Schöpfung: Design-Theorie - Kontroverse um „Intelligent-Design“  

Schöpfung: Design-Theorie

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Interessierte: Kontroverse um „Intelligent-Design“

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Inhalt

Das Konzept des „Intelligent Design" (ID) versucht anhand von Merkmalen der Lebewesen (evtl. auch der unbelebten Natur) Indizien auszumachen, die mit großer Plausibilität auf einen Urheber („Designer") hinweisen. Grundlegend dabei ist ein Analogieschluss von technischem auf organismisches Design. Dieser Analogieschluss wird von Kritikern jedoch als ungerechtfertigt angesehen.

In diesem Artikel werden Kritikpunkte am Design-Argument vorgestellt und bewertet. Die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit der Lebewesen bringt keine Entkräftung des Design-Arguments. Irreduzible Komplexität kann als Kriterium für „Design-Signale" gelten. Dieses Konzept macht ID an erkennbaren Merkmalen fest, ist falsifizierbar und regt Forschung an.

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung kontroverse intelligent design kreationismus Warum wird der Analogieschluss auf Design bei den Lebewesen nicht akzeptiert?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung kontroverse intelligent design kreationismus Was bringen die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung kontroverse intelligent design kreationismus Bedeutet der Ansatz des ID Erkenntnisverzicht?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung kontroverse intelligent design kreationismus Gibt es positive Befunde für ID?

intelligentes intelligent design id evolution schöpfung kontroverse intelligent design kreationismus Ist ID widerlegbar?

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Warum wird der Analogieschluss auf Design bei den Lebewesen nicht akzeptiert?

 

Die Vorgehensweise, von Design auf einen Designer zu schließen, wird in der Forschung vielfach praktiziert, z. B. in der Archäologie, wenn Artefakte von Naturprodukten unterschieden werden.

Kann der übliche Schluss von Designer-Spuren auf das Wirken eines Designers bei technischen Konstruktionen auf die Lebewesen übertragen werden? Eine solche Schlussfolgerung stellt einen Analogieschluss dar. Für eine solche Schlussfolgerung kann man bemerkenswerte Gemeinsamkeiten in den Strukturen von Lebewesen und von technischen Strukturen ins Feld führen (vgl. beispielhaft Abb. 105). In beiden Fällen kann man nämlich Strukturen finden, die aus vielen Einzelteilen bestehen, die alle zugleich ausgebildet sein müssen, damit überhaupt eine Funktion vorhanden ist. Im Falle der Technik wissen wir, dass Design dahintersteckt. Aufgrund der ähnlich gelagerten Situation schließen ID-Theoretiker analog auch bei die Lebewesen auf einen Urheber. Wenn schon vergleichsweise einfache synorganisierte technische Systeme bekanntermaßen nur durch Designer entstehen, dann sollte dies erst recht für die viel komplizierteren Lebensstrukturen gelten.

 
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Analogieschlüsse sind jedoch keine Beweise, sondern nur Plausibilitätsbetrachtungen oder Veranschaulichungen. Bei den technischen Gegenständen wissen wir definitiv, dass sie durch die Tätigkeit eines Designers entstehen, bei Lebewesen wissen wir das nicht in gleicher Weise.

Kritiker wenden an dieser Stelle ein, dass Lebewesen viel komplizierter seien als technische Geräte. Sie könnten sich selber fortpflanzen und Schritt für Schritt evolutionär ändern (vgl. Abb. 106). Wegen dieser Unterschiede sei der Analogieschluss von der Technik auf die Lebewesen nicht haltbar.

 
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Doch liefern die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit sowie weitere Eigenschaften der Lebewesen, die den technischen Systemen fehlen, wirklich ein Argument gegen den Analogieschluss von technischem auf lebendiges Design?

 
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Was bringen die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit?

 

Wir greifen zunächst das Argument auf, dass Lebewesen im Gegensatz zu technischen Systemen die Fähigkeit zur Fortpflanzung und zur Evolution aufweisen. Doch weshalb sollte dies weiterhelfen? Maschinen die sich selbst replizieren, würde man in der menschlichen Technik erst recht als Ausdruck von genialer Planung betrachten (W.-E. Lönnig).

Doch abgesehen von diesem Argument schwächt der Verweis darauf, dass Lebewesen sich fortpflanzen und evolvieren können, das Design-Argument nicht. Denn Lebensstrukturen weisen irreduzible Komplexitäten (Behe 1996) auf, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand durch natürliche Vorgänge nicht schrittweise entstehen können. Das kann als Kriterium für ein „Design-Signal" gelten. Ein System ist irreduzibel komplex, wenn es aus mehreren miteinander zusammenhängenden Teilen besteht, so dass die Entfernung eines beliebigen Teils die Funktion restlos zerstört. Irreduzible Systeme sind so gestaltet, dass die Selektion erst greifen kann, wenn das System komplett ist. Daher müssen solche Konstruktionen nach gegenwärtiger Kenntnis in einem einzigen Evolutionsschritt (also in einer einzigen Generation) aufgebaut werden. Doch dafür gibt es in der Natur jedoch kein Vorbild.

Irreduzible Komplexität kann durch empirische Forschung begründet werden, allerdings nur auf der Basis des jeweiligen Wissenstandes, und dieser kann sich bekanntlich ändern. Eine wichtige Frage ist nun aber, ob die Irreduzibilität auch bewiesen werden kann. Vermutlich ist dies nicht möglich, sondern nur eine Frage der Plausibilität. Im Artikel „Beispiel Bakterienmotor" wird eine Plausibilitätsbetrachtung beispielhaft erläutert. ID-Kritiker haben diese Beispiele nach meiner Kenntnis zwar gelegentlich erwähnt, ohne aber auf die Argumentation im einzelnen einzugehen.

Aus dem Gesagten folgt: Irreduzible Komplexität kann als Kriterium für Erkennung von ID gelten. (Weitere Kriterien wurden vorgeschlagen; da es in diesem Artikel um Grundsätzliches geht, soll die Formulierung und Erläuterung eines Kriteriums, das der irreduziblen Komplexität, genügen.)

Ein weiterer Einwand lautet: Wir wissen zu wenig über die Evolutionsfähigkeit der Lebewesen, um sagen zu können, ob es irreduzible Komplexität überhaupt gibt. Dieser Einwand ist insofern berechtigt, als ein definitiver Beweis von Irreduzierbarkeit einer Struktur nur möglich wäre, wenn wir alles über Lebewesen und ihre Fähigkeiten wüßten. Das wird wohl nie der Fall sein. Man kann daher nur sagen: Das Vorliegen von Irreduzibilität ist empirisch begründbar; dieses Konzept har sich bisher bewährt.

Der entscheidende Beweis für ID wäre erst der Nachweis, dass irreduzible Komplexität grundsätzlich nicht natürlich entstehen kann. Ein solcher Nachweis kann aber nie endgültig geführt werden. Er steht immer unter dem Vorbehalt unserer begrenzten Kenntnisse über die Lebewesen. Daher kann es hier vorerst nur um Plausibilitäten gehen. Weitere Forschung muss zeigen, in welche Richtung sich die Plausibilität verschiebt. Damit kommen wir zum nächsten Punkt.

 
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Bedeutet der Ansatz des ID Erkenntnisverzicht?

 

Den ID-Theoretikern wird häufig vorgeworfen, sie würden bestimmte Fragen nicht erforschen, nämlich alle Fragen, die sie mit Hinweis auf ID beantworten. Damit sei ID erkenntnisfeindlich. Darauf kann dreierlei entgegnet werden:

1. Der ID-Ansatz regt an, nach Design-Signalen zu suchen. Eine ideologisch nicht festgelegte Wissenschaft wird offen dafür sein, Spuren von ID zu suchen.

2. Der ID-Ansatz regt dazu an, die Struktur-Funktions-Beziehungen der Lebewesen und Evolutionsmechanismen aufzuklären, um besser beurteilen zu können, ob die Entstehung von Lebensstrukturen mit natürlichen Vorgängen erklärt werden kann. Er fördert also Forschung und Erkenntnisgewinn.

Die Forschungsziele sind im Rahmen eines konsequenten Naturalismus durchaus dieselben wie im Rahmen eines ID-Ansatzes. Unterschiedlich sind allerdings die Erwartungen. Man könnte sagen: Forschung soll helfen, die Grenzen des Naturalismus auszuloten.

3. Der ID-Ansatz ist breiter angelegt als eine Forschung, die übernatürliche Ursachen nicht als Möglichkeit ins Auge fasst. Er kann sowohl Planung als auch mechanismische Erklärungen handhaben und schließt keine der beiden Möglichkeiten vorschnell aus. Damit ist er qualifiziert, historische Fragestel-
lungen zu bearbeiten, denn es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass in der Vergangenheit ID eine Rolle gespielt hat.
Es wird aber auch nicht vorschnell auf ID geschlossen, sondern erst nach eingehender Prüfung, die für verschiedene Möglichkeiten offen sein muss (s.u.). Wenn die Forschung nicht für die Möglichkeit von ID offen ist, ist sie ideologisch.

 
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Gibt es positive Befunde für ID?

 

Kritiker behaupten, ID beruhe auf Nichtwissen (argumentum ad ignorantiam; vgl. Artikel „Einführung in ID"), d. h. auf dem Scheitern der Bemühungen, die Entstehung der Lebewesen durch natürliche Vorgänge zu erklären. Doch es sollte deutlich geworden sein, dass bei entsprechender Konkretisierung Hinweise auf ID gewonnen werden können. Indizien für Intelligent Design wie irreduzible Komplexität sind da; man kann sie an jedem Lebewesen finden. Das ist ein positiver Befund.

Die entscheidende Frage ist, ob eine Evolutionstheorie (als mechanistische Theorie) die Entstehung von Design-Signalen durch natürliche Evolutionsvorgänge demonstrieren und damit das offenkundige Design bei Lebewesen (vgl. „Einführung in ID") als scheinbar entlarven kann.

Ein weiterer Gesichtspunkt soll noch ins Spiel gebracht werden: Man könnte versuchen, experimentell Leben im Labor zu erzeugen oder irreduzible Komplexität herzustellen. Man kann dann ggf. sagen: So ungefähr könnten Leben oder irreduzible Komplexität entstanden sein. Wenn man überhaupt ein Ergebnis erzielen wird, wird es vermutlich lauten: Mit durchdacht konstruierten Apparaturen ist beides möglich. Man wird vermutlich herausfinden, dass unter Einsatz von ID Leben oder wenigstens Makromoleküle oder sonstige Bausteine des Lebens erzeugen kann. Dies könnte als positive Evidenz dafür gelten, dass man ohne ID nicht auskommt.

 
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Ist ID widerlegbar?

 

Der ID-Ansatz muss konkretisiert werden, damit er geprüft werden kann. Eine strikte Widerlegung von ID dürfte nicht möglich sein. Widerlegbar ist aber die Behauptung von irreduzibler Komplexität. Dies geht nur durch weitere Forschung. Es wurde mehrfach (vergeblich) versucht, das Konzept der irreduziblen Komplexität zu widerlegen (vgl. Behe 2001, der solche Falsifizierungsversuche zurückweist). Offenbar sehen ID-Kritiker durchaus Ansatzpunkte für eine Falsifizierung.

Für empirisch arbeitende Natur-Wissenschaften hängen die Ziele „bewiesen" und „widerlegt" wohl zu hoch, wenn es um historische Abläufe geht. Dies liegt in der Natur des Erkenntnisgegenstandes der Entstehung der Lebewesen.

Erklärt ID alles? Manchmal wird auch behauptet, der ID-Ansatz sei wertlos, weil mit ihm alles erklärt werden könne. Eine Theorie, die alles erkläre, erkläre nichts (was zutrifft). Doch mit dem ID-Ansatz wird nicht alles erklärt. Wie erläutert, muss eine eingehende Untersuchung des jeweiligen Gegenstandes zeigen, ob die Annahme von ID überhaupt plausibel ist, und in vielen Fällen wird diese Möglichkeit verworfen.

Im übrigen gilt: Wer eine Behauptung aufstellt, die gegen alle bisherigen Erfahrungen steht, trägt die Beweislast. Eine solche Behauptung ist die Entstehung der Lebewesen ohne Designer, die Behauptung, die Entstehung von Leben könne allein durch physikalisch-chemische Vorgänge entstehen. Solange es nicht gelingt, diese Behauptungen zu beweisen, ist es ganz und gar vernünftig, an einen Designer zu glauben. Evolutionstheoretiker verweisen an dieser Stelle auf unsere mangelnden Kenntnisse und auf mögliche zukünftige Lösungen. Beides ist nicht widerlegbar. Deshalb ist der Verweis auf einen Designer Glaubenssache, aber es ist ein Glaube, der nicht gegen das Wissen steht.

 
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Literatur

 

Behe M (1996) Darwin’s Black Box. The Biochemical Challenge to Evolution. Free Press.

Behe M (2001) The modern intelligent design hypothesis. Breaking rules. Philosophia Christi, Ser. 2, 3, 165-179.

 
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Weitere Fragen zu diesem Thema

 

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Autor: Reinhard Junker, 30.01.2008

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