unterscheidet sich von einem Grasfressergebiss stark; man vergleiche etwa das Gebiss eines Huftieres mit dem eines Raubtieres (Abb. 124). Auch wenn man mit einem Raubtiergebiss auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen kann, so ist es dafür doch nicht so gut geeignet und nicht dafür konstruiert.

Neben geeigneten Beutefangorganen ist auch ein geeignetes Beutefangverhalten erforderlich. Ein Räuber muss sich anders verhalten als ein Pflanzenfresser.

Was die physiologische Seite betrifft, so ist tierische Nahrung leichter verdaulich als Pflanzennahrung. Ein Pflanzenköstler verträgt in der Regel auch tierische Nahrung.

Beispiele. Bartenwale ernähren sich, obwohl sie die größten heue lebenden Organismen sind, von Kleinlebewesen, hauptsächlich Krillkrebsen, die nicht einmal 10 g schwer sind. Davon benötigt der bis zu 130 t schwere Blauwal (Balaenoptera musculus) ganze Lastkraftwagenladungen. Diese auf den ersten Blick überraschende Nahrungsquelle wäre völlig ungeeignet, wenn die Bartenwale nicht einen geeigneten Filterapparat hätten. Bartenwale besitzen im Maul einen solchen Filterapparat, mit dem sie die Krebse aufnehmen. Am zahnlosen Hornkiefer hängen lange Hornplatten mit seitlichen Fransen in mehreren Reihen herab, die Barten. Mit dem Wasser gelangen die darin sich befindlichen Krebse in die Mundhöhle. Beim Herauspressen des Wassers aus dem Mundhöhlenraum durch die Barten bleibt die Nahrung an den Fransen hängen. Mit der Zunge wird sie durch den schmalen Schlund in den Gaumen befördert.

Die zu den Fangschrecken gehörende Gottesanbeterin (Mantis religiosa) schlägt ihre Beute mit dem zu wirkungsvollen Fanghaken umgebildeten ersten Beinpaar, mit dem sie blitzschnell und zielsicher zuschlägt. Der Fangschlag dauert nur 10-30 Millisekunden. Mit Hilfe von Sinnesborsten, die je nach Kopfdrehung gestaucht werden, kann die Mantis die Lage der Beute relativ zum Kopf bestimmen. Entsprechend wird die Schlagrichtung „eingestellt". Bis ein geeignetes Beutetier in Reichweite gelangt, wartet das Insekt u. U. mehrere Stunden lang.

Durch Echopeilung mittels Ultraschall und Radar orten Fledermäuse ihre fliegende Beute. Die Fledermäuse können die von der Beute zurückkommenden Schallsignale analysieren, Entfernung und Flugrichtung der Beute bestimmen und ihre eigene Flugrichtung entsprechend einschlagen. Die Ultraschalltöne wären so laut wie ein Presslufthammer, wenn sie im für den Menschen hörbaren Bereich ausgestoßen würden. Die Schreie werden durch den Mund, bei einigen Fledermausfamilien durch die Nase ausgestoßen, wobei das Nasenblatt als eine Art Megaphon dient. Mit Ultraschall arbeiten auch Delphine.

Die mit Möwen verwandten Scherenschnäbel (Rhynchops) fliegen ganz dicht über die Wasseroberfläche flacher Seen und Teiche sowie an Flussufern und an Küstensäumen entlang. Dabei halten sie den Schnabel geöffnet, senken den langen Unterschnabel nach unten, furchen das Wasser und sammeln Beutetiere.

Anlocken der Beute. Manche Tiere gelangen an ihre Beute, indem sie sie anlocken, und verwenden dafür besondere „Lockorgane". So trägt der Tiefseeanglerfisch Linophryne arborifera eine „Leuchtangel" an der Oberkieferspitze, mit der Beutefische aus der ansonsten stockdunklen Umgebung angelockt werden. Der das flache Küstenwasser bewohnende Seeteufel (Lophius piscatorius) lockt Fische durch einen als wurmförmigen Köder umgebildeten Rückenflossenstrahl heran und saugt sie dann mit dem riesigen Maul ein. Die meiste Zeit liegt er regungslos auf dem Bodengrund. Struktur und Verhalten passen zusammen, um die Beute in erreichbare Nähe zu bringen und zu erreichen. Auch durch „ausgeklügelte" Verhaltensweisen kann dieses Ziel erreicht werden. Ein Buntbarsch (Haplochromis livingstonii) aus dem Malawisee in Afrika stellt sich selbst als Leiche dar, die auf Aasverzehrer attraktiv wirkt. Sein Farbmuster verschwindet dabei. Doch wenn ein Fisch etwas von ihm abknabbern will, wird er augenblicklich sehr mobil und fängt ihn.

Finden der Beute. Um Beutetiere ausfindig zu machen, verwenden manche Räuber hochsensible Sinnes-
organe. Klapperschlangen besitzen Temperaturdetektoren. Sie können damit Temperaturunterschiede zwischen der allgemeinen Umgebung und einem wärmeabstrahlenden Objekt feststellen, die nur etwa 0,003oC betragen. Das sprichwörtliche Adlerauge des Steinadlers (Aquila chrysaetos) nimmt noch aus 800 bis 1000 m Entfernung die geringen Bewegungen eines Hasen in der Sasse wahr. Der Mäusebussard (Buteo buteo) soll an der Stelle größter Sehschärfe in der Netzhaut bis achtmal schärfer sehen als der Mensch, also so gut wie der Mensch durch ein achtfach vergrößerndes Fernglas.

Mehrere Suchstrategien können miteinander kombiniert sein: Der Bienenwolf (Philanthus), eine große Grabwespenart, erkennt seine Beute zunächst durch optische Reize, Duftreize führen nach der Annäherung zum Fang und das Stechen erfolgt durch optische Reize und Berührungsreize.

Fangen der Beute. Viele Tierarten fangen ihre Beute gemeinsam durch ein koordiniertes Vorgehen. Ungemein „taktisch klug" gehen Pelikane vor. Sie finden sich beim Fischfang zu Trupps zusammen. „In einer Linie oder im Halbkreis treiben sie vom tieferen, küstenferneren Wasser Fischschwärme in die seichte Uferregion, indem die Treiberketten durch heftiges Flügelschlagen, Beintreten und Schnabel-ins-Wasser-Stoßen die Fische zur Flucht vor sich her veranlassen. Die oft über hundert Vögel eines solchen Treibens können damit ganze Wasserflächen gegen ein Ausbrechen der Fische absperren. Im flachen Wasser, nahe dem Ufer, ist es für Pelikane nun ein leichtes, aus dem zusammengedrängten Fischschwarm, gewissermaßen aus dem Vollen, zu schöpfen" (Schröpel 1986).

Der Gepard (Acinonyx jubatus) setzt seine läuferischen Qualitäten ein, um die Beute ergreifen zu können. Er erreicht Spitzenwerte von über 100 km/h, die er allerdings nur über wenige 100 m durchhalten kann. Diese Geschwindigkeit wird durch eine besonders biegsame Wirbelsäule, die Beweglichkeit der Schulterblätter und die langen Beine ermöglicht.

Dass die Räuber besondere Fähigkeiten benötigen, um teilweise gleichgroße Beutetiere überwältigen zu können, muss nicht besonders betont werden. Wenn ein Löwe ein Gnu überwältigt, geht es wirklich blutrünstig zu.

Besonders hinterlistig sind die Fallenapparate der Spinnen. Jedermann geläufig ist das Netz von Radnetzspinnen, in welchem ahnungslose oder unvorsichtige Opfer hängen bleiben. Es gibt eine Unzahl weiterer Vorrichtungen, die mit Fangfäden arbeiten, z. B. Stolperdrähte als Signalüberträger oder Baldachine.

Manche Tiere setzen Geschosse ein. Die Lassospinne (Mastophora) jagt nachts, indem sie einen Faden mit dickem Leimtropfen gegen fliegende Insekten schleudert. Die getroffene Beute bleibt kleben, die Spinne kommt herab und tötet sie. Der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) (Abb. 125) spuckt kleine Wassertropfen von der Oberfläche des Wassers auf Insekten, die in der über dem Ufer hängenden Vegetation sitzen. Er trifft auf Entfernungen von über 1 m mit unglaublicher Sicherheit. Die Lichtbrechung und Wellenbewegungen berücksichtigt der Fisch beim Zielen. Die Fähigkeit des Schießens wird durch eine vergleichsweise bewegliche Zunge ermöglicht, die er gegen den Gaumen pressen kann. Im Gaumen liegt eine Rinne, die mit der Zunge zusammen eine Art Blasrohr bildet. Durch kräftiges Schließen der Kiemendeckel wird Wasser aus der Mundhöhle durch die Röhre gepresst.

Die Waffen der Jäger. Krallen und Zähne vieler Räuber sind zweckmäßig konstruierte Tötungswerkzeuge. Die Katzenkrallen können willkürlich eingezogen oder ausgestreckt werden (nicht jedoch beim Gepard). Der Steinadler besitzt kräftige Zehen mit großen Krallen, die Säugetiere töten können.

Der Schwertfisch (Xiphias gladius) besitzt eine weit vorspringende, knöcherne Verlängerung des Oberkiefers, die ihm seinen Namen gegeben hat. „Die Waffe hat die Festigkeit von Elfenbein. Der Schwertfisch schießt wie der Sägefisch mitten in einen Schwarm kleiner Fische und schlägt mit seinem Schwert nach allen Seiten so lange aus, bis Dutzende von Fischen getötet und verstümmelt sind. Erst dann sammelt er sie auf und beginnt mit dem Mahl.

Das Chamäleon (Chamaeleo) fängt seine Beute mit einer langen, ausfahrbaren, klebrigen Zunge (Abb. 126). Sie sind ausgesprochen geduldige Lauerer. Bevor die Zunge ausgeschleudert wird, schätzt das Tier die Entfernung zur Beute. Die Zunge wird blitzschnell genauso weit ausgestoßen, dass ihre keulige und vorn eingedellte Verdickung genau die Beute erreicht. Es können Beutetiere erreicht werden, die ca. 1 1/3 mal soweit entfernt sind, wie das Chamäleon lang ist. Das Ausschleudern und Einziehen der Zunge geschieht so schnell, dass dieser Vorgang durch das menschliche Auge nicht beobachtbar ist; der ganze Vorgang dauert nur 0,05 s. Eine ähnliche Zungenwaffe besitzen die Spechte.

Ein weiteres Hilfsmittel zur Tötung der Beute ist Gift und ein dazugehörender Giftapparat als Injektionskanüle. Giftapparate finden sich bei vielen Tierarten unterschiedlicher taxonomischer Stellung. Die ungiftigen Riesenschlangen erwürgen dagegen das Opfer durch Umschlingen mit ihrem muskulösen Körper.

Verzehren der Beute. Schlangen, die ihre Beute verschlingen, besitzen ein kompliziertes Kiefergelenksystem, das ihnen diese Ernährungsweise ermöglicht. Die Unterkieferäste sind nicht fest verwachsen, sondern werden durch ein elastisches Band zusammengehalten. Beim Schlingakt weitet sich dieses Band sehr stark. Damit die Schlange während des Schlingaktes nicht erstickt, wird die Mündung der Luftröhre nach vorn, mitunter sogar seitlich aus dem Mund heraus verschoben. Ist die Beute in der Speiseröhre verschwunden, treiben starke Muskelbewegungen sie zum Magen weiter. Dieses Beispiel macht deutlich, dass praktisch die gesamte Körperkonstruktion der fleischfressenden Ernährungsweise angepasst sein kann, wobei alle Einrichtungen gleichzeitig vorhanden sein müssen.

Um eine gefangene Beute nutzen zu können, muss der Räuber an die nahrhaften Körperteile gelangen. Manchmal ist das gar nicht leicht. So hätten Steinadler nicht viel von erbeuteten Schildkröten, wenn sie es nicht verstünden, ihren Panzer zu knacken. Dazu trägt der Greifvogel die Schildkröten in große Höhe und lässt sie auf einen Felsen fallen, um den Panzer zu Bruch zu bringen. Der aasverzehrende Bartgeier (Gypaetus barbatus) verfährt mit großen Röhrenknochen ebenso, um an das Mark zu gelangen.

Da viele Räuber ihre Fleischnahrung nicht regelmäßig erbeuten können (ein Problem, das sich Pflanzenfressern meist nicht stellt), sind sie darauf angewiesen, sich einen Vorrat zuzulegen. Viele Fleischfresser sind in der Lage, große Beutemengen auf einmal zu verzehren, aber auch längere Zeit zu hungern.

Fleischfressende Pflanzen. Nicht nur Tiere schädigen oder töten einander, es gibt auch eine Reihe von Pflanzen, die von tierischer Nahrung leben, die fleischfressenden Pflanzen. Meist handelt es sich um Arten, die aufgrund ihrer Lebensweise kaum an Mineralstoffe herankommen, z. B. Hochmoorpflanzen oder epiphytisch (z. B. auf Bäumen) lebende Formen. Für diese ungewöhnliche Ernährungsweise benötigen die Pflanzen besondere Strukturen (Fallenorgane), die bei anderer Lebensweise nicht in Ansätzen notwendig wären. Beispiele für fleischfressende Pflanzen aus der einheimischen Flora sind der Sonnentau, das Fettkraut und der Wasserschlauch. Der Sonnentau Abb. 127) besitzt Fangblätter mit Drüsenhaaren, die am Ende kopfig verdickt sind und klebrigen Schleim absondern. Dadurch werden Insekten angelockt, die dann hängen bleiben. Durch Krümmungsbewegungen werden die Insekten vom Blatt und den Drüsenhaaren umschlossen und verdaut (Klebfallen-Prinzip). Das Fettkraut ist mit Verdauungsdrüsen auf der klebrigen Blattoberseite besetzt. Der untergetaucht wachsende Wasserschlauch besitzt kleine Blasen mit einer nach innen öffnenden winzigen Klappe. Kleine gefangene Tiere werden in den Bläschen durch ausgeschiedene Sekrete verdaut.

Am Beispiel der tropischen Kannenpflanze (Nepenthes; Abb. 128) soll verdeutlicht werden, dass mehrere Strukturen ausgebildet und aufeinander abgestimmt sein müssen, damit die Nahrungsgewinnung gewährleistet ist. Als Fangapparat dient dieser epiphytisch (=auf anderen Pflanzen ohne Bodenkontakt) lebenden Pflanze ein kannenförmiges Fallenblatt, in welchem sich eine Verdauungsflüssigkeit befindet. Durch den farbigen Deckel und den farbigen Kannenrand werden Insekten angelockt. Der glitschige Kannenrand bringt die gelandeten Insekten zum Abrutschen ins Kanneninnere, wo diese dann verdaut und die Verdauungsprodukte von der Pflanze aufgenommen werden. Die aufgenommenen tierischen Stoffe werden in pflanzliches Eiweiß umgebaut.

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Strategien der Feindabwehr

Auch zur Feindabwehr bedienen sich viele Beuteorganismen besonderer Strukturen und Verhaltensweisen. Viele Tiere sind durch einen Panzer, durch Stacheln und dergleichen relativ gut, wenn auch nie hundertprozentig, geschützt. Der Rotfeuerfisch (Pterois volitans) hat giftige Rückenflossenstacheln. Kopffüßer stoßen zum Schutz vor Verfolgern eine tarnende Tinte aus. Viele Tiere schrecken ihre Feinde durch Warnfarben ab, andere sondern schlecht schmeckende Sekrete ab.

Um Feinde rechtzeitig zu erkennen, nützt beispielsweise ein großes Gesichtsfeld: Hasen können rundum sehen, ohne den Kopf drehen zu müssen. Gesellig lebende Tiere haben oft eine „Wache". Andere Tiere setzen auf Tarnung (s. u.).

Geschicktes Verhalten kann auch schützen: Hasen legen blind endigende Spuren um die Sasse herum, um schnüffelnde Hunde zu verwirren. Ameisenigel können sich blitzschnell eingraben. Regenpfeifer stellen sich bei Feindannäherung in Gelegenähe krank, um dem Feind eine sichere Beute vorzutäuschen und dadurch vom Gelege abzulenken.

Manche Beutetiere wehren sich durch Feindbeschuss. Bombardierkäfer spitzen ein ätzendes Sekret aus dem Hinterleib. Durch die Verbindung des enzymatisch abgespaltenen Wasserstoffs mit Luftsauerstoff kommt es zu einer kleinen Knallgasexplosion.

Eine ganz einfache und oft verwirklichte „Gegenwehr" gegen Feinddruck ist eine hohe Fruchtbarkeit. „Die einzige Möglichkeit, die Wasserflöhen bleibt, um ihre Population zu erhalten, ist nur, sich stärker als alle Raubfeinde zu vermehren" (Schröpel 1986). Die Nachwuchsrate ist den Verlustraten angepasst, so dass die Bestände der Räuber und Beute auf lange Sicht konstant bleiben. Erhebliche Schwankungen gibt es bemerkenswerterweise sogar innerhalb von Arten, je nachdem, wie zahlreiche Feinde im besiedelten Areal sind.

Tarnung, Mimese und Mimikry. Ein geeignetes Mittel sowohl für Räuber und Beute sind Tarnung, Mimese und Mimikry. Tarnung hilft dem Räuber, nicht vorzeitig von der Beute entdeckt zu werden und umgekehrt. Bekannte Beispiele für Tarnung sind die Streifung von Frischlingen des Wildschweins mit gestaltsauflösender Wirkung oder steinfarbene Eier in Bodengelegen. Umgekehrt passt sich beispielsweise die Veränderliche Krabbenspinne (Abb. 129) der Farbe von Blüten an, in denen sie sich versteckt, um auf Beute aufzulauern. Hier dient die Tarnung dem Feind. Diese Krabbenspinne kann in gewissen Grenzen ihre Körperfarbe der Blütenfarbe anpassen.

Es gibt auch Tiere, die sich akustisch tarnen. Unter Nachtschmetterlingen senden einige Ultraschall-Laute aus, um die sie mit Hilfe von Ultraschall jagenden Feldermäuse (s. o.) in die Irre zu führen. Außerdem schluckt ihre pelzige Körperfläche den Schall.

Unter Mimese versteht man die Ähnlichkeit mit belebten oder unbelebten Objekten der Umgebung in Form und Farbe. Sie soll mögliche Feinde dadurch fernhalten, dass ein uninteressantes Objekt vorgetäuscht wird. Berühmt hierfür ist das „Wandelnde Blatt", eine tropische Gespenstheuschrecke, die einem grünen Laubblatt bis auf die Aderung ähnelt (Abb. 130). Bei Beunruhigung schwingt das Tier leicht mit dem Körper, wie ein Blatt im Wind. Einige Spannerarten nehmen in der Ruhehaltung die Form eines Zweigstückes an.

Mimikry liegt vor, wenn die Gestalt eines Tieres von einem anderen Tier nachgeahmt wird. Es gibt verschiedene Formen von Mimikry, sie kann verschiedenen Zwecken dienen. Am bekanntesten ist die Scheinwarntracht. Ein harmloses Tier besitzt eine ähnliche Körperzeichnung wie ein gefährliches oder ungenießbares und täuscht dadurch vor, anders zu sein, als man wirklich ist. Es sind „Schafe im Wolfspelz" (Batessche Mimikry) (Beispiel: Abb. 131).

Mimikry kann aber auch zum Anlocken der Beute verwendet werden, wenn ein harmloses Vorbild in Aussehen und Verhalten nachgeahmt wird (Peckhamsche Mimikry). Der Hinterleibsrücken einer Krabbenspinne aus dem tropischen Amerika, Epicadus heterogaster, trägt Hörner, deren Enden rot gefärbt sind und dadurch den Staubgefäßen der Blüten gleichen.

„Kampf ums Dasein". Mit dem „Kampf ums Dasein" ist nicht in erster Linie blutrünstiger Überlebenskampf gemeint, sondern die Tatsache, dass nur ein (manchmal verschwindend kleiner) Teil der Nachkommenschaft einer Generation zur Fortpflanzung kommt, der Rest hingegen vorzeitig stirbt. Daraus resultiert eine Auslese (natürliche Selektion), die biologisch sinnvoll ist, weil in der Regel Individuen mit genetischen Defekten und irgendwelchen Nachteilen an der Fortpflanzung gehindert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass der Genpool (das ist die Summe aller Erbfaktoren einer Art) nicht nach und nach verdirbt, d. h. mit ungünstigen Allelen (Genzustandsformen) angereichert wird. Auf Dauer könnte wegen der ständig auftretenden fast immer schädlichen Mutationen (Erbänderungen) kaum eine Population ohne Selektion überleben. Die Strategie „Überproduktion – Selektion" ist unter Mutationsdruck unentbehrlich.

Territorialverhalten. Fressen und Gefressenwerden dienen u. a. der Dichteregulation. Ein Biotop kann nicht unbegrenzt Lebewesen aufnehmen. Ein durch Überbevölkerung hervorgerufener Kollaps wird auch dadurch vermieden, dass Individuen bzw. Pärchen ein Territorium verteidigen, dessen Größe je nach der benötigten Beutemenge und nach der Besiedelungsdichte der Beutetiere festgelegt wird. Individuen, die sich auf der Suche nach einem Territorium nicht gegen arteigene Konkurrenten durchsetzen können, bleiben ohne Nachkommenschaft.

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Krankheit, Missbildungen, Tod

Ein weiterer Komplex biologischer Realität ist das Phänomen „Krankheit". Praktisch alle Funktionen des Organismus können gestört werden, was im Extremfall den Tod zur Folge haben kann. Auf solche Störungen ist der Körper mehr oder weniger vorbereitet. So kann der Körper mit Hilfe seines Immunsystems Infektionsabwehrmaßnahmen durchführen. Eingedrungene gefährliche Substanzen können z. T. entgiftet oder vernichtet werden, entstandene Schäden können behoben werden (z. B. durch die Bildung einer Narbe). Durch Fieber wird die Stoffwechselintensität erhöht, was den Heilungsprozess fördert. Die Erhöhung der Körpertemperatur muss von einem Sollwertgeber ausgelöst werden. Die Körpertemperatur wird durch einen Regelkreis geregelt.

Tod. Ein Grundsatz der Evolutionslehre könnte lauten: „Ohne Tod kein Leben." Tatsächlich gab der Paläontologe H. K. Erben einem seiner Bücher den Titel „Leben heißt Sterben". Die heutige Ökologie ist in der Tat ohne Tod der Individuen, auch ohne vorzeitigen Tod (meist) der Mehrzahl der Nachkommen eines Elternpaars undenkbar, da andernfalls der vorhandene Lebensraum in kürzester Zeit überfüllt wäre. Die Grenzen des Lebensraums machen das Sterben unumgänglich. Gewöhnlich sterben die Organismen durch Räuber oder Parasiten; der Alterstod ist eher die Ausnahme.

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Viren

Zahlreiche Krankheiten von Mensch, Tier und Pflanzen werden durch Viren hervorgerufen. Zu ihnen zählen Krankheiten wie der relativ harmlose Schnupfen als auch so gefährliche und zerstörerische Krankheiten wie Pocken, Tollwut, Kinderlähmung und AIDS. Viren sind so klein, dass sie nur im Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden können. Sie bestehen aus genetischem Material (DNS oder RNS), das von einer Proteinhülle umgeben ist. Ob man sie als Lebewesen ansehen möchte, ist Definitionssache. Jedenfalls können sich Viren nur mit Hilfe des Stoffwechsels fremder Zellen vermehren. Dabei werden die Wirtszellen zerstört. Viren können auch zellkernlose Prokaryonten (Bakterien und Blaualgen) befallen; man nennt sie dann Phagen. Die Wirkungsweise mancher Viren ist so „ausgeklügelt", dass Portmann im Falle des Tollwutvirus die Kennzeichnung „dämonisch" für angemessen hält.

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Parasitismus

Als besonders auffällig „fallsgestaltig" muss weiter die parasitäre Lebensweise genannt werden. Parasiten sind Lebewesen, die zeitweise oder ständig, ganz oder zum Teil auf Kosten eines anderen, in der Regel größeren Organismus, des sog. Wirtes, leben. Sie beziehen von ihm Nahrung, unter Umständen auch Wohnung oder ähnlichen Nutzen und töten ihn normalerweise nicht oder nicht sofort.

Man unterscheidet Ektoparasiten, die die Körperoberfläche des Wirtes kurzzeitig (z. B. Stechfliegen) oder bis zu lebenslang (z. B. Wanzen) besiedeln, und Endoparasiten, die im Innern des Wirtes leben (z. B. Bandwürmer).

Parasiten finden sich in fast allen Tierklassen, und faktisch alle Wirbeltierorgane können von Parasiten aufgesucht werden. Ein ganz erheblicher Teil der Tiere lebt parasitisch. In manchen Gegenden der Erde sind fast alle Menschen von Wurmparasiten befallen, oft sogar von mehreren Arten. Man kennt alle Übergänge von scheinbar folgenlosem Nebeneinander beider Partner bis zum extrem einseitiger Schädigung. Parasitismus ist ein universelles Phänomen im Organismenreich.

Um die parasitäre Lebensweise ausleben zu können, bedarf es besonderer dafür zweckmäßiger Organe. Die parasitäre Lebensweise ist in aller Regel nur durch besondere morphologische, anatomische, physiologische, oft auch durch ethologische (Verhaltens-) Anpassungen möglich. Ektoparasiten besitzen spezielle Mundwerkzeuge (Stechapparate) und Verdauungsorgane, mit denen sie die von ihren Wirten gewonnene Nahrung verwerten; sie benötigen z. T. besondere Organe, um sich am Wirt befestigen zu können (z. B. Klammerfüße bei der Laus, Saugnäpfe beim Blutegel); dazu kann eine Abplattung des Körpers kommen. Blutsaugende Ektoparasiten benötigen einen sehr dehnbaren Magen-Darmkanal und Speicherräume.

Endoparasiten müssen ganz besondere Anforderungen meistern und zeigen noch weit tiefgreifendere Änderungen der Körpergestalt als Ektoparasiten. Sie benötigen geeignete Invasionsmechanismen, müssen sich im Wirt verankern können und dort ausreichend Nahrung aufnehmen können, abwehrenden Wirtsreaktionen (Schutz vor Abwehrkräften und Verdauungssäften des Wirtes) begegnen und Strategien verfolgen, die ihrer Nachkommenschaft eine Übertragung auf andere Wirte ermöglicht. Sie müssen in der Lage sein, ohne Sauerstoff zu leben. Die Bewegungsorgane sind zugunsten von Haftorganen mehr oder weniger stark zurückgebildet, ebenso der Magen-Darm-Kanal zugunsten von Reservestoffen und einer Vergrößerung des Geschlechtsapparates (Endoparasiten müssen eine immense Zahl von Eiern produzieren, damit die Wahrscheinlichkeit hoch genug ist, dass durchschnittlich wenigstens zwei oder drei von ihnen wieder einen Wirt infizieren können. Dazu kommt die Fähigkeit zur ungeschlechtlichen Vermehrung. Es ändert sich im Grunde das gesamte Tier. In Extremfällen sind Endoparasiten so stark umgebildet, dass sie geradezu gestaltlos erscheinen.

Die Entwicklung von Parasiten geht selten direkte Wege (Aufnahme durch den Mund – Magen – Kot – Aufnahme usw.). Oft wandern die eingedrungenen Tiere einige Stationen durch den Wirtskörper, bis sie sich an einer bestimmten Stelle festsetzen. Viele Parasiten befallen mehrere Wirtsarten, wobei der Wirtswechsel oft obligatorisch ist, damit bestimmte Entwicklungsstadien (meist Larven- oder Jugendstadien) durchlaufen werden können. Man spricht dann von Zwischenwirten und dem Endwirt (in welchem die Parasiten geschlechtsreif werden).

Beispiele. Die Beine der ektoparasitischen, von Blut lebenden Kopflaus des Menschen (Pediculus humanus capitis) sind hakenförmig gebaut, so dass sie in idealer Weise die menschlichen Haare umgreifen können und so den nötigen Halt finden. Die Mundwerkzeuge sind der parasitären Lebensweise entsprechend gestaltet und zur Blutaufnahme geeignet. „Die zum Mundkegel umgebildete Kopfspitze ist vorstülpbar und trägt einen Hakenkranz, der mit 5 Paar Häkchen ausgerüstet den Eingang zur Stachelscheide umgibt. Vor dem Stechakt wird die Hornschicht der Oberhaut durch besondere Chitinscheiden beißend und raspelnd beseitigt. Vor dem eigentlichen Stich werden die vorgestülpten Häkchen auf die Haut aufgesetzt. Zwischen ihnen dringt der Stachel in die Haut ein" (Piekarski 1954, 534f.).

Die Eier (Nissen) der Kopflaus werden mit einem wasserunlöslichen Kitt an die Haare geheftet, so dass normales Waschen sie nicht ablöst (Spezialshampoos helfen jedoch) und nur mechanisches Entfernen möglich ist. Es wird deutlich, dass spezielle Organe und Eigenschaften notwendig sind, damit dieser Organismus parasitär leben kann.

Noch viel mehr ist dies der Fall bei Endoparasiten. Die für diese Lebensweise notwendige Körperstrukturen und Fähigkeiten wurden oben bereits zusammengestellt. Anhand zweier Beispiele soll gezeigt werden, welche z. T. erstaunlichen Wege im Wirtsorganismus bzw. von den Zwischenwirten zum Hauptwirt gegangen werden müssen, damit der Entwicklungszyklus vollständig durchlaufen werden kann.

Trichine (Trichinella spiralis). Die Trichinen werden durch Fleischgenuss aufgenommen. Nach der Begattung im Darm sterben die Männchen bald ab, während die Weibchen in die Darmwand bis zu den Lymphsinus eindringen, wo sie ihre Jungen ablegen. Diese (etwa 100 µ langen und 6 µ breiten) Jungtrichinen gelangen mit dem Lymphstrom passiv in den Blutkreislauf und über Herz, Lunge und wieder Herz mit dem arteriellen Blutstrom in alle Organe, bevorzugen aber die quergestreifte Muskulatur, wo sie die Blutbahn verlassen und aktiv in die Muskelfasern eindringen. Für diesen Weg benötigen die Larven etwa 2-3 Tage. Die Muskelfasern werden durch den Parasiten charakteristisch verändert (sie verlieren ihre Querstreifung), und der Wirtsorganismus scheidet um die noch bewegliche Trichine ein Rohr ab, das sich bei Aufrollen des zur Ruhe gelangenden Parasiten bauchig ausbuchtet. Nach einigen Wochen entsteht daraus eine geschlossene zitronenförmige Kapsel. Mehrere Monate später verkalkt die Kapsel. In dieser Kapsel kann die Trichine beim Menschen bis zu 30 Jahre lebensfähig bleiben. Eine Weiterentwicklung findet nur statt, wenn die Larve in einen neuen Wirt gelangt. Werden die Trichinenlarven mit roher Muskulatur verzehrt, so löst der Magensaft die Kapsel auf und befreit die Trichine. Bis zur Geschlechtsreife können die Trichinen erhebliche Zerstörungen an den Zotten der Darmwand herbeiführen.

Geradezu unglaubliche Anpassungen an die parasitäre Lebensweise besitzt der Kleine Leberegel. Illies (1967, S. 113) schildert anschaulich: „Die Eier dieses Leberwurms des Schafes gelangen mit dem Darminhalt zu vielen Tauenden nach außen. Sie ruhen dort auf der Weide und am Straßenrand, überleben den allmählichen Zerfall des Kotes und vergehen schließlich selbst bis auf die wenigen, vom Glück erwählten, die von einer Ameise gefressen werden. Aus ihnen schlüpft dann im Körper der Ameise eine Wurmlarve, die sich von Körpersäften ernährt und schließlich in etwa 50 Tochterlarven teilt. Diese Tochterlarven wandern in den Hinterleib ihres Wirtes und verkapseln sich dort zwischen den Organen. Eine von ihnen aber wandert in das Gehirn der Ameise, weiß dort eine bestimmte Stelle zu finden und setzt sich hier zur Ruhe. Die Wirkung auf die Ameise ist frappant: sie wird geisteskrank, gibt ihr geregeltes Leben auf, verlässt ihren Staat und klettert an einem Grashalm empor. Dort an der Spitze angelangt, beißt sie sich mit ihren Kiefern fest und streckt den Hinterleib weit von sich waagerecht in die Luft. Den ganzen Tag verhaart sie in dieser Stellung und klettert erst im Abenddämmern wieder nach unten, um das gleiche am nächsten Morgen zu wiederholen. Wird ein solcher Grashalm mitsamt der Ameise von einem Schaf gefressen, so werden die Wurmlarven im Ameisenkörper frei und können die Wanderung in die Leber des Schafes antreten."

Ähnlich frappierend ist die Leistung der winzigen Schlupfwespen, die ihre Eier in die Puppen anderer Insekten ablegen. Dabei wird der Wirt zunächst nicht getötet, sondern mit einem treffsicheren Stich nur gelähmt. Der schlüpfenden Brut wird so für die gesamte Zeit ihrer Entwicklung frische Nahrung garantiert. Erst kurz vor dem Schlüpfen stirbt der fast völlig ausgefressene Wirt. Man spricht hier von Brutparasitismus, der streng genommen kein echter Parasitismus ist, weil der Wirt immer getötet wird.

Parasiten können ihrerseits wieder in einem Parasiten leben: Hyperparasitismus. So kann es geschehen, „dass aus einer Schmetterlingspuppe nicht der Falter schlüpft, aber auch nicht die 20-30 Parasitenwespen, die als Larven im Körper der Raupe schmarotzten, sondern dass aus der Puppenhülle Hunderte von winzigen ‘Überparasiten’ schwärmen, Schlupfwespen, die als Parasiten in den Parasiten der Raupen lebten!" (Illies 1967, 112)

Abwehrreaktionen des Wirtes. Wirtsorganismen sind nicht immer dem Parasiten hilflos ausgeliefert. Parasiten können durch wandernde Zellen eingeschlossen, abgekapselt und auch zum Absterben gebracht werden. U. U. werden außerordentlich starkwandige Hüllen gebildet. Der Wirtsorganismus kann sich außerdem durch Antikörperbildung wehren.

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Rückbildungserscheinungen und Aussterben

Eine Reihe von Lebewesen zeigt Rückbildungserscheinungen: Organe sind in ihrer Funktionstüchtigkeit eingeschränkt. Normalerweise werden solche Individuen ausgemerzt, weil sie in der Regel nicht zur Fortpflanzung kommen. Unter speziellen Umweltbedingungen können sind Rückbildungen jedoch tolerierbar. So hat eine Reihe von Höhlentieren ihre Sehfähigkeit teilweise oder ganz eingebüßt (Abb. 74). Dort kommen sie auch ohne dieses Sinnesorgan aus. Viele Insekten und Vögel haben rückgebildete Flügel. Sie haben dennoch überlebt, weil es dort weniger Feinde gibt als auf dem Festland. Die Inselfauna bietet zahlreiche Beispiele von Verlusten aufgrund besonderer Anpassungen. So gibt es beispielsweise Schildkröten, die nicht mehr in der Lage sind, sich ganz in ihren Panzer zurückzuziehen, wie das ihre nahe Verwandten auf dem Festland können.

Artentod (Aussterben). Schließlich muss auch der Artentod genannt werden. Ständig sterben Arten aus, deren genetische Information damit unwiederbringlich verlorengeht. Im Rahmen der Evolutionslehre ist der Artentod eben so wie der individuelle Tod notwendige Voraussetzung für die Höherentwicklung.

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Sonstige Phänomene, die möglicherweise nicht ursprünglich sind

Kopulationsattrapen. Eine Reihe von Pflanzen täuscht ihren Bestäubern vor, Paarungspartner zu sein. Sie imitieren durch Form der Blüte oder von Blütenteilen, durch Duft und Behaarung bestimmte Insekten, um dadurch Besucher anzulocken, die die Blüte bestäuben sollen. Die Besucher halten die Blüte für einen Artgenossen und versuchen intensiv, aber vergeblich, ihn zu begatten. Dabei werden sie mit Pollen versehen, den sie dann zur nächsten Blüte tragen, durch die sie wieder getäuscht werden. Bekanntestes Beispiel für solche Kopulationsattrapen sind die heimischen Ragwurz-Orchideen (Abb. 132), deren Blütenunterlippen Bienen-, Hummeln-, Fliegen- oder Spinnenkörpern ähneln.

Insektenhormone in Pflanzen. Es gibt Substanzen in Pflanzen, die eine Metamorphose (=Umwandlung von Larve in Insekt) von auf ihnen lebenden Insekten verhindern. Diese Substanzen gleichen Häutungshormonen dieser Insekten. Durch die Wirkung dieser Substanzen werden die Insekten also daran gehindert, geschlechtsreif zu werden (wozu die Metamorphose erforderlich wäre). Die Insekten häuten sich öfter als unter normalen Bedingungen, werden dadurch abnorm und sterben ab, ohne Nachkommen hervorgebracht zu haben. Auf diese Weise können sich manche Pflanzen Schaden durch diese Insekten verringern.

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Schlussfolgerungen

Die umfangreiche Beispielsammlung zeigt zum einen, wie vielfältig und ausgeklügelt Einrichtungen zum Töten oder Schädigen von Tieren sind. Zum anderen wird auch die Vernetzung solcher Strukturen und Verhaltensweisen in der Ökologie deutlich. Die „Fallsgestaltigkeit" (s. o.) der heutigen Schöpfung ist tief in die Existenzweise der Lebewesen verwoben. Fallsgestaltige Strukturen sind keine zusätzlichen Mechanismen und Einrichtungen, die zur Ursprungsökologie (ohne Tiernahrung) dazu kommen, sondern diese tiefgreifend betreffen.

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Literatur

Illies J (1967) Adams Handwerk. Betrachtungen eines Biologen. Hamburg.

Piekarski G (1954) Lehrbuch der Parasitologie. Berlin.

Schröpel M (1986) Räuber und Beute. Landbuch-Verlag.

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Autor: Reinhard Junker, 17.05.2004

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