Schöpfung: Design-Theorie - Kontroverse um „Intelligent-Design“  

Schöpfung: Design-Theorie

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Experten: Kontroverse um „Intelligent-Design“

Inhalt

Im Artikel Einführung in „Intelligent-Design“ wird erläutert, was unter dem Konzept des „Intelligent Design“ (ID) zu verstehen ist. Es geht darum, anhand von Merkmalen der Lebewesen (evtl. auch der unbelebten Natur) Indizien auszumachen, die mit großer Plausibilität auf einen Urheber („Designer“) hinweisen. Grundlegend dabei ist ein Analogieschluss von technischem auf organismisches Design. Dieser Analogieschluss wird von Kritikern jedoch als ungerechtfertigt angesehen.

In diesem Artikel werden Kritikpunkte am Design-Argument vorgestellt und bewertet. Die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit der Lebewesen bringt keine Entkräftung des Design-Arguments. Irreduzible Komplexität kann als Kriterium für „Design-Signale“ gelten. Dieses Konzept macht ID an erkennbaren Merkmalen fest, ist falsifizierbar und regt Forschung an.

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Warum wird der Analogieschluss auf Design bei den Lebewesen nicht akzeptiert?

Die Vorgehensweise, von Design auf einen Designer zu schließen, wird in der Forschung vielfach praktiziert, z. B. in der Archäologie, wenn Artefakte von Naturprodukten unterschieden werden. Um Artefakte als solche zu erkennen, müssen sozusagen Design-Signale (hier Spuren eines Bearbeiters) nachgewiesen werden. Bei ausgefeilteren technischen Konstruktionen ist die Urheberschaft von Konstrukteuren offenkundig und ihre „Spuren“ sind unzweifelhaft zu erkennen.

Kann der übliche Schluss von Designer-Spuren auf das Wirken eines Designers bei technischen Konstruktionen auf die Lebewesen übertragen werden? Eine solche Schlussfolgerung stellt einen Analogieschluss dar. Für eine solche Schlussfolgerung kann man bemerkenswerte Gemeinsamkeiten in den Strukturen von Lebewesen und von technischen Strukturen ins Feld führen (vgl. beispielhaft Abb. 105), vor allem synorganisierte Strukturen, die eine irreduzible Komplexität aufweisen. Das heißt: In beiden Fällen kann man Strukturen finden, die aus vielen Einzelteilen bestehen, die alle zugleich ausgebildet sein müssen, damit überhaupt eine Funktion vorhanden ist. Im Falle der Technik wissen wir, dass Design dahintersteckt. Aufgrund der ähnlich gelagerten Situation schließen ID-Theoretiker analog auch bei die Lebewesen auf einen Urheber (Abb. 106).

Analogieschlüsse sind jedoch keine Beweise, sondern nur Plausibilitätsbetrachtungen oder Veranschaulichungen. Bei den technischen Gegenständen wissen wir definitiv, dass sie durch die Tätigkeit eines Designers entstehen, bei Lebewesen wissen wir das nicht in gleicher Weise.

Ein Argument dafür, dass der Analogieschluss des ID große Plausibilität hat, ist der Schluss vom Kleineren aufs Größere. Er besagt folgendes: Wenn schon vergleichsweise einfache synorganisierte technische Systeme bekanntermaßen nur durch Designer entstehen, dann gilt dies erst recht für die viel komplizierteren Lebensstrukturen. So gesehen erscheint es fast paradox, dass bei den Lebewesen überhaupt der Ansatz verfolgt wird, ihre Entstehung unter Ausschluss von Design erklären zu wollen. Aber gerade die größere Komplexität der Lebewesen birgt für ID-Kritiker die Hoffnung auf eine Erklärung ihrer Entstehung ohne Design (s. u.).

Außerdem, so wird weiter eingewendet, hinke die Analogie Technik – Lebewesen, da letztere sich selber fortpflanzen und Schritt für Schritt ändern können (vgl. Abb. 106). Offenbar hegen Evolutionsforscher die weitere Hoffnung, dass in dieser Fähigkeit die Lösung für eine rein naturalistische Entstehung der Lebewesen liegen könnte.

Doch liefert die Fortpflanzungs- und Evolutionsfähigkeit sowie weitere Eigenschaften der Lebewesen, die den technischen Systemen fehlen, wirklich ein Argument gegen den Analogieschluss von technischem auf lebendiges Design? (Und wie steht es damit bei der erstmaligen Entstehung des Lebens? Davor gab es ja keine biologische Fortpflanzung. Das wäre noch eine eigene Fragestellung.)

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Was bringt die Fortpflanzungsfähigkeit?

Wir greifen zunächst das Argument auf, dass Lebewesen im Gegensatz zu technischen Systemen die Fähigkeit zur Fortpflanzung und zur Evolution aufweisen.

Im Falle der Lebewesen wird von ID-Kritikern darauf hingewiesen, dass es sich – im Gegensatz etwa zu archäologischen Artefakten – um „Viele-Generationen-Systeme“ (Waschke 2003) handle. Das heißt, eine synorganisierte lebendige Konstruktion, die den Anschein von ID erweckt, konnte oder könnte in vielen aufeinander aufbauenden Generationen sukzessive auf natürliche Weise entstanden sein.

Doch weshalb sollte dies weiterhelfen? Maschinen die sich selbst replizieren, würde man in der menschlichen Technik erst recht als Ausdruck von genialer Planung betrachten (W.-E. Lönnig).

Doch abgesehen von diesem Argument schwächt der Verweis darauf, dass Lebewesen „Viele-Generationen-Systeme" sind, das Design-Argument nicht. Denn Lebensstrukturen weisen irreduzible Komplexitäten auf, die nach gegenwärtigem Kenntnisstand durch natürliche Vorgänge nicht sukzessive entstehen können. Die irreduzible Komplexität ist sozusagen das tertium comparationis zwischen technischen und lebendigen Systemen. Ein System ist irreduzibel komplex, wenn es aus mehreren miteinander zusammenhängenden Teilen besteht, so dass die Entfernung eines beliebigen Teils die Funktion restlos zerstört (Behe 1996). Irreduzible Komplexität muss gegen „kumulative" Komplexität abgegrenzt werden, also gegen eine Komplexität, die kleinschrittig allmählich aufgebaut werden kann.

Das heißt: Irreduzible Systeme sind so gestaltet, dass die Selektion erst greifen kann, wenn das System komplett ist. Das Konzept der irreduziblen Komplexität berücksichtigt also ausdrücklich den Selektionsaspekt.

Irreduzible Komplexität kann also nicht schrittweise entstehen, sonst wäre sie nicht irreduzibel. Die irreduzible Komplexität muss daher in einer einzigen Generation entstehen. Der Verweis darauf, dass Lebewesen Viele-Generationen-Systeme sind, hilft hier also nicht weiter. Es handelt sich nur um eine bei den Lebewesen notwendige, nicht aber hinreichende Bedingung, um den Schluss auf Planung zu entkräften.

Irreduzible Komplexität kann durch empirische Forschung begründet werden, allerdings nur auf der Basis des jeweiligen Wissenstandes, und dieser kann sich bekanntlich ändern. Eine wichtige Frage ist nun aber, ob die Irreduzibilität auch bewiesen werden kann. Vermutlich ist dies nicht möglich, sondern nur eine Frage der Plausibilität. Um zu einer Einschätzung kommen zu können, muss ein Maß für die irreduzible Komplexität gefunden werden und es muss geklärt werden, welches Ausmaß an Komplexität durch bekannte Evolutionsfaktoren von einer Generation zur nächsten möglich sind. Beispielhaft wird dies in Junker & Scherer (2001, 128ff.) beim Bakterienmotor durchgeführt (s. Artikel Beispiel Bakterienmotor). Ein weiteres Beispiel diskutiert Scherer (1995). Mir ist nicht bekannt, ob Kritiker Fehler in der sehr konkreten Argumentation dieser Beispiele aufgezeigt haben. Die ID-Kritiker haben diese Beispiele nach meiner Kenntnis zwar gelegentlich erwähnt, ohne aber auf die Argumentation im einzelnen einzugehen. Es wäre leicht möglich, genau anzugeben, an welcher Stelle der dort präsentierten Argumentationskette Fehler begangen werden oder anfechtbare Schlussfolgerungen gezogen werden.

Aus dem Gesagten folgt: Irreduzible Komplexität kann als Kriterium für Erkennung von ID gelten. Es können noch weitere Kriterien formuliert werden; so verfolgt Dembski (1998; 2002; 2004) das Konzept der weiter gefassten „specified complexity". Man kann auch die sehr reizvolle Frage verfolgen, ob Lebewesen Strukturen aufweisen, die keinen Überlebensvorteil beinhalten, jedoch Ausdruck von Phantasie und Vielfalt sind (vgl. Junker & Wiskin 2002). Da es in diesem Beitrag um Grundsätzliches geht, soll die Formulierung und Erläuterung eines Kriteriums, das der irreduziblen Komplexität genügen.

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Was bringt die Evolutionsfähigkeit?

An dieser Stelle greift der zweite oben genannte Einwand: Er lautet: Wir wissen zu wenig über die Evolutionsfähigkeit der Lebewesen, um sagen zu können, ob es irreduzible Komplexität überhaupt gibt. Dieser Einwand ist insofern berechtigt, als ein definitiver Beweis von Irreduzierbarkeit einer Struktur nur möglich wäre, wenn wir alles über Lebewesen und ihre Fähigkeiten wüßten. Das wird wohl nie der Fall sein. Man kann daher nur sagen: Das Vorliegen von Irreduzibilität ist empirisch begründbar; dieses Konzept har sich bisher bewährt. Man kann sie sogar quantifizieren (dies wird in Junker & Scherer 2001 und Scherer 1995 ebenfalls gemacht). Doch gelten diese Feststellungen wie alle empirisch begründeten Aussagen nur auf der Basis des gegenwärtigen Wissens. (Dieser Vorbehalt ist kein Spezifikum für den Nachweis von irreduzibler Komplexität; sondern gilt für Naturwissenschaft schlechthin.) Für den ID-Ansatz ist daher wichtig, „irreduzible Komplexität“ (oder auch andere Kriterien für Design-Signale) möglichst präzise zu fassen, um das Konzept möglichst streng prüfen zu können.

Mit dem Argument „wir wissen noch zu wenig“ könnte man übrigens auch bei Artefakten wie z. B. Steinwerkzeugen ID-kritisch argumentieren: „Es ist doch gar nicht gesagt, dass die untersuchten Artefakte keine Zufalls- und Naturprodukte sind. Wir wissen einfach noch zu wenig über Erosionsvorgänge, über Frostsprengung und andere natürliche Vorgänge.“

Der entscheidende Beweis für ID wäre erst der Nachweis, dass irreduzible Komplexität grundsätzlich nicht natürlich entstehen kann. Ein solcher Nachweis kann aber nie endgültig geführt werden. Er steht immer unter dem Vorbehalt unserer begrenzten Kenntnisse über die Lebewesen.

Ich sehe aufgrund des Gesagten nur diese eine Möglichkeit, sich der naheliegenden Schlussfolgerung auf ID zu entziehen, nämlich auf zukünftige neuartige Erkenntnisse über die Evolutionsfähigkeit der Lebewesen zu verweisen. Man könnte auch sagen, es ist die Hoffnung, in Zukunft die Irreduzierbarkeit genügend verkleinern zu können oder nachweisen zu können, dass von einer Generation zur nächsten deutlich größere Schritte als bisher nachgewiesen möglich sind.

Das heißt aber auch: Es kann hier vorerst nur um Plausibilitäten gehen. Weitere Forschung muss zeigen, in welche Richtung sich die Plausibilität verschiebt. Damit kommen wir zum nächsten Punkt.

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Bedeutet der Ansatz des ID Erkenntnisverzicht?

Den ID-Theoretikern wird häufig vorgeworfen, sie würden bestimmte Fragen nicht erforschen, nämlich alle Fragen, die sie mit Hinweis auf ID beantworten. Damit sei ID erkenntnisfeindlich. Darauf kann dreierlei entgegnet werden:

1. Der ID-Ansatz regt an, nach Design-Signalen zu suchen. Eine ideologisch nicht festgelegte Wissenschaft kann nämlich die Möglichkeit von ID nicht von vornherein ausschließen, erst recht nicht bei historischen Fragestellungen. Sie wird daher offen dafür sein, Spuren von ID zu suchen. Dazu muss geklärt werden, welche Phänomene ID-Signale sein könnten.

2. Der ID-Ansatz kann durchaus in die Forschung führen: Er regt dazu an, die Struktur-Funktions-Beziehungen der Lebewesen und Evolutionsmechanismen aufzuklären, um besser beurteilen zu können, ob die Entstehung von Lebensstrukturen mit natürlichen Vorgängen erklärt werden kann. Darin liegt offenbar auch die Hoffnung der ID-Kritiker: Im Gegensatz zu vergleichsweise einfacheren nicht-lebenden Systemen stecken in den Lebewesen vielleicht noch viele unentdeckte Eigenschaften oder Fähigkeiten, deren Nachweis ID überflüssig machen könnte (s.o.). Die weitere Forschung könnte aber auch deutlicher als bisher die Notwendigkeit von Design erweisen.

Die Forschungsziele sind im Rahmen eines konsequenten Naturalismus durchaus dieselben wie im Rahmen eines ID-Ansatzes. Unterschiedlich sind allerdings die Erwartungen. Dass der ID-Ansatz Forschung anregt, liegt auch daran, dass eine weitere Stütze oder gar Sicherung dieser Theorie nur über den Weg der Erweiterung der Kenntnisse über die Lebewesen und ihre Fähigkeit möglich ist. Man könnte sagen: Forschung soll helfen, die Grenzen des Naturalismus auszuloten.

Weitere Forschungsanreize im Rahmen des ID-Ansatzes bietet Frage, ob es Grenzen der Variabilität der Arten gibt und wo sie liegen. Auch hier erfolgt die konkrete Forschung sicher kaum anders als im Rahmen des Naturalismus, allerdings würde sich das Augenmerk verändern, was durchaus Folgen für den Erkenntnisgewinn haben kann.

3. Der ID-Ansatz ist breiter angelegt als eine Forschung, die übernatürliche Ursachen nicht als Möglichkeit ins Auge fasst. Er kann sowohl Planung als auch mechanismische Erklärungen handhaben und schließt keine der beiden Möglichkeiten vorschnell aus. Damit ist er qualifiziert, historische Fragestellungen zu bearbeiten, denn es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass in der Vergangenheit ID eine Rolle gespielt hat. Es wird aber auch nicht vorschnell auf ID geschlossen, sondern erst nach eingehender Prüfung, die für verschiedene Möglichkeiten offen sein muss (s.u.). Wenn die Forschung nicht für die Möglichkeit von ID offen ist, ist sie ideologisch.

Wichtig ist hier auch: Die Schlussfolgerung auf Design steht nicht am Anfang – bei der Entdeckung – eines Phänomens, sondern nach einer eingehenden Untersuchung. Dies soll anhand eines Beispiels erläutert werden:

Betrachten wir eine synorganisierte Struktur eines Lebewesens. Solange überhaupt nichts über Evolutionsmechanismen bekannt war (also am Anfang des Studiums des Phänomens), können wir nur den Verdacht hegen, sie seien nicht auf natürlichem Wege entstanden. Der Verdacht wird genährt, wenn in der nun beginnenden Untersuchung Analogien im Bau von Lebewesen und im Bau technischer Konstruktionen festgestellt werden. Weiter muss nun untersucht werden, ob bei den Lebewesen Vorgänge ablaufen, die es bei technischen nicht gibt, womit die Analogie in Frage gestellt würde. Diese Untersuchung geschieht intensiv seit mindestens 150 Jahren. Bisher kann man ein Scheitern der Bemühungen konstatieren, die Entstehung synorganisierter, irreduzibel-komplexer Strukturen auf natürlichem Wege zu erklären (siehe dazu Artikel Beispiel Bakterienmotor). Die Hypothese, es gebe einen Designer, ist damit erhärtet, freilich nicht bewiesen. Sie kann durch weitere Forschung entkräftet werden. Es kann aber auch sein, dass weitere Forschung weiteres Belegmaterial für diese Hypothese liefert.

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Gibt es positive Befunde für ID?

Nach dem bisher Gesagten ist die Antwort die Frage, ob es positive Befunde für ID gibt, sozusagen ein Korollar. Kritiker behaupten, ID beruhe auf Nichtwissen (argumentum ad ignorantiam; vgl. Artikel Einführung in „Intelligent-Design“), d. h. auf dem Scheitern naturalistischer Bemühungen. Man könne nicht für die eigene Position argumentieren, sondern nur andere zu widerlegen versuchen. Doch es sollte deutlich geworden sein, dass bei entsprechender Konkretisierung Hinweise auf ID gewonnen werden können. Indizien für Intelligent Design wie irreduzible Komplexität sind da; man kann sie an jedem Lebewesen finden. Das ist ein positiver Befund.

Dieser Befund wird damit bestritten, dass die Evolutionstheorie diese Design-Signale als nur scheinbar erweisen würde. M. Rammerstorfer spricht in diesem Zusammenhang von „Störquellen", die überprüft werden müssen. Es muss geklärt werden, ob diese für die Design-Signale verantwortlich gemacht werden können. „Im Rahmen der Intelligent-Design-Theorie stellt die neodarwinistische Evolutionstheorie also gleichsam einen ‘Störfaktor’ dar, welcher eine Identifizierung der Signale für Intelligent Design erschwert und daher mit wissenschaftlicher Sorgfalt untersucht werden muss“ (Rammerstorfer 2003). Die entscheidende Frage ist also, ob die Evolutionstheorie (als mechanistische Theorie) die in den Raum gestellte Behauptung belegen kann. „Die Evolutionstheorie ist ein wissenschaftlich genau zu überprüfender Störfaktor in der Intelligent-Design-Theorie“ (Rammerstorfer 2003c). Aus diesem Grunde ist die Intelligent-Design-Theorie übrigens kein Lückenbüßer für unverstandene Phänomene.

Ein weiterer Gesichtspunkt soll noch ins Spiel gebracht werden: Man könnte versuchen, experimentell Leben im Labor zu erzeugen oder irreduzible Komplexität herzustellen. Man kann dann ggf. sagen: So ungefähr könnten Leben oder irreduzible Komplexität entstanden sein. Wenn man überhaupt ein Ergebnis erzielen wird, wird es vermutlich lauten: Mit durchdacht konstruierten Apparaturen ist beides möglich. Man wird vermutlich herausfinden, dass unter Einsatz von ID Leben oder wenigstens Makromoleküle oder sonstige Bausteine des Lebens erzeugen kann. Dies könnte als positive Evidenz dafür gelten, dass man ohne ID nicht auskommt.

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Ist ID falsifizierbar?

Der ID-Ansatz muss konkretisiert werden, damit er geprüft werden kann. Eine strikte Falsifizierung von ID dürfte nicht möglich sein. Falsifizierbar ist aber die Behauptung von irreduzibler Komplexität. Dies geht nur durch weitere Forschung. Um noch einen weiteres Indiz für ID ins Spiel zu bringen: Es könnte sein, dass Lebewesen über mehr Fähigkeiten verfügen, als zum Überleben notwendig ist (vgl. Junker & Wiskin 2002). Dies kann als Behauptung aus dem ID-Ansatz abgeleitet werden. Diese Behauptung ist ebenfalls prüfbar und regt Forschung an. Im übrigen wurde mehrfach (vergeblich) versucht, das Konzept der irreduziblen Komplexität zu widerlegen (vgl. Behe 2001, der solche Falsifizierungsversuche zurückweist). Offenbar sehen ID-Kritiker durchaus Ansatzpunkte für eine Falsifizierung.

Für empirisch arbeitende Natur-Wissenschaften hängen die Ziele „bewiesen" und „widerlegt" wohl zu hoch, wenn es um historische Abläufe geht. Dies liegt in der Natur des Erkenntnisgegenstandes der Entstehung der Lebewesen.

Was für ID in allgemeiner, unkonkreter Formulierung gilt, trifft auch auf den Naturalismus zu. Seine Behauptung, alles ging – salopp gesagt – „von alleine", ist ebenfalls nicht streng falsifizierbar; sie ist zwar in Grenzen prüfbar, aber weder beweisbar noch widerlegbar. Das liegt auch hier daran, dass es sich um ein vergangenes Geschehen handelt, das aufgeklärt werden soll. Der Naturalismus kann immer kontern, dass zu wenig über die Natur bekannt ist, um eine rein naturalistische Erklärung definitiv ausschließen zu können. Damit ist der Naturalismus de facto nicht falsifizierbar (s. auch Anhang). Selbst die Behauptung, eine irreduzibel komplexe Struktur könne auf einem bislang noch unbekannten Wege doch gradualistisch entstanden sein, ist in dieser Form nicht widerlegbar.

Erklärt ID alles? Manchmal wird auch behauptet, der ID-Ansatz sei wertlos, weil mit ihm alles erklärt werden könne. Eine Theorie, die alles erkläre, erkläre nichts (was zutrifft). Doch mit dem ID-Ansatz wird nicht alles erklärt. Wie erläutert, muss eine eingehende Untersuchung des jeweiligen Gegenstandes zeigen, ob die Annahme von ID überhaupt plausibel ist, und in vielen Fällen wird diese Möglichkeit verworfen.

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Wer trägt die Beweislast?

Abschließend soll noch die Frage nach der Beweislast aufgeworfen werden. Niemand sieht außerhalb des Bereichs des Lebendigen ein Problem darin, aufgrund von spezifischer oder irreduzibler Komplexität auf einen Urheber zu schließen. Es ist auch kein Problem, dass der Designer nicht beobachtet wurde oder dass nicht geklärt werden kann, wann und wie das betreffende Objekt hergestellt wurde (etwa die Figuren auf der Osterinsel). Die Ursache wird auch nicht ins „Nichts“ verlegt, wenn sie nicht auf der Ebene des zu erklärenden Objekts selber zu finden ist. Es ist für uns selbstverständlich, Ursachen für die Entstehung eines Gegenstandes außerhalb seiner selbst zu suchen.

Man kann nun, wie bereits geschehen, weiterargumentieren: Wenn schon vergleichsweise einfache Gebilde wie technische Geräte einen Urheber erfordern, dann erst recht viel kompliziertere Gebilde wie Lebewesen. Oder: Weil der Ursprung eines technischen Geräts außerhalb seiner selbst gesucht werden muss, trifft das erst recht auf das physische Leben zu.

Daher gilt: Wer eine Behauptung aufstellt, die gegen alle bisherigen Erfahrungen steht, trägt die Beweislast. Eine solche Behauptung ist die Entstehung der Lebewesen ohne Designer, die Behauptung, die Entstehung von Leben könne allein durch physikalisch-chemische Vorgänge entstehen. Solange es nicht gelingt, diese Behauptungen zu beweisen, ist es ganz und gar vernünftig, an einen Designer zu glauben. Evolutionstheoretiker verweisen an dieser Stelle auf unsere mangelnden Kenntnisse und auf mögliche zukünftige Lösungen. Beides ist nicht widerlegbar. Deshalb ist der Verweis auf einen Designer Glaubenssache, aber es ist ein Glaube, der nicht gegen das Wissen steht.

Für die Vertreter der ID-Theorie (als Signalerkennungstheorie) stellt sich vor allem die Aufgabe, das Konzept der irreduziblen Komplexität (oder andere Kriterien) an konkreten Beispielen möglichst exakt zu fassen und Prüfungen zugänglich zu machen. Wie erwähnt, ist das am Beispiel des Bakterienrotationsmotors (Junker & Scherer 2001, 128-134) sowie am Beispiel der Entstehung der elektronentransportanhängigen ATP-Bildung (Scherer 1995) schon längst erfolgt und steht den Kritikern für eine Prüfung offen.

Weiter sollte daran gearbeitet werden, den Analogieschluss detaillierter zu beschreiben. Hier liegen jedenfalls wesentliche Differenzen zwischen ID-Vertretern und ihren Kritikern.

Dank: Ich danke Markus Rammerstorfer, Linz, für viele Anregungen und Thomas Waschke, Herborn, für zahlreiche kontrovers-konstruktive Diskussionen. Ohne diese beiden Herren wäre dieser Artikel nicht entstanden.

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Literatur

Behe M (1996) Darwin’s Black Box. The Biochemical Challenge to Evolution. Free Press.

Behe M (2001) The modern intelligent design hypothesis. Breaking rules. Philosophia Christi, Ser. 2, 3, 165-179.

Dembski WA (1998) The design inference: eliminating chance through small probabilities. Cambridge; New York.

Dembski WA (1999) Intelligent Design. The Bridge Between Science & Theology. InterVarsity Press. Downers Grove.

Dembski WA (2002) No Free Lunch: Why Specified Complexity Cannot Be Purchased Without Intelligence. Lanham.

Dembski WA (2004) The Design Revolution. Answering the toughest questions about intelligent design. Downers Grove, Illinois.

Junker R & Scherer S (2001) Evolution – ein kritisches Lehrbuch. Gießen.

Junker R & Wiskin R (2002) Der Natur auf der Spur im Frühlingswald. Dillenburg.

Rammerstorfer M (2003) Ein Grundriss der Intelligent-Design-Theorie. http:///www.members.aon.at/evolution/GrundrissIDws.htm

Scherer S (1995) Höherentwicklung bei Bakterien: Ist ein molekularer Mechanismus bekannt? In: Mey J, Schmidt R & Zibulla S (Hg) Streitfall Evolution. Stuttgart.

Waschke T (2003) Intelligent Design. Eine Alternative zur naturalistischen Wissenschaft? Skeptiker 16, 128-136. www.gwup.org/skeptiker/archiv/2003/4/intellegentdesigngwup.html

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Autor: Reinhard Junker, 02.08.2005

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