Schöpfung: Grundtypenbiologie - Kritik an der Grundtypenbiologie  

Schöpfung: Grundtypenbiologie

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Experten: Kritik an der Grundtypenbiologie

Inhalt

In diesem Artikel wird Kritik vorgestellt, die an der Grundtypenbiologie geübt wurde. Es wird gezeigt, dass entgegen der Ansicht der Kritiker die Ansätze der Grundtypenbiologie prüfbar sind und Forschung anregen. Vermeintliche Widersprüche innerhalb der Grundtypenbiologie werden aufgelöst.

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Testmöglichkeiten des Grundtypmodells

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Wie könnte die Existenz primär getrennter Grundtypen falsifiziert werden?

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Grundtypen und Evolutionsbiologie

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Gemeinsamkeiten verschiedener Grundtypen

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Nur manche Ähnlichkeiten sind abstammungsbedingt

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Darwinscher Mechanismus einer Diversifikation bis zum Familien-Level?

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Erfordert die Grundtypdiversifikation Makroevolution?

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Hohe Artbildungsraten

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Die Grundtypen tauchen im Fossilbericht nicht gleichzeitig auf

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Die Entstehung der Grundtypen ist ein Geheimnis

evolution schöpfung grundtypen als schöpfungseinheiten kritik am grundtypmodell Ist der Test des Grundtypmodells ein Test auf Schöpfung?

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Der Ansatz der Grundtypenbiologie wurde bisher von der Fachwelt nur wenig beachtet. Über die Gründe soll hier nicht spekuliert werden. Hier und da wurden in den letzten Jahren aber vermehrt Kritikpunkte geäußert. Manchmal zeigte diese Kritik, dass der Kritiker mit den Inhalten der Grundtypenbiologie praktisch überhaupt nicht vertraut war (ein Beispiel schildert Grundtypenmodell der Schöpfungslehre widerlegt?). Es wurde aber auch seriösere Kritik geäußert. Auf diese wird in diesem Artikel eingegangen.

Vorneweg soll festgestellt werden, dass die Existenz dieser Kritik zeigt, dass die Grundtypenbiologie zu Recht einen Platz in der Wissenschaft hat. Die Aussagen und Begründungen der Grundtypenbiologie können rational diskutiert werden, auch wenn man ihre dogmatische Motivation nicht teilt oder gar nicht kennt. Außerdem macht die Grundtypenbiologie testbare bzw. falsifizierbare (=widerlegbare) Aussagen. Mit diesem Thema soll die Liste von Einwänden begonnen werden.

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Testmöglichkeiten des Grundtypmodells

Zunächst muss auf die wichtige Unterscheidung zwischen „Schöpfungsparadigma“ und Hypothesen bzw. Theorien der „Grundtypenbiologie“ hingewiesen werden. Dieser Unterschied wird im Expertenteil des Artikels Methodik der historischen Forschung näher erläutert. Unter Schöpfungsparadigma wird ein von Naturgesetzen nicht ableitbares ins-Dasein-Kommen (der ursprünglichen Lebewesen) durch Befehle Gottes („durch das Wort") verstanden. Dieser paradigmatische Rahmen ist nicht direkt prüfbar, sondern kann nur auf Plausibilität getestet werden. In diesem Rahmen können aber konkrete prüfbare Hypothesen und Theorien aufgestellt werden. Sie werden als „Grundtypenbiologie“ zusammengefasst (Heutige Grundtypen, Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen) bzw. es wird vom „Grundtypmodell“ gesprochen. Eine ähnliche Unterscheidung zwischen paradigmatischem Rahmen und konkreten, prüfbaren Theorien gilt auch für die Evolutionsbiologie; auch dort gilt, dass nicht das Paradigma, sondern nur die untergeordneten Hypothesen und Theorien prüfbar sind (Evolutionsparadigma und Naturwissenschaft).

Das Grundtypmodell erlaubt folgende Testmöglichkeiten:

Grundtypen müssen nach dem definierenden Kreuzungskriterium von Nachbargrundtypen abgrenzbar sein. (Die Grundtypdefinition wird im Artikel Heutige Grundtypen vorgestellt; die Kenntnis dieses Artikels wird hier vorausgesetzt.) Unter Nachbargrundtypen sind solche zu verstehen, die morphologisch-anatomisch oder nach anderen Kriterien dem untersuchten Grundtyp am nächsten stehen. Das Kriterium der indirekten Kreuzbarkeit (Kreuzungsverbindung mittels einer dritten Art) ist dabei wichtig, um sekundär aufgetretene Lücken und primäre Grundtypgrenzen auseinanderhalten zu können. Mit Hilfe des definierenden Kreuzungskriteriums alleine können nur Zugehörigkeiten zum selben Grundtyp sicher festgestellt werden, nicht aber die Nicht-Zugehörigkeit, da das Ausbleiben von Kreuzbarkeit durch eine einzige Mutation von zuvor noch kreuzbaren Individuen verursacht sein kann. Daher ist es erforderlich, ein Gesamtbild von den Kreuzungsmöglichkeiten zu bekommen. Aus diesem Grund können Grundtypgrenzen immer nur auf Vorbehalt bestimmt werden. Die Bestimmung von Grundtypgrenzen ist hypothetisch; weitere Überprüfungen können diese Grenzen verschieben. Im Idealfall sollte sich jedoch folgendes zeigen:

Neben dem definierenden Kreuzungskriterium können auch noch andere Kriterien zur Abgrenzung von Grundtypen zum Einsatz kommen, z. B. morphologische, verhaltensbiologische, biochemische oder molekularbiologische. In der Paläontologie muss notgedrungen auf solche weicheren Kriterien zurückgegriffen werden (was aber kein Spezifikum für die Grundtypenbiologie ist). Dies führt in ein weites Forschungsfeld hinein, denn um Grundtypgrenzen plausibel machen zu können, sind möglichst viele Kenntnisse über vermutete Grundtypen erforderlich. Interessant wäre es beispielsweise, zu prüfen, ob verschiedene Grundtypen sich durch den Besitz oder das Fehlen eines irreduzibel komplexen Merkmals gegen nächstähnliche Grundtypen abgrenzen lassen. Damit könnte auch eine interessante Verbindung zum Design-Argument hergestellt werden (Einführung in „Intelligent-Design“).

Auch im molekularen Bereich könnte es Kriterien zur Aufdeckung oder Bestätigung von Grundtypgrenzen geben. Es ist zu prüfen, ob das weitere Anwachsen des Datenmaterials auf Grundtypebene zu mehr Klärung der Beziehungen beiträgt; im Fall von Vergleichen außerhalb der Grundtypen könnte der umgekehrte Effekt eintreten: je mehr Daten, desto mehr Widersprüche (Fehrer 2000, 31). Mittlerweile liegen jedoch Beispiele vor, dass dieser Effekt der zunehmenden Widersprüche bei Zuwachs an Datenmaterial auch auf Grundtypebene vorkommt (Fehrer, persönl. Mitt.).

Evolutionstheoretisch würde man zwischen enger verwandten Formen primär eher ein Formenkontinuum erwarten, welches nicht abrupt bei Grundtypgrenzen abbricht. Ein ursprüngliches Formenkontinuum kann natürlich nachträglich durch Aussterben vermittelnder Formen unterbrochen werden. Diskontinuitäten zwischen benachbarten Grundtypen widerlegen daher die Evolutionstheorie nicht, schwächen aber, wenn sie systematisch auftreten, ihre Plausibilität. Wichtig ist hier der Nachweis sowohl von vielfältigen grundtypinternen Kreuzungen als auch einer markanten Kreuzungsgrenze zu Nachbargrundtypen. Es sollten sich also einerseits möglichst deutliche Grenzen zu Nachbargrundtypen zeigen, andererseits innerhalb von Grundtypen keine klaren Grenzen auftreten (Abb. 82).

Bisher liegen knapp 20 Grundtypstudien vor (Scherer 1993, Fehrer 1994, Neuhaus 1995), die zeigen, dass sich das Konzept bewährt hat. Zweifellos ist das eine sehr geringe Zahl und weitere Grundtypstudien wären wünschenswert. Die Kritik von Korthof (2004, 35, 3.), es handle sich nur um ein Fragment von einer Theorie, ist so gesehen richtig. Aber diese Theorie ist grundsätzlich auf weite Teile der Organismenwelt anwendbar und sie regt daher Forschung an.

Grundtypgrenzen fallen nicht generell mit einem bestimmten taxonomischen Niveau zusammen. Zwar ist der Grundtyp bei Wirbeltieren häufig mit der Familie identisch, doch muss dies nicht immer so sein, sondern muss von Fall zu Fall geprüft werden. Korthof, der sich vergleichsweise ausführlich mit dem Grundtypkonzept befasst, hat diesen Sachverhalt falsch verstanden, vermutlich durch Verallgemeinerung weniger Grundtypbeispiele (Korthof 2004, 35, 37; 1., 2. und 9). Insbesondere ist es falsch, den Menschen mit Menschenaffen in denselben Grundtyp zu stellen, nur weil beide von vielen Taxonomen in dieselbe Familie gestellt werden. Die darauf aufgebaute Kritik von Korthof (2004, 37, 9.) geht an den Aussagen des Grundtypmodells vorbei. Denn Grundtypen werden primär durch Kreuzbarkeit erkannt, nicht durch Merkmale oder anderweitig definierte Taxongrenzen (siehe dazu auch Kritikpunkte weiter unten).

Manchmal wird argumentiert, Grundtypengrenzen seien Symptome für constraints („strukturelle Zwänge“), doch ist dieser Verweis nur eine black box: Denn was ist ein constraint? Weshalb gibt es constraints? Woran werden sie erkannt? Hier lauert die Gefahr des Zirkelschlusses: Strukturelle Gleichheit (das Grundtypspezifische) wird zunächst durch constraints erklärt, die ihrerseits mit dem Hinweis auf strukturelle Gleichheit begründet würden. Rieppel (1994, 67f.) meint dazu: Solange kein kausaler Mechanismus für die Invarianz der Entwicklung gefunden würde, sei der Verweis auf „Entwicklungszwänge“ empirisch leer und nur eine Umschreibung für die strukturelle Gleichheit (vgl. auch Junker 2002, 60f.). Evolution erklärt die Ursache für constraints bislang nicht.

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Wie könnte die Existenz primär getrennter Grundtypen falsifiziert werden?

Hier muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass in historischen Fragen kaum strenge Falsifikationen möglich sind. Die Begründung dazu findet sich im Artikel Methodik der historischen Forschung. Dort wird gezeigt, dass sich die Wissenschaftler in der Praxis um Verifizierungen (=Bestätigungen) bemühen, indem sie nach passenden Daten suchen. Es ist nur möglich, eine Zuordnung von Daten zu dem zugrundeliegenden Ursprungskonzept herzustellen, um eine möglichst große Plausibilität der Dateninterpretation zu erzielen. Dennoch könnte das Grundtypkonzept auf der Basis der Grundtypdefinition sensu Scherer (1993) wie folgt falsifiziert werden:

Daten, die im Rahmen des Grundtypkonzepts plausibel gedeutet werden können, stützen diesen Ansatz:

So gibt es Fälle, wo nah verwandte Formen (innerhalb derselben Grundtypen oder sogar Gattungen) dieselben Organe oder ontogenetischen Stadien auf verschiedenen ontogenetischen Entwicklungswegen erreichen (Hall 1995; vgl. Wells & Nelson 1997; Junker 2002, 53f.). Evolutionstheoretisch ist das schwer zu erklären. Das Polyvalenz-Konzept könnte hier hilfreich sein. Hier besteht großer Forschungsbedarf, der ausdrücklich durch ein Postulat im Rahmen des Schöpfungsparadigmas motiviert ist. Das „Polyvalenz-Konzept" könnte hier auch insofern wertvoll sein, als es die Frage nach dem Zweck einer solchen Polyvalenz nahelegt. Es könnte funktionelle Gründe dafür geben: vielleicht sind manche ontogenetische Entwicklungswege unter bestimmten Umweltbedingungen besser. Das wäre für einen Designer ein Grund, diese Möglichkeit einzurichten. Solche Zwecke zu suchen ist heuristisch wertvoll.

Die gegenteilige Auffassung, Evolution führe durch Artaufspaltungen und Spezialisierung nicht immer in Sackgassen, wird mit dem Fossilbericht oder anderen indirekten Indizien begründet. Doch dies ist eine völlig andere Begründungsschiene. Man verlässt bezüglich der Mechanismen (um die es hier geht) den empirischen Bereich und muss zur Argumentation Makroevolution voraussetzen. Denn die Fossilabfolge als solche beweist Makroevolution nicht.

Aus diesen Punkten ergibt sich das Forschungsinteresse, Grundtypgrenzen aufzudecken sowie Variationsmechanismen und ihre Ursachen aufzuklären. Damit ist klar: Die Grundtypenbiologie regt Forschung an und wirft prüfbare Fragen auf. Außerdem ist nicht jedes Forschungsergebnis mit der Grundtypenbiologie kompatibel. Zudem sind manche Fragen für die Grundtypenbiologie interessant, die sonst nicht verfolgt werden. Daher sind folgende Behauptungen über Wissenschaft im Rahmen des Schöpfungsparadigmas falsch:

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Grundtypen und Evolutionsbiologie

Nun könnte an dieser Stelle weiter eingewendet werden, alle die oben genannten Fragen könnten auch im Rahmen des Evolutionsparadigmas gestellt werden. Teilweise trifft dies in der Tat zu; so gibt es gemeinsame Interessen an der Aufklärung von Variationsmechanismen. Andere Fragen werden von Evolutionstheoretikern jedoch nicht einmal gestellt. Welcher Evolutionstheoretiker sucht nach primären Grundtypgrenzen? Nach deren Verständnis gibt es diese nicht, daher wird er auch nicht danach suchen. Vor allem aber ändert der Einwand, es gebe die gleichen Fragestellungen auch im Rahmen der Evolutionsbiologie, nichts daran, dass die oben genannten vier Behauptungen über Wissenschaft im Rahmen des Schöpfungsparadigmas falsch sind – im Gegenteil: offenkundig ist erkenntnisgewinnende Forschung unter der Vorgabe von „geschaffenen Grundtypen" sehr wohl möglich.

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Gemeinsamkeiten verschiedener Grundtypen

Verschiedene Grundtypen weisen eine mehr oder weniger große Zahl von Gemeinsamkeiten (Homologien, Synapomorphien) auf. Diese Gemeinsamkeiten sollen auf gemeinsame Vorfahren hinweisen, aus denen verschiedene Grundtypen entstanden sind. Dies stehe nach Ansicht mancher Kritiker dem Grundtypen-Ansatz entgegen. In diesem Sinne ist auch das Argument von van Dongen & Vossen (1984, 41f.) zu verstehen: „Without common descent there is no reason why the chromosomes of apes and man should be so strikingly similar as they are.“

Darauf kann wie folgt entgegnet werden: Zum einen handelt es sich hierbei um das Ähnlichkeitsargument, wonach Ähnlichkeit als Indiz für gemeinsame Abstammung gewertet wird. Das Ähnlichkeitsargument erweist sich jedoch bei genauerer Analyse als nicht stichhaltig, denn es gibt keine objektiven Kriterien zur Bestimmung abstammungsbedingter Ähnlichkeiten (Ähnlichkeiten in der Morphologie und Anatomie). Zum anderen wird nicht gefordert, dass sich Grundtypen in möglichst vielen Merkmalen unterscheiden. Das definierende Kreuzungskritierium hat zunächst mit Merkmalen und Ähnlichkeiten nichts zu tun. Allerdings stellt sich durchaus die Frage, ob grundtypspezifische Eigenschaften auch an geeigneten äußeren Merkmalen erkennbar sind (dazu können auch Sequenzunähnlichkeiten von Proteinen und DNA gehören). Die oben angeführte Behauptung von van Dongen & Vossen trifft auf das Grundtypkonzept jedoch nicht zu. Selbstverständlich haben verschiedene Grundtypen mehr oder weniger zahlreiche Gemeinsamkeiten (vgl. dazu Artikel Grundtypen und Makrotaxonomie).

Da Grundtypgrenzen nicht primär an Merkmalen festgemacht werden, geht auch der Hinweis von Korthof (2004, 37, 9.), die Chromosomenvariation innerhalb der Hominoiden sei geringer als die innerhalb der Hundeartigen (Canidae), am Grundtypkonzept vorbei. Es ist zudem zu kurz gegriffen, einzelne Merkmale oder Merkmalskomplexe herauszugreifen, andere dagegen zu übergehen. Im Bezug auf die Abgrenzbarkeit des Grundtyps Mensch heißt das: Es wird ein Gesamtbild von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Menschen und Menschenaffen benötigt, um beurteilen zu können, ob auch auf morphologisch-anatomischer Ebene oder in anderer Hinsicht Grundtypgrenzen plausibel sind. Oben wurde darauf hingewiesen, dass es außer dem definierenden Kriterium Hilfskriterien zur Grundtypabgrenzung gibt. Im Falle des Menschen ist die Grundtypenbiologie auf diese Kriterien besonders angewiesen, da sich Hybridisierungsexperimente mit Tieren aus ethischen Gründen verbieten. Aus der Vergleichenden Biologie gibt es zahlreiche Befunde, die eine deutliche Trennung zwischen Menschen und Menschenaffen hinweisen (aus der neueren Forschung sei z. B. auf Smith 2005, Jorde 2005, Neufeld & Conroy 2004 oder Weissenbach 2004 hingewiesen).

Hinter diesen Argumenten steht noch ein grundsätzlicherer Einwand, der im folgenden besprochen wird.

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Nur manche Ähnlichkeiten sind abstammungsbedingt

Arten desselben Grundtyps gehen nach dem Grundtypkonzept auf eine gemeinsame (geschaffene) Stammart zurück, Arten verschiedener Grundtypen dagegen nicht. Dennoch weisen – so Korthof (2004, 38) – verschiedene Grundtypen vergleichbare Ähnlichkeiten auf wie Arten innerhalb desselben Grundtyps. Es gibt also keine einheitliche Erklärung für Ähnlichkeit; dies erscheint inkonsequent (vgl. Neukamm 2005). Diese Feststellung ist richtig, aber sie ist kein Gegenargument gegen das Grundtypkonzept. Auch im Rahmen des Evolutionsparadigmas gibt es keine einheitliche Erklärung für Ähnlichkeiten, auch nicht für solche, die nach vergleichend-biologischen Kriterien als homolog eingestuft werden (Ähnlichkeiten in der Morphologie und Anatomie). Viele nach biologischen Kriterien als homolog einzustufende Ähnlichkeiten können aufgrund widersprüchlicher Merkmalsverteilungen nicht auf gemeinsame Vorfahren zurückgeführt werden, sondern werden als Konvergenzen interpretiert. Das gilt auch für viele Komplexmerkmale (Beispiele in Junker 2002, 85ff.). Unter evolutionären Prämissen gibt es kein objektives Kriterium zur Unterscheidung von Homologie und Konvergenz (Junker 2002, Kapitel 2) und auch keine einheitliche Erklärung für (strukturell homologe) Ähnlichkeiten.

Im Rahmen der Grundtypenbiologie wird der Unterschied zwischen abstammungsbedingten und nicht-abstammungsbedingten Ähnlichkeiten an den Grundtypgrenzen festgemacht, die anhand eines von den Merkmalen unabhängigen Kriteriums – dem Kreuzungskriterium – erkannt werden. Daraus resultiert auch die Antwort auf die Frage Korthofs, weshalb zwar die Ähnlichkeiten innerhalb der Hundeartigen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeführt werden, nicht aber die Ähnlichkeiten von Hunde- und Katzenartigen. Sie lautet: Hunde- und Katzenartige gehören nach dem Grundtypkriterium der Kreuzbarkeit verschiedenen Grundtypen an.

An dieser Stelle könnte eine interessante Untersuchung ansetzen. Man könnte postulieren, dass es mindestens eine Eigenschaft oder einen Merkmalskomplex gibt, der Nachbargrundtypen voneinander unterscheidet und der nicht durch mikroevolutive Prozesse entstehen kann. Wer geht solchen Fragen nach? Nur diejenigen, die die Existenz primär getrennter Grundtypen zugrundelegen. Die Grundtypenbiologie regt Forschung an.

Daraus ergibt sich eine weitere Antwort auf die Frage, weshalb die Ähnlichkeiten verschiedener Grundtypen nicht auf Evolution zurückgeführt werden: Die betreffenden Grundtypen sind (neben evtl. zahlreichen Gemeinsamkeiten) in bestimmten Merkmalen so sehr verschieden, dass diese Unterschiede nur makroevolutiv überwunden werden könnten. Die Nichteinheitlichkeit der Deutung von Ähnlichkeit wird im Grundtypkonzept also auch mit der Mechanismenfrage begründet: Für Makroevolution fehlen graduell wirkende Mechanismen, daher sind die Ähnlichkeiten von Grundtypen, die durch makroevolutive Sprünge voneinander getrennt sind, nicht durch Evolution zu begründen, es sei denn, man nimmt größere Evolutionssprünge an. Diese würden aber dennoch nach allem, was man heute weiß, latent graduelle Änderungen erfordern, die sich im Laufe der Zeit ansammeln und dann irgendwann (z. B. durch eine homöotische Mutation) plötzlich in Erscheinung treten könnten. Für einen solchen Vorgang gibt es allerdings keine empirischen Belege. Wenn Evolution tatsächlich auch genotypisch makroevolutive Sprünge vollziehen könnte, würde sie sich freilich an dieser Stelle nicht mehr von der Grundtypenbiologie unterscheiden

An dieser Stelle sei im Vorgriff auf einen weiter unten zu besprechenden Einwand darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution nicht an einer Taxongrenze, sondern an Qualitäten festgemacht wird (siehe Einwand „Erfordert die Grundtypdiversifikation Makroevolution?" weiter unten). Die Grenze zwischen Mikro- und Makrovolution kann aber mit einer Taxongrenze zusammenfallen, die aber sicher oberhalb der Biospeziesgrenze liegt.

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Darwinscher Mechanismus einer Diversifikation bis zum Familien-Level?

Korthof (2004, 36, 5.) fragt in seiner Kritik des Grundtypmodells, wie die Diversifikation (=Verschiedenwerden) innerhalb von Grundtypen geschehe und stellt fest, dass sie durch mikroevolutive Prozesse erfolgen müsse. Das ist richtig, denn nach der Grundtypenbiologie erfolgt die Diversifikation tatsächlich allein auf der Basis von Mikroevolution. Weiter behauptet Korthof, „the mechanism must be standard Darwinian mutation and natural selection. ... genera and species are created by natural processes as described by the textbooks." Das ist nur teilweise richtig. Natürlich sind Mutation und Selektion Mechanismen der Mikroevolution und tragen zur Grundtypendiversifikation bei. Alle bekannten Variationsmechanismen sind auch Bestandteil der Grundtypenbiologie. Es mag aber sein, dass es noch weitere Mechanismen gibt, die erst noch zu entdecken sind. Daran besteht im Rahmen der Grundtypenbiologie großes Interesse, was einmal mehr deutlich macht, dass das Schöpfungsparadigma Wissenschaft nicht verhindert – im Gegenteil: Je mehr über die Variationsmechanismen bekannt ist, desto aussagekräftiger kann die Plausibilität des Grundtypmodells eingeschätzt werden.

Vor allem aber rechnet das Grundtypmodell damit, dass die Grundtypen zu Beginn ihrer Existenz polyvalent waren. Die Hauptquelle der Variabilität steckt demnach bereits in den (geschaffenen) Stammformen (vgl. Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen). Es gibt Möglichkeiten, eine ursprünglich große Polyvalenz aufzudecken. Einige davon sind im Artikel Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen beschrieben (ausführlicher in Junker & Scherer [2001], Kap. VII.17.3). Auch hier dürfte es noch viel zu entdecken geben, und auch hier regt das Grundtypmodell Forschung an.

Grundtypenbiologie impliziert also (aktuelle oder potentielle) Polyvalenz der Stammformen. Dieser Aspekt scheint Korthof (2004) nicht bekannt zu sein, wenn er schreibt: „The beautiful ornamentation of the Argus pheasant ... was not created by God but by selection." Korthofs Ansicht nach folgt dies aus dem Grundtypkonzept. Nein, selbstverständlich gehört das Potential zur Ausprägung von „Schmuckstücken" wie Schillerfarben, Krönchen, Pfauenauge und dergleichen zum ursprünglichen Bestand der polyvalenten Stammform des Fasanenartigen-Grundtyps! Um dieses Potential auszuschöpfen, spielen Mutation, Selektion und Gendrift sicher auch eine wichtige Rolle, aber kaum die einzige. Polyvalenz schließt auch das Mutationspotential ein. Aber alleine schon die Kombinationen verschiedener Allele könnten ein erhebliches Variationspotential bergen. Abb. 96 gibt hierzu modellhaft (!) einen Eindruck. Es handelt sich dabei um die vielfältige Nachkommenschaft von äußerlich einheitlichen F1 (=erste Tochtergeneration)-Mischlingen aus Pudel und Wolf (Abb. 213 zeigt die einheitliche Elterngeneration der in Abb. 96 gezeigten Tiere der F2-Generation). In der F2-Generation tritt die genetische Vielfalt durch unterschiedliche Kombinationen zutage. Hier wird beispielhaft sichtbar, dass eine morphologisch einheitliche Elterngeneration (hier: die F1-Generation der PuWos) in kürzester Zeit (in wenigen Generationen) eine erhebliche Vielfalt zeigen kann, wenn sie anfangs sehr polymorph (=genetisch vielseitig) war. Die PuWos der F1-Generation können als Modell (!) für einen ursprünglichen Grundtyp betrachtet werden. Im Grundtypmodell wird davon ausgegangen, daß die ursprünglichen Grundtypen noch deutlich mehr Variationspotential besaßen als die F1-Generation der PuWos.

Korthof schreibt weiter: „If the common ancestor of that group did not possess the eyespots on its tail, mutation and natural selection must have created the eyespots." Dieser Satz stimmt zwar, aber er beschreibt eine Voraussetzung, die im Rahmen der Grundtypenbiologie gar nicht gegeben ist: „If the common ancestor ... did not possess...". Das ist die Voraussetzung der Evolutionstheorie, nicht aber der Grundtypenbiologie. Nach dem Grundtypkonzept besaß der gemeinsame Vorfahre dieses Merkmal (Polyvalenz), was allerdings nicht bedeutet, dass es phänotypisch ausgeprägt sein musste. Die Evolutionsbiologie muss erklären, wie durch Mutation und Selektion das Pfauenauge entstand und welche Selektionsbedingungen die Entstehung dieses Merkmals überhaupt ermöglichten.

Korthof (2004, 36) meint, es würde im Rahmen des Grundtypmodells keinen Sinn machen, die Effizienz der natürlichen Selektion in Frage zu stellen und zu behaupten, Selektion sei keine kreative Kraft. Diese Kritik erübrigt sich, wenn die anfängliche Polyvalenz berücksichtigt wird. Denn das Grundtypkonzept benötigt keine wirklich kreativen Faktoren, auch keine kreative Selektion. Die Vielfalt der Grundtypen steckt vielmehr aktuell oder potentiell in den ursprünglichen Grundtyp-Stammformen. Deren Ausprägung erfolgt durch Rekombination und Mutationen (und anderen Mechanismen).

Daher ist die Behauptung, dass Selektion nicht kreativ sei, nicht widersprüchlich zum Grundtypmodell. Die Kritik von Korthof hängt an dieser Stelle mit einem weiteren Missverständnis zusammen, auf welches im folgenden Kritikpunkt eingegangen wird.

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Erfordert die Grundtypdiversifikation Makroevolution?

Auch diese Kritik hat Korthof (2004, 36, 6. und 7.) formuliert. Er hält die Bezeichnung „Variation" für die Grundtypdiversifikation für unangemessen. Doch dies ist zum einen Definitionssache. Zum anderen ist unter der Voraussetzung polyvalenter Stammformen in der Tat nicht mehr als Variation erforderlich. Und es muss auch keine Makroevolution ablaufen. Hier begeht Korthof einen schwerwiegenden Fehler, wenn Evolution oberhalb des Biospezies-Level bereits als „Makroevolution" deklariert. Wenn er sich mit dem Grundtypkonzept auseinandersetzt, muss er jedoch berücksichtigen, dass in dessen Rahmen der Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution nicht an Taxongrenzen festgemacht wird, sondern an Qualitäten (Entstehung neuer Konstruktionen bzw. neuer Basisfunktionszustände; vgl. Junker & Scherer 2001, II.4.3, S. 53f. sowie IV.7.4; zu Basisfunktionszuständen siehe Beispiel Bakterienmotor), sonst diskutiert er an den eigentlichen Fragen vorbei. Hier wird übrigens sichtbar, dass es in der Auseinandersetzung um Schöpfung und Evolution auch um die inhaltliche Füllung von Begriffen geht. Die Diskussion führt in die Irre, wenn die verwendeten Begriffe nicht einheitlich definiert werden. Und es ist irreführend, wenn Begriffe so verwendet werden, dass man den Gegner besser kritisieren kann.

Wenn der Unterschied zwischen Mikro- und Makroevolution an Taxongrenzen festgemacht wird, wird das eigentliche Problem verschleiert, nämlich die evolutive Entstehung echter Neuheiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Entwicklungsvorgänge bereits dann als Makroevolution definiert werden, wenn sie über die Biospezies-Grenzen hinausgehen. Dann entsteht nämlich der falsche Eindruck, Makroevolution sei bereits nachgewiesen, wenn die Entstehung neuer Biospezies beobachtet wurde (Korthof 2004, 44), und es sei damit im Prinzip geklärt, wie die Evolution der Lebewesen mechanismisch verlaufen sei. Davon kann aber nicht die Rede sein.

Der eigentliche Knackpunkt ist, welche Qualität von Veränderungen durch Mutation (im Zusammenwirken mit anderen Evolutionsfaktoren) möglich sind, nämlich ob auf diesem Wege die Entstehung echter Neuheiten möglich ist. Natürlich ist hier eine möglichst genaue Bestimmung dessen erforderlich, was unter „echten Neuheiten" zu verstehen ist. Letztlich steht die Forschung hier vor dem Problem der Quantifizierung, ein Problem, mit dem alle Beteiligten zu tun haben und an dessen Lösung auch Grundtypforscher interessiert sind – wieder ein Beispiel, dass die Grundtypenbiologie nicht aus der Forschung herausführt.

Wird die Definition von Mikro- und Makroevolution an Qualitäten festgemacht und nicht an Taxongrenzen, löst sich auch eine vermeintliche „Inkonsistenz" des Grundtypmodells auf, die Korthof (2004, 39) wie folgt beschreibt: „Why is common descent a good explanation up to the family level and a bad explanation a higher levels?" Antwort: Weil für ersteres Evolutionsmechanismen gefunden wurden, für zweiteres nicht, und weil an dieser Grenze häufig die Grenze zwischen Mikro- und Makroevolution liegt. (Dabei ist daran zu erinnern, dass die Grundtypgrenze nicht automatisch die Familiengrenze ist, sondern von Fall zu Fall ermittelt werden muss! Korthofs Frage müsste also lauten: Warum wird gemeinsame Abstammung innerhalb von Grundtypen als plausibel erachtet, darüber hinaus jedoch nicht? Dass hier ein Problem liegt, räumen auch manche Evolutionsbiologen ein, vgl. Leigh [1999] und Carroll [2000].)

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Hohe Artbildungsraten

Ebenfalls von Korthof (2004, 36, 8.) wird der Einwand vorgebracht, das Grundtypmodell erfordere unrealistisch hohe Artbildungsraten. Dieser Einwand erscheint gemessen am derzeitigen Kenntnisstand berechtigt, wenn man von einer jungen Schöpfung ausgeht, wonach die Organismenwelt allenfalls größenordnungsmäßig 10.000 Jahre alt ist. Mittlerweile liegt eine zunehmende Zahl von Studien vor, die zeigen, dass Artbildungsprozesse um Größenordnungen schneller verlaufen können, als im Rahmen von Evolutionstheorien früher vermutet worden war (Literaturhinweise in Junker & Scherer 2001, 291). Berühmt geworden ist die oft als „explosiv" bezeichnete Artbildung von Buntbarschen in den ostafrikanischen Seen (Fehrer 1997) (vgl. Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen). Diese Geschwindigkeit lässt sich wahrscheinlich nur auf der Basis von Polyvalenz verstehen (wobei von Evolutionstheoretikern der Zeitrahmen immer noch größer eingeschätzt wird als von Vertretern der Grundtypenbiologie). Hier liegt also zugleich auch eines der Argumente für die Polyvalenz der Grundtyp-Stammformen.

Wie schnell Artbildung ablaufen kann, ist durch weitere Forschung zu klären. Hier sind viele Fragen offen und auch hier hat die Grundtypenbiologie wieder ein ausgeprägtes Forschungsinteresse. Es deutet sich bisher an, dass diese Frage eng mit der Frage nach der Polyvalenz der Stammformen gekoppelt ist.

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Die Grundtypen tauchen im Fossilbericht nicht gleichzeitig auf

Dieser Einwand von Korthof (2004, 37, 10. und 11.) trifft im Wesentlichen zu. Das zeitlich gestaffelte fossile Auftreten verschiedener Taxa mit verschiedenen Grundtypen im Fossilbericht ist in der Tat ein schwerwiegendes Problem für die biblische Schöpfungslehre, die dem biblischen Schöpfungsbericht folgend von einer gleichzeitigen Erschaffung aller Grundtypen ausgeht. Stephan (2002) diskutiert Lösungsansätze, die aber noch viele Fragen offen lassen. Man muss bei diesem Einwand von Korthof beachten: Das Grundtypkonzept an sich impliziert zunächst keine Gleichzeitigkeit der Entstehung der Grundtypen. Erst in einem zweiten Schritt kommt dann der biblische Aspekt der (annähernden) Gleichzeitigkeit ihrer Erschaffung in der Schöpfungswoche ins Spiel.

Allerdings ist innerhalb von einzelnen geologischen Systemen ein nahezu gleichzeitiger erster fossiler Nachweis von Grundtypen regelmäßig anzutreffen, besonders markant bei der kambrischen Explosion, aber auch bei vielen Tier- und Pflanzengruppen, die in jüngeren Systemen fossil überliefert sind (Valentine 2004; siehe Kambrische Explosion).

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Die Entstehung der Grundtypen ist ein Geheimnis

Aus der Sicht eines konsequenten Naturalisten ist dieser Satz (Korthof 2004, 38) natürlich eine schwerwiegende Kritik. Im Rahmen des Schöpfungsparadigmas liegt dieser Sachverhalt dagegen in der Natur der Sache. „Schöpfung" bedeutet nun einmal die unableitbare Herkunft von Entitäten. Eine solche Voraussetzung kann aber empirisch nicht a priori ausgeschlossen werden, vielmehr ergibt sich die Aufgabe, wie man methodisch mit der Möglichkeit einer unableitbaren Schöpfung umgeht (siehe dazu Schöpfung und Wissenschaft).

In diesem Zusammenhang wird auch behauptet, die Grundtypenbiologie ersetze eine bereits vorliegende gute Erklärung für die Entstehung der Grundtypen durch ein Mysterium. „But when a good explanation is available, it is unacceptable to fall back into the mysteries of pre-Darwinian times" (Korthof 2004, 40). Diesem Zitat ist zwar zuzustimmen; die Frage ist aber, ob die Prämisse stimmt. Genau darüber geht aber die Kontroverse. Welches ist die „gute Erklärung"? Es gibt seit Darwin nur die Behauptung einer Erklärung, aber der Beweis fehlt. Darüber kann man kontrovers diskutieren (was im Evolutionsteil von Genesisnet geschieht). Aber man kann den Verfechtern der Grundtypenbiologie nicht den Vorwurf machen, sie würden Wissen ignorieren und 200 Jahre in der Forschungsgeschichte zurückfallen. Die Kritik am Grundtypmodell basiert hier demnach auf einer falschen Voraussetzung, nämlich „Darwin already had an elegant explanation for the similarities between taxonomic groups" (Korthof 2004, 47). Die Ähnlichkeiten konnte er wohl evolutionstheoretisch deuten, aber eine Erklärung für ihre Entstehung hatte er nicht und niemand hat sie bis heute. Davon lenken viele Kritiker des Schöpfungsparadigmas ab, z. B. indem sie versuchen, den Zugang zu dieser entscheidenden Frage schon im wissenschaftstheoretischen Vorfeld abzusperren (vgl. dazu auch Methodik der historischen Forschung).

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Ist der Test des Grundtypmodells ein Test auf Schöpfung?

In vielen Fällen wird man dieselben Befunde erwarten oder auch nicht erwarten, sowohl wenn man von Schöpfung als auch wenn man von Evolution ausgeht. Evolutionstheoretiker reklamieren viele Befunde als Bestätigungen ihrer Ansichten, die mit einer Bestätigung ihrer Theorien gar nichts zu tun haben (vgl. Methodik der historischen Forschung; dort wird auch festgestellt, dass das Evolutionsparadigma gegensätzliche Befunde verkraftet und dass damit alle diese Befunde nicht als eingetroffene Vorhersagen gelten können). In diesem Sinne kann man auch Tests am Grundtypmodell damit relativieren, dass dessen Bestätigung keine Bestätigung für Schöpfung sei (Neukamm 2005). Ist also Grundtypenbiologie überhaupt eine Forschungsrichtung, die im Schöpfungsparadigma anzusiedeln ist? Das wäre nur der Fall, wenn die Grundtypenbiologie zwingend aus dem (biblischen) Schöpfungsparadigma ableitbar wäre. Doch trifft dies zu?

Im Artikel Methodik der historischen Forschung wurde dargelegt, dass es in historischen Fragen nur um Plausibilitäten gehen kann. „Schöpfung" kann prinzipiell nicht direkt getestet werden, genausowenig wie „Makroevolution" direkt getestet werden kann. Wird „Schöpfung" aber dahingehend konkretisiert, dass eine getrennte Entstehung polyvalenter Stammformen vorausgesetzt wird, dann können Befunde ermittelt werden, die diese Vorgabe stützen oder eher unplausibel erscheinen lassen. Mehr ist bei der Prüfung historischer Theorien methodisch nicht möglich, und dies ist kein Spezifikum für die Grundtypenbiologie. Getestet wird nur das, was aus dem Paradigma gefolgert wurde (vgl. Mahner 2000; Neukamm 2005). Im Artikel Biblische Schöpfungslehre und Grundtypenbiologie wird gezeigt, dass sich die Existenz abgrenzbarer Grundtypen aus dem biblischen Schöpfungsparadigma ergibt (jedenfalls dass ihre Existenz mindestens sehr nahe liegt). Ein auf jeder taxonomischen Ebene gleichmäßiges Formenkontinuum würde dazu nicht passen. Wenn also das Grundtypkonzept getestet wird, wird damit auch das Schöpfungsparadigma auf Plausibilität getestet.

Allerdings sind Grundtypgrenzen auch im Rahmen des Evolutionsparadigmas möglich. Es könnte evolutionäre Mechanismen geben, die dazu führen, dass es klar abgrenzbare Grundtypen gibt. Vielleicht lässt sich sogar argumentieren, dass solche Grenzen und abgrenzbare Cluster von niederrangigenTaxa zu erwarten sind (allerdings dürfte dergleichen evolutionstheoretisch nicht vorhergesagt worden sein). Kurzum: Die Existenz abgrenzbarer und in sich geschlossener Grundtypen testet nicht unbedingt spezifisch das Schöpfungsparadigma. Daher muss der Test auf Abgrenzbarkeit mit anderen Tests (s.u.) kombiniert werden.

Zunächst aber können wir zweierlei festhalten:

1.  Wenn sich regelmäßig nach geeigneten Kriterien deutliche Grundtypgrenzen und innerhalb dieser Grenzen enge Beziehungen nachweisen lassen, ist ein solcher Befund ein starker Beleg auf primäre Grenzen, also auf solche, die es von Anfang der Existenz der Grundtypen gab. Genau das ist eine Schlussfolgerung aus dem biblischen Schöpfungsparadigma.

2. Könnte man evolutionstheoretisch tatsächlich abgrenzbare Grundtypen vorhersagen, dann würde an dieser Stelle auf das Evolutionsparadigma zutreffen, was Kritiker dem Schöpfungsparadigma vorhalten: Die Befunde könnten sein wie sie wollen: sie würden immer passen. Im Rahmen des Evolutionsparadigmas wäre bezüglich der Abgrenzbarkeit oder Nicht-Abgrenzbarkeit von Taxa alles erklärbar, und an dieser Stelle gäbe es dann auch keine Möglichkeit, das Evolutionsparadigma zu testen (vgl. Methodik der historischen Forschung). Man kann durchaus die komplette Grundtypforschung auch im Rahmen des Evolutionsparadigmas betreiben (wie auch umgekehrt Evolutionsforschung im Rahmen des Schöpfungsparadigmas), aber viele Fragen, denen sich die Grundtypenbiologie widmet, sind durch die Vorgabe einer allgemeinen Evolution aller Lebewesen nicht gerade motiviert. Daher zeigt die Tatsache, dass im Rahmen der Grundtypenbiologie erforschbare Fragen nur dadurch aufgeworfen werden, dass das Grundtypkonzept seinen Platz sehr wohl zurecht im Rahmen des Schöpfungsparadigmas hat.

Es gibt aber weitere Testmöglichkeiten, bei denen unterschiedliche Erwartungen vorliegen, je nachdem, ob man vom Evolutions- oder Schöpfungsparadigma ausgeht. Es geht ja in der Grundtypenbiologie nicht nur um die Frage der Abgrenzbarkeit geeigneter systematischer Taxa, sondern auch um ihre Eigenschaften und Fähigkeiten. Hier ist an das Stichwort „Polyvalenz" zu erinnern. Wenn plausibel gemacht werden kann, dass die Lebewesen mit einem großen genetischen Potential ihre Existenz starteten (Anhaltspunkte gibt es dafür: Genetisch polyvalente Stammformen von Grundtypen), und wenn eine Abnahme der Polyvalenz im Laufe der Generationen plausibel gemacht werden kann, passt dieser Befund letztlich nicht ins Evolutionskonzept, ist aber im Rahmen des Schöpfungsparadigmas zu erwarten. Denn er würde darauf hinauslaufen, in der Vergangenheit auf zunehmend polyvalentere Formen zu stoßen. Zu primitiven Vorfahren, die im Evolutionsparadigma zu fordern sind, gelangte man auf diesem Wege nicht. Dagegen könnte der Befund der nahezu unbegrenzten Variabilität und makroevolutionären Entwicklung der Arten nicht Teil des Grundtypkonzepts sein. Eine unbegrenzte Variabilität könnte aber Teil irgendeines Schöpferplans sein, wie Neukamm (2005) richtig feststellt. Hier wird deutlich, dass zwischen allgemeinem Paradigma und konkreten Theorien im Rahmen des Paradigmas unterschieden werden muss. Denn unbegrenzte programmierte (geschaffene) Variabilität wäre für ein allgemeines Schöpfungsparadigma vorstellbar, verbietet sich aber aus dem biblischen Befund und passt nicht zum Grundtypmodell.

Man kann weiter argumentieren: Wenn gezeigt werden könnte, dass Evolution nur im Rahmen von Grundtypen möglich ist, dann wäre Deszendenz zwischen den Grundtypen widerlegt. Ein solcher Nachweis ist allerdings sehr schwierig, strenggenommen nicht zu führen. Denn ein „nicht möglich" kann immer als ein „noch nicht möglich" interpretiert werden. Auch hier kann man wieder nur mit Plausibilitäten arbeiten: Wenn trotz aller Forschungsbemühungen keine Anhaltspunkte erkennbar werden, wie Grundtypgrenzen durch natürliche Prozesse überschritten werden können, wird eine primäre Abgrenzbarkeit von Grundtypen immer wahrscheinlicher.

Die Problematik der logischen Verknüpfung des biblischen Schöpfungsparadigmas und daraus gefolgerter Hypothesen soll durch einen Vergleich mit der Situation im Rahmen des Evolutionsparadigma verdeutlicht werden. Neukamm (2005) meint im Sinne der eingangs dieses Abschnitts genannten Kritik, dass das Schöpfungsparadigma mit keinem Postulat und mit keiner Folgerung des Grundtypmodells in logischer Hinsicht verbunden sei. „Keine der Hypothesen des Grundtypmodells lässt sich aus der Schöpfungshypothese ableiten oder schlüssig begründen." Wird lediglich ein allgemeines Schöpfungsparadigma zugrunde gelegt, so trifft diese Einschätzung Neukamms zu. Das gilt aber auch für das Evolutionsparadigma und sogar für manche untergeordneten Theorien im Rahmen dieses Paradigmas. In seinem Beitrag nennt Neukamm (2005) das Beispiel der abgestuften Ähnlichkeit: „So lässt sich z.B. aus dem Darwinschen Postulat, dass alle Arten von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen (in Verbindung mit dem Wissen um die Vererbung, Variation und Selektion) die Folgerung ableiten, dass zwischen den Arten eine abgestufte Ähnlichkeit bestehen muss; eine Folgerung, die man testen kann und die bis zur molekularen Ebene immer wieder bestätigt wird" (Hervorhebung im Original). In zahlreichen Fällen lassen sich die Organismengruppen jedoch nur mit sehr vielen Merkmalswidersprüchen in Baumdiagrammen darstellen, in einer Reihe von Fällen (sowohl in der Mikro- als auch in der Makrotaxonomie) ist die Baumdarstellung kaum sinnvoll (vgl. beispielhaft Abb. 206, Abb. 207 und Abb. 210 sowie Grundtypen und Makrotaxonomie). Die Folgerung der abgestuften Ähnlichkeit hat sich keineswegs immer wieder bestätigt; und molekulare Dendrogramme (=Ähnlichkeitsbäume) passen oft nur teilweise (wenn überhaupt) zu den Stammbäumen, die auf der Basis morphologisch-anatomischer Merkmale ermittelt wurden. Vor diesem Hintergrund kann man hier kaum sagen, dass bestimmte Hypothesen eine logische Deduktion aus dem Evolutionsparadigma darstellen (vgl. auch Methodik der historischen Forschung). Es liegt offenbar in der Natur historischer Theorien, dass konkrete Schlussfolgerungen aus dem zugrundliegenden Paradigma kaum möglich sind. Die diesbezügliche Kritik am Verhältnis zwischen dem Grundtypkonzept und dem Schöpfungsparadigma trifft also nicht spezifisch das Schöpfungsparadigma, sondern alle Ursprungsparadigmen.

Schlussfolgerungen. Wird durch Prüfung des Grundtypmodells auch das Schöpfungsparadigma getestet? Strenggenommen ist dies nicht der Fall. Denn wenn wir uns auf der Ebene des allgemeinen Schöpfungsparadigmas bewegen, gibt es keine eindeutigen Vorhersagen und damit auch keine strikten Testmöglichkeiten. Dies gilt aber auch für das Evolutionsparadigma (Methodik der historischen Forschung ). Die spezifischeren Hypothesen der Grundtypenbiologie können jedoch durch empirische Befunde getestet werden, da aus ihnen keine beliebigen Erwartungen folgen. Da das Grundtypmodell im Rahmen des Schöpfungsparadigmas eine naheliegende Konkretisierung von Schöpfung bedeutet, erhöhen erfolgreiche Tests der Grundtypenbiologie die Plausibiliät des dahinterstehenden Schöpfungsparadigmas.

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Autor: Reinhard Junker, 07.07.2005

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