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Experten: Einführung in „Intelligent-Design“ |
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Inhalt
In diesem Artikel wird erklärt, was mit „Intelligent Design" (ID) gemeint ist und wie man dieses Konzept begründet.
Der Grundgedanke des „Intelligent Design“
Nichtwissen als Argument?
Ein erkenntnistheoretisches Problem
ID ist als Analogieschluss naheliegend
Drei Ursachen für Naturgegenstände
Literatur
Weitere Fragen zu diesem Thema
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Der Grundgedanke des „Intelligent Design“
Der Grundgedanke des „Intelligent Design" (ID) ist, dass man an Strukturen der Lebewesen (oder auch der unbelebten Welt) Eigenschaften („Signale") erkennen könne, die auf das Wirken eines intelligenten, willensbegabten Urhebers (Designer, Schöpfer) hinweisen und andere Möglichkeiten ihrer Herkunft ausschließen. Kennzeichnend für ID ist die Auffassung, „dass es in der Natur allgemein und speziell in der Organismenwelt Planung gibt, oder geben könnte, ..., dass diese Planung in der Natur durch naturwissenschaftliche Methoden prinzipiell nachweisbar ist" (Rammerstorfer 2003a). Die Design-Signale müssen als solche nach geeigneten Kriterien erkannt werden können. Da es um die Erkennung dieses Signal-Charakters geht, kann man mit M. Rammerstorfer von der ID-Theorie als von einer „Signalerkennungstheorie" sprechen. Johnson (1999) schreibt: „Intelligente Ursachen können bewirken, was nicht intelligente Ursachen nicht können, und eine naturwissenschaftliche Untersuchung kann diesen Unterschied aufzeigen."
Das Gegenstück von ID ist ein konsequenter Naturalismus, der grundsätzlich nur natürliche Vorgänge als Erklärungen zulässt, auch in Ursprungsfragen. Naturgegenstände aller Art und ihr Ursprung sollen demnach allein durch Naturgesetze und Zufälle erklärt werden. Der Naturalismus nimmt an, dass es in dieser Welt „ausschließlich mit natürlichen oder ‘rechten’ Dingen zugeht", dass also darin „keine übernatürlichen Wesenheiten oder Eigenschaften und daher keine Wunder" vorkommen (Mahner 2002).
Da sich unter dem Stichwort „ID" ein recht heterogenes Sammelsurium verschiedener Aspekte verbergen kann, sei auf folgende Differenzierung hingewiesen. Man muss unterscheiden zwischen:
• ID als Bewegung mit politischen Zielen. Darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.
• ID als allgemeine Vorstellung vom Wirken eines Urhebers (Designers). Dass es einen Urheber geben könnte, durch dessen Wirken die Welt ins Dasein kam, kann in dieser allgemeinen Form nicht wissenschaftlich untersucht werden. Daher muss diese allgemeine Vorstellung konkretisiert werden. Dies ist Gegenstand dieses Artikels.
• ID als Signalerkennungstheorie (s. o.) bzw. ID-Theorie. Der ID-Gedanke muss soweit konkretisiert werden, dass er getestet und ggf. falsifiziert werden kann. Dabei geht es um die Frage, ob es positive Evidenz für das Wirken eines Designers gibt, worin diese bestehen und wie sie nachgewiesen werden könnte. Über die Identität und das konkrete Wirken eines ggf. plausibel gemachten Urhebers wird keine Aussage gemacht, vielmehr geht es nur um eine Ja/Nein-Entscheidung bzw. um deren Plausibilität.
• ID als Startpunkt. Aufbauend auf einem (vorläufigen) positiven Ergebnis der Signalerkennungstheorie können weitergehende Fragen entwickelt werden, die an die Natur gestellt und geprüft werden können.
Es sei noch darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang mit ID der Begriff „Design" Planung, Zielsetzung, Zweckorientierung oder Schöpfung assoziieren soll, weniger Begriffe wie Verzierung, Verschönerung oder Ästhetik wie etwa bei „Designer-Möbel" usw. Es geht also um das Zweckhafte in der Natur, nicht um zweckfreie Spielereien, obwohl Letztere durchaus auch ein reizvolles Thema in der Biologie sind.

Nichtwissen als Argument?
Kritiker des ID-Ansatzes bemängeln, dass keine Argumente für die eigene Position vorgebracht, sondern nur auf Lücken in alternativen Erklärungsansätzen verwiesen werde. Damit werde mit Nichtwissen argumentiert (sog. argumentum ad ignorantiam). Darauf entgegnen Meyer et al. (2001, 24f.): „Yet design theorists do not infer design just because known natural processes cannot explain the origin of certain features of biological organisms. Rather they infer design because biological organisms manifest distinctive features, hallmarks or positive indicators of intelligently design systems - that is, organisms possess features that in any other realm of experience would trigger the recognition of prior intelligent activity." Es würden also Kenntnisse über Ursache-Wirkungs-Beziehungen, die in der Gegenwart gewonnen werden, auch bei vergangenen Prozessen angewendet. ID basiere daher auf Dingen, die wir kennen, nicht auf Unkenntnis. „Design theorists infer a past intelligent cause based upon knowledge of present cause and effect relationships" (Meyer et al. 2001, 25). (Im Artikel
„Kontroverse um Intelligent Design“ wird im dortigen Abschnitt „Gibt es positive Befunde für ID?" darauf näher eingegangen.) Letztlich handelt es sich daher um einen Analogieschluss; auch darauf wird weiter unten eingegangen.

Ein erkenntnistheoretisches Problem
Ein grundlegendes erkenntnistheoretisches Problem für die Position des ID besteht darin, dass das Wirken eines Urhebers und seine Identität naturalistisch prinzipiell nicht beschreibbar ist - das wäre ein Widerspruch in sich und liegt in der Natur der Sache. Es kann daher beim ID-Ansatz nicht darum gehen, einen Designer und seine Schöpfungsmethode „dingfest" zu machen.
Das Wesen von Schöpfung (insbesondere im biblischen Sinne) liegt gerade darin, dass es transzendent ist. Aussagen zur Schöpfung beinhalten daher eine Grenzüberschreitung. Man kann die Ergebnisse der Schöpfung untersuchen, aber nicht den Schöpfungsvorgang. Bei der ID-Theorie geht es folglich um diese Fragen:
1. Woran können Spuren des Wirkens eines Urhebers erkannt werden?
2. Werden diese Spuren tatsächlich gefunden? Es sei schon an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass beide Fragen Forschung anregen (s. u.).
Ein Vergleich. Ein Vergleich soll dies deutlich machen. Wenn die Form eines Faustkeils naturalistisch erklärt werden könnte (d. h. ausschließlich durch Naturvorgänge wie Erosion und Zufallseffekte wie etwa die Art und Weise, wie ein Stein von einem Steinbruch herunterfällt), wäre die Annahme eines Urhebers, der willentlich den Faustkeil geformt hat, überflüssig. Wenn ein Urheber aber den Faustkeil geformt hat, kann seine Bearbeitung auf der Ebene des Objekts nicht beschrieben werden. Auf dieser Ebene können keine Hände des Bearbeiters und keine Werkzeuge, die das Objekt bearbeiten, gesehen werden. Auch der Vorgang der Bearbeitung und Entstehung des Objekts ist nicht beobachtbar. Man kann lediglich versuchen, natürliche Erosionsvorgänge besser zu verstehen. Dabei kann man viel über zufällig entstehende Formen heruntergefallener oder durch Frost abgesprengter Felsstücke und über die Wirkung von Erosion lernen. Oder man versucht, mit den eigenen Händen einen Faustkeil herzustellen. (In der experimentellen Archäologie wird so vorgegangen.) Damit wird aber ein Designer eingeführt und gezeigt: Mit Design ist es möglich. Ob es ohne Design auch möglich ist, einen Faustkeil zu erhalten, ist damit (durch das Nachmachen) aber nicht bewiesen, im Gegenteil: es ist eher unplausibel.
Analog kann man versuchen, im Labor Leben zu erzeugen. Man kann dann ggf. sagen, auf diese Weise könnte es entstanden sein. Vermutlich wird das Ergebnis sein: Mit Chemikern und durchdacht konstruierten Apparaturen - also mittels Design - ist es möglich.
Eine vollständige naturalistische Beschreibung der Entstehung eines Naturgegenstandes würde einen Designer überflüssig machen. Allerdings nimmt man einen Designer nicht an, weil etwas noch nicht vollständig naturalistisch beschrieben ist, sondern erst, wenn es positive Indikatoren dafür gibt (s. o. sowie Artikel
„Kontroverse um Intelligent Design" ).

ID ist als Analogieschluss naheliegend
Der Gedanke an Planung in der Natur drängt sich dem unbefangenen Betrachter zweifellos auf. Das liegt daran, dass wir die Schlussfolgerung von „Design" auf einen „Designer" im täglichen Leben ständig ziehen und auch wissen, dass dieser Schluss zurecht gezogen wird. Dieser Schluss wird auf die Lebewesen übertragen. Dort ist der Designer natürlich nicht in gleicher Weise bekant, wie etwa der Urheber eines Werkzeugs; daher handelt es sich um einen Analogieschluss. Das heißt: Man schließt aufgrund ähnlicher Verhältnisse bei technischem Design und bei Design in Lebewesen auf eine ähnliche Ursache (bzw. einen Urheber).
Mir ist nicht bekannt, ob abgesehen von den Lebewesen diese Schlussfolgerung auf irgendeinem Wissensgebiet problematisiert wird. Sogar Richard Dawkins - einer der größten Gegner des Gedankens an Planung in der Natur - definiert Biologie wie folgt: „das Studium komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden" (Dawkins 1987, S. 13). Ähnlich Ayala (1994, 4): „The functional design of organisms and their features would therefore seem to argue for the existence of a designer." DeRosier schreibt in der renommierten Zeitschrift Cell (Jg. 93, S. 17) über die Bakteriengeißel: „More than other motors, the flagellum resembles a machine designed by a human" (zit. in Behe 2001). Ähnliche Zitate finden sich bei vielen Evolutionstheoretikern. Man kann also festhalten, dass Beobachtungen an den Lebewesen den Gedanken an Design nahelegen. Es wird von Biologen ohne Weiteres zugestanden, dass die Beschreibung von Lebensäußerungen nicht ohne teleologische Elemente (d. h. Aussagen über Zwecke, die erreicht werden sollen; Zweckmäßigkeit) auskommt.
Autoren wie die zitierten R. Dawkins und F. Ayala glauben allerdings nicht, dass es einen übernatürlich schaffenden Designer gab. Damit stellt sich für sie die Aufgabe, das „offenkundige Design" (Ayala) als nur scheinbar zu erweisen. Der Schluss auf einen Designer muss als Trugschluss, als Illusion entlarvt werden. Hier sei schon darauf hingewiesen, dass die Beweislast bei denjenigen liegt, die das von ihnen selbst zugegebene offenkundige Design als scheinbar entlarven wollen (s. Artikel
„Kontroverse um Intelligent Design" ).
Gegen die hier kurz vorgebrachte Argumentation werden Kritikpunkte vorgebracht. Ihnen widmet sich der Artikel
„Kontroverse um Intelligent Design".

Drei Ursachen für Naturgegenstände
Für die Gestalt von Naturgegenständen kommen grundsätzlich drei Faktoren in Frage: Zufall, Naturgesetze, Wille (Design, personaler Urheber). Um nachzuweisen, dass ein Designer am Werke war, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Zufall und Naturgesetze werden als ausreichende Ursachen ausgeschlossen. „Der Ausschlussversuch von eventuellen natürlichen Ursachen für I.D. ist das Herzstück jeder Signalerkennungstheorie" (Rammerstorfer 2003a).
2. Positive Befunde für einen Designer werden angegeben.
Als Hinweise („Signale") für ID gelten vor allem synorganisierte (=aus mehreren voneinander abhängigen Teilen bestehend) Strukturen mit verschachtelten Wechselbeziehungen zwischen ihren Bestandteilen: spezifizierte (=hier etwa: bedeutungsvolle) Komplexität („specified complexity") oder irreduzible (=nicht verkleinerbar, ohne die Funktion ganz zu verlieren) Komplexität ( „irreducible complexity"). Darauf wird im Artikel
„Kontroverse um ID" eingegangen.

Literatur
Ayala F (1994) Darwin’s Revolution. In: Campbell J & Schopf J (eds) Creative Evolution?! Boston, Mass.
Dawkins R (1987) Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus. München.
Johnson PE (1999) The Wedge. Breaking the Modernist Monopoly on Science. www.touchstonemag.com/docs/issues/12.4docs/12-4pg18.html, 26.04.2003
Meyer SC, Nelson PA & Chien P (2001) The Cambrian Explosion: Biology’s Big Bang. www.discovery.org/articleFiles/PDFs/Cambrian.pdf
Rammerstorfer M (2003a) Einleitung zur Intelligent-Design-Theorie. http://members.aon.at/evolution/EinleitungIDT.htm
Rammerstorfer M (2003b) Eine Theorie zu Signalerkennung und ihre (möglichen) Folgen. http://members.aon.at/evolution/IDTkonseq.htm

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Autor: Reinhard Junker, 20.03.2004
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