Wir greifen zunächst das Argument auf, dass Lebewesen im Gegensatz zu technischen Systemen die Fähigkeit zur Fortpflanzung und zur Evolution aufweisen. Doch weshalb sollte dies weiterhelfen? Maschinen die sich selbst replizieren, würde man in der menschlichen Technik erst recht als Ausdruck von genialer Planung betrachten (W.-E. Lönnig).
Doch abgesehen von diesem Argument schwächt der Verweis darauf, dass Lebewesen sich fortpflanzen und evolvieren können, das Design-Argument nicht. Denn Lebensstrukturen weisen irreduzible Komplexitäten (Behe 1996) auf, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand durch natürliche Vorgänge nicht schrittweise entstehen können. Das kann als Kriterium für ein „Design-Signal" gelten. Ein System ist irreduzibel komplex, wenn es aus mehreren miteinander zusammenhängenden Teilen besteht, so dass die Entfernung eines beliebigen Teils die Funktion restlos zerstört. Irreduzible Systeme sind so gestaltet, dass die Selektion erst greifen kann, wenn das System komplett ist. Daher müssen solche Konstruktionen nach gegenwärtiger Kenntnis in einem einzigen Evolutionsschritt (also in einer einzigen Generation) aufgebaut werden. Doch dafür gibt es in der Natur jedoch kein Vorbild.
Irreduzible Komplexität kann durch empirische Forschung begründet werden, allerdings nur auf der Basis des jeweiligen Wissenstandes, und dieser kann sich bekanntlich ändern. Eine wichtige Frage ist nun aber, ob die Irreduzibilität auch bewiesen werden kann. Vermutlich ist dies nicht möglich, sondern nur eine Frage der Plausibilität. Im Artikel „Beispiel Bakterienmotor" wird eine Plausibilitätsbetrachtung beispielhaft erläutert. ID-Kritiker haben diese Beispiele nach meiner Kenntnis zwar gelegentlich erwähnt, ohne aber auf die Argumentation im einzelnen einzugehen.
Aus dem Gesagten folgt: Irreduzible Komplexität kann als Kriterium für Erkennung von ID gelten. (Weitere Kriterien wurden vorgeschlagen; da es in diesem Artikel um Grundsätzliches geht, soll die Formulierung und Erläuterung eines Kriteriums, das der irreduziblen Komplexität, genügen.)
Ein weiterer Einwand lautet: Wir wissen zu wenig über die Evolutionsfähigkeit der Lebewesen, um sagen zu können, ob es irreduzible Komplexität überhaupt gibt. Dieser Einwand ist insofern berechtigt, als ein definitiver Beweis von Irreduzierbarkeit einer Struktur nur möglich wäre, wenn wir alles über Lebewesen und ihre Fähigkeiten wüßten. Das wird wohl nie der Fall sein. Man kann daher nur sagen: Das Vorliegen von Irreduzibilität ist empirisch begründbar; dieses Konzept har sich bisher bewährt.
Der entscheidende Beweis für ID wäre erst der Nachweis, dass irreduzible Komplexität grundsätzlich nicht natürlich entstehen kann. Ein solcher Nachweis kann aber nie endgültig geführt werden. Er steht immer unter dem Vorbehalt unserer begrenzten Kenntnisse über die Lebewesen. Daher kann es hier vorerst nur um Plausibilitäten gehen. Weitere Forschung muss zeigen, in welche Richtung sich die Plausibilität verschiebt. Damit kommen wir zum nächsten Punkt. |